Kontakt zu Filstal-Banden?

Seit fast einem Jahr wird in Stuttgart gegen mutmaßliche Mitglieder der Jugendbande "Black Jackets" verhandelt. Jetzt wurde auch Geislingens Polizeichef Manfred Malchow als Zeuge vernommen.

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21 Angeklagte, genau so viele Verteidiger - und große Sicherheitsvorkehrungen im Sitzungssaal der Vollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim: Seit März 2010 hat dort die Zweite Große Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts bereits an mehr als 100 Tagen verhandelt und ein Ende ist nicht in Sicht. Es geht um dreifachen, versuchten Mord, um gefährliche Körperverletzungen und schweren Landfriedensbruch - alles begangen Ende Juni 2009 in Esslingen.

Einen Bezug in den Kreis Göppingen scheint es nicht zu geben. Trotzdem wurde jetzt Geislingens Polizeirevier-Chef Manfred Malchow auf Antrag eines Verteidigers als Zeuge gehört. Grund: Es gelte zu klären, inwieweit einige der Angeklagten Kontakte zu einer polizeibekannten Jugendgruppe aus dem Raum Geislingen gehabt hätten, die sich offenbar desselben Namens bedient wie jene im Bereich Stuttgart.

Malchow wurde zu deren Gewaltbereitschaft befragt und ob es Querverbindungen nach Stuttgart gebe. Was die kriminelle Vergangenheit anbelangte, konnte Malchow teilweise auf seinen Erfahrungsschatz und die Erkenntnisse seiner Jugendsachbearbeiter zurückgreifen. Doch vermochte er zu etwaigen Kontakten in Richtung Stuttgart nichts zu sagen.

Wie die Pressestelle des Stuttgarter Landgerichts erklärte, waren die Juristen über einen Artikel der örtlichen Zeitung auf Malchow aufmerksam geworden. Darin sei er zu den Jugendbanden und die Gewaltproblematik im Raum Geislingen interviewt worden. In der Tat hatte sich der Revierleiter in den vergangenen Jahren häufig mit diesen Themen auseinandersetzen müssen. 2008 hatte sogar mehrfach die Bereitschaftspolizei eingreifen müssen, um die rivalisierenden und überwiegend aus Migranten bestehenden Jugendgruppen an gewalttätigen Übergriffen zu hindern. Auch in den beiden folgenden Jahren war es immer wieder zu nächtlichen Unruhen gekommen.

Malchow kennt sie deshalb alle - die unterschiedlichen Gruppierungen, die ihre "Hahnenkämpfe" ausgetragen haben, um vermeintliches Territorium zu verteidigen: La Fraternidad ("Bruderschaft"), La Honda (der Name bedeutet "Steinschleuder", wird aber auch von einem Rapper benutzt), Ghetto-Boys (aus der Vorderen und Hinteren Siedlung) sowie die Big Brother. Einst soll jede Gruppe zwischen zehn und 20 Personen stark gewesen sein. Inzwischen, so glaubt Malchow zu wissen, hätten sich wohl die meisten zu den Big Brother orientiert, um gemeinsam auswärtige Gruppen fernzuhalten. Mittlerweile sollen sie ihren Namen geändert haben - in "Big Sibblings" (Große Geschwister).

Seit geraumer Zeit habe sich die Lage jedoch beruhigt. Malchow führt dies auf die verstärkten Kontrollen zurück, aber auch auf die Tatsache, dass es momentan in Geislingen keine "Disco-Szene" gebe, die sich meist türkisch-stämmiger Türsteher bediene, Allerdings werde das Auftreten einer Pforzheimer Gruppe namens "United Tribunes" beobachtet.

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