Krankenhaus-Essen rollt im Lastwagen an

Der Koch und sein Essens-Transport: In 25 Minuten von der Klinik am Eichert zur Helfenstein- Klinik. Damit das Mittagessen für die Patienten warm und pünktlich ist, muss die Logistik stimmen.

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Essen portionieren am laufenden Band: Koch Klaus-Peter Biernoth und seine Mitarbeiterinnen verteilen das Essen, das aus Göppingen angeliefert wurde. Foto: Markus Sontheimer

Um fünf vor zehn ist Klaus-Peter Biernoth, Koch an der Göppinger Klinik am Eichert, mit seinem Klein-Laster losgefahren. Im Laderaum rollende Warmhaltecontainer mit dem Mittagessen für Patienten und Beschäftigte der Helfenstein-Klinik. Seit einem dreiviertel Jahr wird nämlich in Geislingen nicht mehr gekocht. Die Großküche, vor 20 Jahren eingerichtet, bleibt kalt: Eine Rationalisierungsmaßnahme, wie Wolfgang Schmid, der kaufmännische Direktor der Landkreiskliniken, argumentiert. Neun Personen wurden eingespart, die Übrigen in Göppingen weiterbeschäftigt.

Jetzt sorgt Biernoth oder einer seiner drei Berufskollegen dafür, dass die Speisen, die in der Eichert-Küche zubereitet werden, pünktlich und lecker nach Geislingen gelangen. Zwischen 22 und 25 Minuten dauert um diese Zeit die Fahrt - das weiß Biernoth mittlerweile. Hat er den Hinterhof der Helfenstein Klinik erreicht, wird sofort mit dem Ausladen und den Vorbereitungen zum Portionieren begonnen. Sechs Küchenbeschäftigte nehmen die rollenden Warmhaltecontainer in Empfang, die unterwegs auf 120 Grad gehalten werden - gerade so viel, dass das Essen in den Großgebinden konstant auf 70 Grad erwärmt bleibt und nicht weitergart.

Der Inhalt der Behälter wird, je nach Art der Speise, in kleineren Gefäßen entlang eines Fließbandes positioniert. Die darauf vorbeigleitenden Teller sind mit den Essenswünschen der Patienten gekennzeichnet und bereits nach Pflegestation und Zimmer sortiert. Kurz vor elf gehts los.

Wie immer, standen im Voraus drei Menüs zur Auswahl. Heute gibt es entweder Hähnchenkeule mit Tomatensoße oder - als leichtes Essen - Rotbarschfilet; Vegetarier erhalten vegetarische Maultaschen mit Tomatensoße, Käse und Salat. Koch Biernoth prüft den Geschmack und würzt bei Bedarf nach. Das ist ihm wichtig.

Dank der sechs Mitarbeiterinnen, die am Fließband sitzen, entsteht auf den annähernd 230 Tellern im Vorbeifahren ein leckeres Menü. Anschließend gehts mit dem Transportwagen in die einzelnen Stationen. Zwischen dem Starten des Tellers auf dem Fließband bis zum Eintreffen im Patientenzimmer ist knapp eine halbe Stunde vergangen. Klinik-Standortleiter Alexander Vater legt großen Wert darauf, dass das Essen mindestens 65 Grad warm ist. Wird jedoch das Pflegepersonal zur Mittagszeit mit einem Notfall konfrontiert, muss das Verteilen des Essens auf den Stationen warten. Dann kann es passieren, dass die Temperatur nicht mehr stimmt.

Kaum haben die letzten Teller die Küche verlassen, kommt das erste Geschirr aus den Patientenzimmern und der Kantine schon wieder zurück. Nun wechselt das Küchenpersonal nach nebenan, wo Essensreste in der Biotonne landen und Teller und Besteck in die große, industrielle Geschirrspülmaschine einsortiert werden.

Während der Koch mit seinen Rollcontainern bereits auf der Rückfahrt nach Göppingen ist, wird schon das Nachtessen portioniert, das er ebenfalls mitgebracht hat. Weil es aus kalten Zutaten besteht, kann es kühl gelagert werden. Das Pflegepersonal wird es am Spätnachmittag in die Stationen holen. In der Küche ist um 15 Uhr Feierabend. Immerhin sind die Beschäftigten schon seit dem frühen Morgen auf den Beinen.

Übrigens: Falls der Essenstransport bei der Anlieferung verunglückt, können die Patienten einen Tag lang verköstigt werden: Entsprechende Notrationen sind "gebunkert".

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