Krise wegen Staatsschulden

Die Krise ist ernst. Doch wird der Euro zehn Jahre nach der Einführung viele weitere Jahre Bestand haben als Gemeinschaftswährung. Davon sind örtliche Bank- und Unternehmenssprecher überzeugt.

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Über die Vorteile, die die Einheitswährung Euro seit zehn Jahren gebracht hat, sind sich Klaus Meissner, im Vorstand der Kreissparkasse, und Hermann Sonnenschein, im Vorstand der Volksbank Göppingen, einig: Das Reisen und die Warenlieferungen wurden einfacher, günstiger und bequemer - und das Währungsrisiko entfällt seitdem. Schließlich wickelt Deutschland 60 Prozent seiner Ex- und Importe mit EU-Staaten ab. Zudem habe der Euro ein gewisses Gegengewicht zum Dollar als Weltwährung geschaffen, gibt Meissner im Interview zu bedenken.

"Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Euro stabil und braucht den Vergleich zur D-Mark nicht zu scheuen", betont Sonnenschein. Der Euro führe zu Preistransparenz, die Gemeinschaftswährung habe die Länder näher zusammenrücken lassen. "Das besitzt politisch und kulturell einen hohen Wert", sagt der Volksbank-Vorstand.

Genau darin sieht auch Dr. Peter Saile, Geschäftsführer der IHK Göppingen, die großen Vorteile. Der Euro sei der logische Schritt in Richtung europäischer Integration. Die Währung vollende den Binnenmarkt. "Für Exporteure und Importeure entfallen Kosten für den Währungsumtausch und teure Kurssicherungsgeschäfte", argumentiert Saile. Die Statistik zeige eindeutig, dass "seit Einführung des Euro die Inflationsraten auf niedrigem Niveau verharren und niedriger sind als zu Zeiten der D-Mark". Der Euro ist kein Teuro. Die von der Bevölkerung "gefühlte Inflation", so Dr. Saile, beziehe sich auf den Kauf von Lebensmitteln, auf Preise in Restaurants und alltägliche Dienstleistungen. Auch Euroskeptiker Bernd Britzelmayer konstatiert, dass sich die neue Währung für den Exportweltmeister Deutschland positiv ausgewirkt hat. Und Staaten, die hohe Zinsen für ihre Staatsanleihen bezahlt hätten, habe die Gemeinschaftswährung Zugang zu günstigem Geld bei der europäischen Zentralbank verschafft - womit wiederum Wirtschaftswachstum generiert worden sei, so der Anlage- und Vermögensberater aus Hausen.

Niedrige Zinssätze hätten aber auch viele Länder verleitet, "den Wohlstand auf Pump zu finanzieren", moniert Dr. Saile. Der Währungsverbund bedeutet, dass Staaten ein Stück Souveränität abgeben und voneinander abhängig werden. Das heißt wiederum im Klartext, dass Zins und Wechselkurs als nationale Instrumente ausscheiden, um wirtschaftliche Ungleichgewichte zu beeinflussen, erklärt Dr. Saile.

Die derzeitige bedrohliche Krise, das machen Meissner, Sonnenschein und Saile unisono klar, liegt nicht am Euro, sondern rührt daher, dass sich viele Länder nicht an die vereinbarten Spielregeln gehalten haben - angefangen bei den "Musterknaben" Deutschland und Frankreich. "Die exzessive Staatsverschuldung in nahezu allen EU-Ländern ist die eigentliche Ursache und der Kern der Krise", konstatiert Dr. Saile. "Wir haben in der Währungsunion in den letzten zehn Jahren eindeutig über unsere Verhältnisse gelebt. Das muss schleunigst korrigiert werden", fordert Sonnenschein. Die Staaten müssten ihre Haushalte sanieren, sonst drohe ein Übergreifen der Krise auf die Realwirtschaft. Das wiederum mache schmerzhafte, politisch nicht einfach durchzusetzende Einschnitte notwendig. Diese Wende ist leistbar, aber nicht von heute auf morgen, das ist ein längerer Sanierungsprozess, prophezeien Sonnenschein und Meissner.

Britzelmayer hält darüber hinaus einen Schuldenerlass für hoch verschuldete Länder für nötig. Aktuell habe Griechenland 330 Milliarden Euro Schulden, Deutschland 2100 Milliarden. Dass Staaten zahlungsunfähig seien, sei eigentlich nichts Neues, erläutert Britzelmayer. Neu sei aber, dass durch den Währungsverbund "ein Land alle anderen Mitglieder infiziert". Die Befragten vertrauen immerhin darauf, dass die Krise gemeistert wird und der Euro die gemeinsame Währung bleibt.

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