Laden geht in Insolvenz

Der mit bürgerschaftlichem Engagement betriebene Genossenschaftsladen in Bartenbach hat Insolvenz angemeldet. Der Verkauf geht aber normal weiter. Der Insolvenzverwalter setzt auf einen Sanierungsplan.

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Der Genossenschaftsladen in Bartenbach steht auf der Kippe. Jetzt wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Foto: Staufenpress

Er ist ein einzigartiges bürgerschaftliches Projekt im Landkreis: der Genossenschaftsladen in Bartenbach. Seit sechseinhalb Jahren sichert er in dem Stadtbezirk mit knapp 4000 Einwohnern die Nahversorgung. Hunderte Bürger hatten Anteile gezeichnet und den Laden damit erst möglich gemacht.

Jetzt hat die 500 Mitglieder zählende Verbrauchergenossenschaft "Unser Laden in Bartenbach" Insolvenz beantragt. Das vorläufige Insolvenzverfahren wurde eröffnet, bestätigt Tobias Sorg. Der vom Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter aus Ulm setzt darauf, den Laden weiter betreiben zu können. Der Verkauf gehe normal weiter. Der ehrenamtlich arbeitende Vorstand habe zu einem sehr frühen Zeitpunkt das Verfahren eingeleitet und damit die Chance erhöht, schnell wieder aus der Insolvenz zu kommen, lobt der Wirtschaftsjurist. Die Verbindlichkeiten seien nicht sonderlich hoch. Er habe das Ziel, Kosten zu reduzieren und den Betrieb auch nach der vorläufigen Insolvenz weiterführen zu können. Drei Monate lang seien die Gehälter der Mitarbeiter gesichert. Die Beschäftigten wurden am Mittwoch über die Situation informiert.

Tobias Sorg kündigte an, es werde in zwei bis drei Wochen eine Generalversammlung der Genossenschaft einberufen. Dann könne schon ein grobes Sanierungskonzept vorgelegt werden. Dafür gebe es auch schon gute Ideen. Er werde versuchen, die Gläubiger mit ins Boot zu holen. Voraussetzung sei, dass die Anteilseigner bereit sind, noch einmal finanziell mit einem gewissen Betrag einzuspringen. "Die Genossen müssen jetzt zusammenstehen", sagt Sorg. Er sei zuversichtlich, dass sich der Laden mit einer "schwarzen Null" betreiben lasse.

Knackpunkt seien jedoch die immer wieder zu geringen Umsätze in dem Geschäft. Er sei bereit, sich für den Laden einzusetzen, verspricht der Insolvenzverwalter. Schließlich gehe es dort nicht um Gewinninteressen, sondern um das soziale Anliegen, auch für ältere Menschen eine Einkaufsmöglichkeit zu bieten.

Tobias Sorg weist darauf hin, dass die Göppinger Stadtverwaltung auch die geplante Sanierung der Ortsmitte in Bartenbach auf den Laden hin ausrichten wollte. Eines der Ziele sei es, das direkte Umfeld der Ladenpassage attraktiver zu gestalten. Er werde deshalb auch mit der Stadtverwaltung Kontakt aufnehmen. Wie berichtet hatte die Stadt in Aussicht gestellt, sich auch an der Umgestaltung des Genossenschaftsladens selbst finanziell zu beteiligen.

Sollten sich die Genossen am Ende der Frist für einen Weiterbetrieb entscheiden und die Perspektive vorhanden sein, werde es einige kleinere Umbauten geben, sagt der Insolvenzverwalter. Auch dies hätten Vorstand und Aufsichtsrat bereits vorbereitet. Ziel sei es, Kosten einzusparen, beispielsweise durch eine Verknüpfung von Bäckereibereich und Metzgerei-Theke. Dafür würden jetzt verschiedene Lösungen geprüft und dann in der Generalversammlung eingebracht.

Andreas Reik vom Vorstand der Genossenschaft bestätigt, dass es bereits Vorstellungen gebe, wie der Laden fortgeführt werden könnte. Allerdings müssten die nötigen Investitionen im überschaubaren Rahmen bleiben - schon im Interesse der beteiligten Geldgeber.

Die zwei ehrenamtlichen Vorstände und sechs Aufsichtsräte der Genossenschaft hätten den sicheren Weg gewählt, als sie merkten, dass der Laden am Rande der Zahlungsunfähigkeit steht, sagt Reik. Die Ehrenamtlichen seien nun froh, dass auch ein externer Fachmann bestätigt habe, dass eine Fortführung mit einem Sanierungskonzept möglich sein könnte.

Auslöser für die derzeitige finanzielle Klemme des Ladens sei ein unerklärlicher Umsatzeinbruch im Herbst gewesen, meint Andreas Reik. Das Ostergeschäft sei dagegen recht vielversprechend verlaufen. Es gelte nun, sich nicht nur an die Genossenschaftler zu wenden. Auch die anderen Bartenbacher sollen aufgerufen werden, ihren Laden in Bartenbach nicht zu vergessen. "Die Umsätze müssen wieder anziehen, sonst geht es nicht weiter."

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