Lachende und weinende Augen nach Gabriele Zulls Wahlsieg in Fellbach

Glückwünsche von allen Seiten bekommt die neue Oberbürgermeisterin von Fellbach, Gabriele Zull. Man wird sie in Göppingen allerdings auch vermissen. <i>Mit Kommentar.</i>

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Ein Ansturm der Glückwünsche hat sie erreicht, die mit 61,2 Prozent auf Anhieb gewählte Oberbürgermeisterin von Fellbach und bisherige Erste Bürgermeisterin im Göppinger Rathaus. Gabriele Zull erlebt einen Glückwunschmarathon, erst beim Wahlabend in Fellbach, den sie in einem Lokal mit ihrer Familie und einem großen Team ausklingen ließ, und dann auch auf allen Kanälen – über Email, Facebook, What’s App. Sie freut sich, „wer alles an mich denkt“. Sehr glücklich ist sie über ihren Wahlerfolg, auch über die Entscheidung im ersten Wahlgang. Manche hätten auch einen zweiten für möglich gehalten. Sie selber hat in den letzten Tagen gar nicht mehr gewusst, was sie glauben soll, auch wenn sie immer eine gute Resonanz spürte, und am Sonntag nur noch der Entscheidung entgegengesehen hat, „jetzt geschehe, was geschehen soll.“ Was dann geschah, wertet sie als großen Vertrauensbeweis und betont im gleichen Atemzug die Verantwortung, der sie jetzt gerecht werden will.

„Mindestens ein weinendes Auge“ hat sie aber auch nach 21 Jahren im Göppinger Rathaus und 13 Jahren Wohnen in Göppingen. Die gewohnte Umgebung, die Freunde. „Das kann ja gar nicht anders sein.“ Es wird jetzt ein Umbruch für die ganze Familie. Ein Umzug, für den Sohn ein Schulwechsel. Die Zulls gehen jetzt auf Wohnungssuche.  „Was nicht einfach ist in Fellbach“, weiß die neue Oberbürgermeisterin.

Oberbürgermeister Guido Till gratuliert seiner Ersten Bürgermeisterin zu diesem „hervorragenden Ergebnis“, für das sie in einem langen Wahlkampf hart gearbeitet habe. Die 61 Prozent seien ein breites und klares Votum der Fellbacher, „eine gute Startposition“. Dass er damit auch eine Kollegin  verliert, ist für ihn nicht das Thema. „Ich kann nur sagen, dass wir uns mit ihr freuen.“ Till verweist darauf, dass die Stadt Göppingen mit ihren 60 000 Einwohnern auch immer ein Sprungbrett für Verwaltungsleute gewesen sei. Mit  Frank Dehmer (Geislingen) und Gabriele Zull seien das gleich zwei Oberbürgermeister in den letzten Jahren.  „Darauf bin ich schon stolz“, sagt Till.

Glückwünsche und auch Bedauern über ihren Abschied kommen von allen Fraktionen im Göppinger Gemeinderat.  „Die Fellbacher haben eine Super-Wahl getroffen“, sagt CDU-Fraktionschef Felix Gerber, „es ist für beide Seiten eine win-win-Situation“.  Dass sich Zull, die von der CDU seinerzeit bei ihrer Wahl zur Ersten Bürgermeisterin unterstützt wurde, nach höherem  umgesehen hat, überrascht ihn nicht. „Sie hat die Fähigkeit, eine Stadt zu lenken.“ Rein theoretisch, fügt er augenzwinkernd hinzu, könne sie sich zu gegebener Zeit ja auch wieder in Göppingen bewerben. Das ist für  Gabriele Zull allerdings kein Gedanke. „Ich bin nicht der Mensch, der von einem zum anderen hüpft.“

Zull habe ihre Qualität als zukünfnftige Oberbürgermeisterin in Fellbach dokumentiert, bescheinigt ihr Dr. Emil Frick (FWG), „besser geht es gar nicht“. Dass sie locker über 50 Prozent komme, habe er erwartet. „Über 60 Prozent ist Extraklasse.“ Jetzt stehe Göppingen vor einem „großen Problem“: „Wo kriegen wir jemanden her, der in die Fußstapfen der Frau Zull reinpasst?“

Das ist auch für Heidrun Schellong (SPD) keine einfache Frage. Gabriele Zull sei auch in der Bevölkerung sehr beliebt gewesen. „Wir lassen sie nur ungern gehen.“

„Schön für Frau Zull, schlecht für die Stadt Göppingen“, kommentiert Klaus Rollmann (FDP/FW) das Wahlergebnis in Fellbach.  „Sie hat viel auf den Weg gebracht“, sagt auch Christoph Weber (Grüne), in der Ganztagesbetreuung, U3-Betreuung, Schulsozialarbeit, Streetwork, der Chapel.

„Für Göppingen ein schwerer Verlust, für Fellbach ein Riesengewinn“, sagt Stadtrat Christian Stähle (Lipi). Sein Seitenhieb gegen Oberbürgermeister Guido Till: Zull habe in Göppingen lernen können, wie man eine Stadt nicht leite.  Stähle hat seine Parteifreunde in Fellbach wissen lassen, „dass auch Linke mit Frau Zull hervorragend zusammenarbeiten können“.

Ein Kommentar von Joa Schmid: Verlust für Göppingen

Sie hat das Zeug zur Oberbürgermeisterin. Das wusste man in Göppingen, und das hat Gabriele Zull offenbar überzeugend in Fellbach rübergebracht. Auch wenn man nie weiß, was der Wähler will: Es wäre schon eine Überraschung gewesen, wenn sie das Rennen nicht gemacht hätte. Zull konnte mit ihrer Kompetenz, ihrer Erfahrung als Erste Bürgermeisterin einer Kreisstadt, Engagement für die Sache und Interesse für die Menschen die Herzen der Fellbacher erobern. Man darf ihr alles Gute wünschen. Gabriele Zull hat es verdient, auch mit einem langen Wahlkampf, in den sie sich reingehängt hat. Und weil alles seine zwei Seiten hat, bedeutet die Glücks-Medaille für die Wahlsiegerin eben auch einen Verlust für Göppingen. Zull geht der Stauferstadt verloren. Das darf man bedauern, wie es alle Fraktionen im Gemeinderat tun, die damit einen vertrauten Akteur in der Stadtverwaltung verlieren. Zulls Moderator-Fähigkeit und gute Führung ihres Ressorts waren allseits anerkannt. Solche Einmütigkeit gibt’s im Göppinger Gemeinderat nicht so oft. Aber es muss weitergehen, und so sind die Stadtpolitiker gefragt, geeignete Kandidaten für die Nachfolge zu finden. Einfach wird das nicht. Auch weil das frühere Prinzip, die Vergabe von Dezernentenstellen nach Parteiproporz, schon bei Zulls Wahl vor fünf Jahren über Bord ging und bei heute sechs Fraktionen kaum noch anwendbar wäre. Es geht schlicht um mehrheitsfähige Kandidaten. Gut so.

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