Kopftuch entzweit die Gemüter

Ist das Kopftuch Symbol für die Unterdrückung der Frau? Das war eine der Fragen, mit der sich die Teilnehmer des Christlich-Islamischen Dialogs beschäftigten. Pfarrer, Imame und Bürger diskutierten.

|
Christen und Muslime haben unterschiedliche Symbole ihres Glaubens.

Die muslimische Frau mit Kopftuch birgt für viele Menschen etwas Unbekanntes, vielleicht sogar Fremdes. Fragen kommen auf: Wie ist es um die Gleichberechtigung bestellt? oder "wie sieht die Aufgabenverteilung in der Familie aus?" Der evangelische Pfarrer Rudolf Lughofer und Felix Müller vom katholischen Dekanat sowie die Imame Yahya Yilmaz und Hasan Ünal vom Türkisch-Islamischen Kulturverein führten mit Göppinger Bürgern im Bürgerhaus eine hitzige Diskussion, bei der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Religionen thematisiert wurden.

Nach Lughofers Einführung ins Thema macht Ünal seinen Standpunkt klar: "Der Islam sieht keine Benachteiligung oder Unterdrückung der Frau vor", erklärt er. Auch das Kopftuch sei keinesfalls Symbol der Unterdrückung. Diese Aussage sorgt für Gemurmel unter den Anwesenden, nicht jeder ist damit einverstanden. Eine Abiturientin will sich dazu äußern. Die Türkin ist überzeugte Muslimin, trägt aber selbst - wenn auch unfreiwillig - kein Kopftuch: "Ich nehme die Sünde auf mich, kein Kopftuch zu tragen, aus Angst, später im Beruf Probleme zu bekommen", erklärt sie. Dem stimmt auch ihre Nebensitzerin zu: "Ich mache gerade eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin, die meisten Praxen verbieten das Tragen eines Kopftuchs."

Nun meldet sich auch eine Christin zu Wort, die mit einem Beispiel aus ihrer eigenen Familie ihre jungen Vorrednerinnen unterstützt: "Auch bei uns Christen gibt es die Verschleierung, meine fromme Großmutter trug immer ein Kopftuch und ging nie ohne Hut zum Gottesdienst", erzählt sie. Auch trage sie selbst, wie auch schon Generationen ihrer Familie vor ihr, keine Ohrringe.

Unter den Zuhörern meldet sich ein Mann, der aus einer deutschen Übersetzung des Korans eine Sure zitiert, in der es heißt, dass der Mann über der Frau stehe. "Wie können Sie das erklären, das steht doch im Widerspruch zu Ihrer Aussage von vorhin?", fragt er und richtet sich damit an Ünal. Der Imam entgegnet, dass es nicht immer so einfach sie, den Koran richtig zu interpretieren und dass auch nicht jede Übersetzung gelungen sei.

"In der Bibel finden sich ähnliche Stellen", sagt ein Mann aus dem Publikum, viele stimmen ihm zu. "Vielleicht liegt das aber auch an der Rolle des Mannes als Versorger", wirft eine junge Muslimin ein und leitet damit zum nächsten Thema über: die berufstätige muslimische Frau. Auch hier können die Nichtmuslime wieder etwas dazulernen: "Eine berufstätige Frau ist nicht verpflichtet, die Familie mit ihrem Gehalt zu ernähren - der Mann hingegen schon", erklärt eine Muslimin. Immer neue Fragen kommen auf, die aber nach Meinung von Lughofer "den Rahmen des Abends sprengen." Deshalb soll am 2. Oktober wieder ein Christlich-Islamischer Dialog stattfinden, bei der Interessierte nochmals die Möglichkeit zum Austausch erhalten sollen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Göppinger Polizei fahndet nach Brandstiftern

In Göppingen standen in der Nacht zum Mittwoch zwei Autos in Flammen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. weiter lesen