Kundgebung in Gedenken an Naziopfer

Weil er denunziert wurde, verhaftet die Gestapo im Januar 1939 den Göppinger Rentner Johann Gahr. Einen Tag später ist er tot. An Gahrs Schicksal wurde am Montagabend bei einer Kundgebung erinnert.

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Rund 70 Menschen sind am Montagabend vor den Marstall in Göppingen gekommen, um bei einer Gedenkkundgebung an die Ermordung des Göppinger Gewerkschafters Johann Gahr zu erinnern. Gahr wurde am 20. Januar 1939 im damaligen Göppinger Oberamtsgefängnis vermutlich von Nazischergen im Alter von 58 Jahren zu Tode gefoltert. Sein Tod wurde jedoch nie aufgeklärt und gesühnt.

Die Rednerin Janka Kluge vom VVN-BdA erinnerte an die antifaschistischen Tätigkeiten Gahrs. Er war in der Göppinger Arbeiterschaft bekannt und war maßgeblich an den Protesten gegen eine Versammlung der NSDAP im Jahr 1922 beteiligt. Die Auseinandersetzungen wurden später als die "Schlacht am Walfischkeller" bekannt. Wichtig war Kluge, den Bogen zu heute zu schlagen. Deshalb warnte sie vor den neofaschistischen "Autonomen Nationalisten" in Göppingen. Die Erfahrung aus anderen Städten lehre, "dass es um Einiges einfacher ist, das Entstehen einer organisierten rechten Szene zu verhindern, als erst zu reagieren, wenn diese Fuß gefasst hat." In diesem Zusammenhang betonte sie die Wichtigkeit der Zusammenarbeit aller Nazigegner ohne ein gegenseitiges Ausgrenzen. Denn ein antifaschistisches Bürgerfest in der Fußgängerzone habe genau den gleichen Sinn und dieselbe Berechtigung wie die zivilen Blockaden einer möglichen Naziroute, wie es erst am vergangenen Samstag in Magdeburg praktiziert wurde. "Denn Faschismus ist nach wie vor keine Meinung, sondern immer noch ein Verbrechen."

Als zweiter Redner wartete Klaus Maier-Rubner von der Göppinger Stolperstein-Initiative mit neuen Forschungsergebnissen auf. Er berichtete, dass Gahr schon 1936 vom Donzdorfer Oskar Schneider an den Stuttgarter Gestapo-Beamten Ludwig Thumm verraten wurde. Er habe ein illegales antifaschistisches Braunbuch weitergereicht. Erst dessen Stellvertreter Strehle ließ dann am 19. Januar 1939 fünf Göppinger Antifaschisten - darunter Gahr - verhaften. Dieser kam einen Tag später im Gefängnis zu Tode. Offizielle Todesursache sei Selbstmord gewesen. Seine Frau Margarete wusste jedoch von einigen Indizien, die gegen diese These sprachen. Unter anderem wies Gahr an den Schläfen Schlagstockspuren auf.

Nach dem Krieg wurde im Verfahren gegen Schneider Gahrs Tod nicht thematisiert. 1949 ermittelte die Göppinger Kripo, die Ergebnisse wurden jedoch nicht festgehalten, es kam zu keinem Gerichtsverfahren. Der damals im Gefängnis tätige Wachtmeister Keckeisen wurde jedoch im Zusammenhang von Gahrs Tod der Falschaussage überführt, entzog sich aber weiteren Ermittlungen durch Selbstmord.

Abschließende und sehr persönliche Worte aus dem Leben ihrer Familie fand Sonja Müller, die aus Bayern angereiste Enkelin Johann Gahrs. Sie bedankte sich bei allen Besuchern und den Veranstaltern für das Gedenken an ihren Großvater. Zur Kundgebung hatten die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und die Antifaschistische Gruppe Göppingen aufgerufen.

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