Künstler aus Gambia im Landratsamt

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Reggae-Star Luciano war einer seiner ersten Kunden, jetzt freut sich Yusupha Tamba auf seine erste eigene Ausstellung, die ihm Sibylle Teschner aus Göppingen ermöglichte.  Foto: 

„Meine Bilder haben immer eine Botschaft“, erklärt Yusupha Tamba, der es selbst kaum glauben kann, dass er wirklich in Deutschland ist und hier seine Bilder ausstellen darf. Dafür hat er erstmals sein Heimatland Gambia verlassen.

Entdeckt wurde das junge Talent von Sibylle Teschner, die seit 15 Jahren als Coach tätig ist. „Ich habe eines seiner Bilder auf der Facebook-Seite eines Freundes gesehen“, erzählt sie. „Ich habe es geliked und er hat sich bei mir gemeldet.“ Teschner entschloss sich, „direkte Entwicklungshilfe“ zu leisten, also dem jungen Mann eine Ausstellung zu organisieren und zu finanzieren.

Über Gegebenheiten nachzudenken und sie auf Papier oder Leinwand zu bringen, war schon in jungen Jahren Yusupha Tambas Ding. Bereits als Kind übte sich der 1986 in Sibanor Village, an der Westküste der Republik Gambia geborene Künstler in Bleistiftzeichnungen. Nach einer Ausbildung zum Schreiner in der President International Award Scheme in Bakau, zog er nach Brikama. Dort erkannte der regional bekannte Künstler Sulayman Sanyang sein Talent und bildete ihn in Street Art und Malerei auf Leinwand aus. Damals verwendete er meist Öl oder Wasserfarben. „Farben und Pigmente sind sehr teuer“, erzählt der 31-Jährige, der mit Mal- und Streicharbeiten seinen Lebensunterhalt bestreitet und als Farbersatz schon auch mal Sand und gemörserte Steine auf der Leinwand mischte.

„In Gambia sind die Leute so arm, dass sich keiner für Kunst interessiert“, bedauert Yusupha, der seit 2012 fast ausschließlich mit Acrylfarben auf Leinwand malt. Zu diesem Zeitpunkt eröffnete er in Kerrsering in der Nähe des Senegambia Highways auch seine Workshopgalerie namens „Yus – Artist – Galerie“, in der ab und zu Touristen ein Bild kaufen. „Einer meiner ersten Kunden war der jamaikanische Reggae-Star Luciano“, erzählt er stolz. Neben der Kunst ist Yusupha Tambas, der ehrenamtlich handwerkliche Arbeiten in einem Hospital erledigt, die Unterstützung der Armen, insbesondere der Kinder wichtig. Er selbst musste als eines von sieben Kindern mit drei Jahren seine Familie verlassen und lebte bei seinem Großvater, bis zu dessen Tod sieben Jahre später. Da sein Vater im selben Jahr starb, konnte Yusupha nicht zu seiner Familie zurückkehren und lebte anschließend bei der Großmutter eines Freundes.

Yusupha will junge Menschen anregen, Wege für sich zu finden. „Für mich ist Kunst das Leben, und das Leben ist Abenteuer. Es kommt darauf an, was du täglich tust. Vielleicht siehst du das Resultat nicht gleich, aber eines Tages bestimmt!“ Inge Czemmel

Info Die Ausstellung von Yusupha Tamba wird morgen ab 19 Uhr im Landrats­amt Göppingen zu afrikanischer Musik eröffnet.

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