Kunstprojekt: Wie klingt Göppingen?

Wie klingt Göppingen? Ein Kunstprojekt soll jetzt kreative Antworten geben. In der Stadt machen sich zwei Freiburger Komponisten auf Spurensuche.

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  • Astrid und Ephraim Wegner machen sich in Göppingen auf Spurensuche 1/2
    Astrid und Ephraim Wegner machen sich in Göppingen auf Spurensuche Foto: 
  • Wie klingt Göppingen? Nach knisternden H&M- oder New-Yorker-Tüten? Die gibt es in vielen anderen Städten auch. Aber gibt es überhaupt einen charakteristischen „Göppinger Sound“? Die Freiburger Komponisten Astrid und Ephraim Wegner (rechts im Bild) haben sich in Göppingen auf Spurensuche gemacht. 2/2
    Wie klingt Göppingen? Nach knisternden H&M- oder New-Yorker-Tüten? Die gibt es in vielen anderen Städten auch. Aber gibt es überhaupt einen charakteristischen „Göppinger Sound“? Die Freiburger Komponisten Astrid und Ephraim Wegner (rechts im Bild) haben sich in Göppingen auf Spurensuche gemacht. Foto: 
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Wie werden die Menschen einst zusammenleben? Gibt es Ansätze einer positiven Zukunftsvision? Mit dem Projekt „Spurensuche“ will das Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg dazu anregen, diesen Fragen kreativ auf die Spur zu kommen. Fährten werden in Städten abseits der Zentren verfolgt. Und damit kommt Göppingen ins Spiel. In Kooperation mit dem hiesigen Kulturamt und der Kunsthalle und mit Hilfe der Bewohner will man dort möglichen positiven Zukunftsmodellen nachspüren.

Dafür bekommt Göppingen zwei „Stadtkomponisten“: die Freiburger Astrid und Ephraim Wegner. „Wir lassen die Komponisten allein auf die Stadt los“, meint Katharina Weißenborn augenzwinkernd. Die Süßenerin hat das Sommerfestival auf Schloss Filseck mit initiiert und ist jetzt Geschäftsführerin des Netzwerks Neue Musik. Nein, natürlich wird das Ehepaar Wegner vorab mit den lokalen Besonderheiten Göppingens und seiner Bewohner vertraut gemacht, bevor sie Stadtgeräusche einfangen und zu akustischen Impressionen, sogenannter musique concrète, verarbeiten. Aufgenommen werden die Geräusche mit einem sensiblen Mikro auf drei Wegen durch den Stadtkern, anschließend werden sie am Computer manipuliert und zueinander in Beziehung gesetzt.

Aber, um im Bild zu bleiben, diese Komposition ist keine Einbahnstraße: Mit einer Karte, einem Abspielgerät und Kopfhörern können sich Passanten ins Streckennetz einwählen. Dafür erhalten sie konkrete Anweisungen der Klangkünstler, die lauten: „Legen Sie die Karte hin und machen Sie eine Pause . . . Gehen Sie weiter . . . Wechseln Sie die Laufrichtung  . . . Weichen Sie vom Weg ab . . .“. An bestimmten Orten sollen die Mitspieler dann Variationen des Stadtklangs hören. Der Clou dabei: Der Augenblick der Aufzeichnung vermischt sich mit dem Augenblick des Abspielens. Sie hören, was das Künstlerpaar gehört hat, aber auch noch vieles mehr. So laufen sie quer zur Zeit, der Aufzeichnung hinterher und zugleich ihr voraus.

„Auditive Feldforschung“ nennt das das komponierende Ehepaar Wegner. „Die Idee ist einfach, diesen Weg durch Göppingen zu vertonen“, erläutert Sarah Schmeller, die ein fünfmonatiges Praktikum bei der Kunsthalle Göppingen absolviert. Die Komponisten und ihre Mitspieler setzten damit „den partizipativen Leitgedanken der Kunsthalle Göppingen“ um. Und sie gestalteten Kunst im öffentlichen Raum, eine Gestaltungsform, die sich Werner Meyer und sein Kunsthallen-Team schon seit geraumer Zeit auf die Fahnen geschrieben hat.

Das Resultat der Göppinger Spurensuche wird im Rahmen eines dreiwöchigen Großprojekts in der Kunsthalle präsentiert. Involviert sein werden dann Profi- und Laienmusiker, Ensembles oder auch Schulen, dank deren Hilfe die Aufnahmen in eine große begehbare Klanginstallation überführt werden.

Info Eröffnet wird die Ausstellung mit einer großräumigen Klanginstallation am 3. Oktober im Foyer der Kunsthalle Göppingen.

Ziele des Netzwerks Neue Musik Baden-Württemberg

Ziele: Das Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Neue Musik im ganzen Land Baden-Württemberg, also auch im ländlichen Raum, in den Fokus der Gesellschaft zu rücken, Schwellenängste abzubauen und vielen Menschen einen leichteren Zugang zu ihr zu verschaffen. Dazu haben sich nahezu alle baden-württembergischen Initiativen zeitgenössischer Musik mit Komponisten, Musikern, Musikvermittlern und Veranstaltern zusammengeschlossen.

Stadtkomponisten: Die „Spurensuche“ ist ein Projekt des Netzwerks Neue Musik Baden-Württemberg mit den jeweiligen Kulturämtern kleinerer und mittlerer Städte. Außer in Göppingen wirken derzeit weitere Stadtkomponisten mit in Blaubeuren, Bruchsal, Ellwangen, Kirchheim unter Teck, Sinsheim und Villingen-Schwenningen. 

Alltagsgeräusche: Das Arbeiten mit Alltagsgeräuschen als Ausgangsmaterial für eine Komposition wird musique concrète genannt. Dabei werden präexistente Klänge und Geräusche mittels Mikrofonen aufgenommen, später verarbeitet oder verändert, um diese letztlich als neue Komposition durch Lautsprecher wiederzugeben. 

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