Zum ersten Mal frisiert ein Barbier auf dem Mittelaltermarkt

Zum ersten Mal bereichert ein Barbier den Göppinger Mittelaltermarkt. Einst wurden sie  „Proletarier des Ärztestandes“ bezeichnet.

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Friseurmeisterin Diana Schneid aus Memmingen demonstriert mittelalterliche Haarflechtkunst, während ihr Mann im Hintergrund für eine Kopfmassage sorgt.  Foto: 

Heute unvorstellbar, früher ganz normal – das Tätigkeitsfeld eines Barbiers. Die geschichtliche Vergangenheit dieser Bart-Scherer und der Bedeutungswandel des Wortes „Barbier“  ist in der Tat bemerkenswert und für viele neu. Genau so neu wie Diana Schneid, die als Friseurmeisterin heuer zum ersten Mal beim Stauferspektakel zu Göppingen vertreten ist.

Wer allerdings zwischen Gaukelei und Schabernack mal eben seine Frisur stutzen lassen möchte, hat Pech gehabt. „Die Schere kommt bei mir nicht zum Einsatz, beim Schneiden oder Rasieren könnte man ja jemanden verletzen. Aus hygienischen Gründen ist dies nicht erlaubt, wir können und dürfen auch nicht desinfizieren“, erklärt die Fachfrau aus Memmingen und ergänzt: „Und meinen Meisterbrief setze ich da ungern aufs Spiel.“

Und überhaupt, im Mittelalter war der Barbier nicht nur fürs Haareschneiden oder das trockene Rasieren zuständig, vielmehr war er auch im Bereich der allgemeinen Körperpflege und Wundheilung ein gefragter Mann, weiß Diana Schneid zu berichten. „Als Proletarier des Ärztestandes“ konkurrierte der Barbier in der niedrigen Heilkunde mit dem Bader. Letzterer sollte dagegen „nur denen, welche wirklich bei ihnen baden, folglich ausgezogen und nass sind, das Haar putzen und den Bart rasieren dürfen“, lernen die Besucher bei der sympathischen Bayerin.

Mittlerweile hat Kiara Platz genommen, genießt die Kopfmassage von Andi Schneid. „Ja, er macht es sehr gut“, lobt die Vierzehnjährige mit geschlossenen Augen. „Da verliert unsere Tochter jedes Zeitgefühl, im letzten Jahr waren es die Füße, heuer der Kopf“, verraten Stefanie und Matthias Paul lachend. Wegen des tollen Flairs nimmt die kleine Familie aus Königsbronn bei Heidenheim die Fahrt in Kauf: „Über einen Flyer auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt wurden wir auf das Stauferspektakel aufmerksam.“

Im wahren Leben ist Andi Schneid Polizist, unterstützt aber seine Frau gerne auf den Mittelaltermärkten. Neben den Kopfmassagen bietet die Friseurmeisterin unter anderem Flechtfrisuren für Frauen oder Bartperlen für Männer an und versteht sich auf das Tressieren. „Die älteste Art der Befestigung von Haaren zur Herstellung von Haararbeiten ist das Tressieren. Dabei verschlingt man Haare auf zwei oder drei gespannten Fäden, Tressierzwirn oder Draht. So entsteht eine Art Schnur, von der die Haare herunterhängen, die Tresse“, erklärt Diana Schneid das Tressieren am Tressierrahmen.

Immer wieder bleiben Besucher stehen, blicken ihr dabei zu oder staunen über ihr Wissen in Sachen  Barbiere. Die „Alleskönner“, die überwiegend männliche Kunden versorgten, führten damals obendrein das bekannte Schröpfen, den Aderlass sowie die wohl weniger beliebten Klistiere durch. Auch bei Problemen mit den Zähnen, einer Stich- oder Schussverletzung oder Ausschlägen, Fußpilz sowie Geschlechtskrankheiten ging man zum Barbier. „Wie gut, dass wir im 21. Jahrhundert leben“, bringt es eine Zuhörerin auf den Punkt.

Info  www.stauferspektakel.de

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