Konsumkritik in Reimform

Eine "Schöne Aussicht" präsentierte die Zeller Scheune da. Verantwortlich dafür zeigten sich Hanna Münch und Heike Sauer, die in ihrem neuen Programm mit der vermeintlich schönen neuen Welt ins Gericht gehen.

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Kabarett stand in der Zeller Scheune auf dem Speiseplan: Heike Sauer (l.) und Hanna Münch zeigten ihr neues Programm "Schöne Aussicht".  Foto: 

"Falls Sie Comedy erwarten, haben wir ein Problem." Schon die Begrüßung von Hanna Münch und Heike Sauer in der Zeller Scheune legte die Marschrichtung für den Abend fest. Es war keine leichte Unterhaltung, eher "Kathepergelyta" (Kabarett, Theater, Performance, Gesang, Lyrik und Tanz).

So präsentierten sie das Medley "Heute hier, morgen da" und verpackten Konsumkritik in Rein- und Reimform: "Nachhaltigkeit, das war noch nie in der Bedürfnispyramide des Menschen wirklich wichtig." Die Aufzählung des jährlichen Bruttosozialprodukts der vergangenen und künftigen Jahre bedeutete bis auf einen Ausrutscher ständiges Wachstum. Dass dies nicht unendlich fortgesetzt werden könne, veranschaulichte ein stetig wachsender Luftballon, der schließlich platzte.

Die Generation Smartphone im "Holola" (Hochlohnland Deutschland) muss einen Schritt weiter gehen, meinen Münch und Sauer. Alles ist vernetzt, auch die Bauklötze von Kevin, so dass die Eltern auf dem Smartphone verfolgen können, wie er sein erstes Haus baut. Es wird sofort analysiert, wie kunstfertig er vorgegangen ist. Bei Defiziten heißt es Sekunden später auf Facebook: "Hilfe, mein Kind ist entwicklungsverzögert" und die Community drückt das Symbol "Daumen hoch".

Damit werde Big Data zum Big Spender und das Internet der Dinge zum schwanzwedelnden Hund 4.0. "Vertrauen Sie auf die Weisheit der vielen, der Schwarmintelligenz", preisten die beiden Damen die smarte Zukunft an - schließlich gehe es im cyberphysical System um das Wohl der Menschen. Manches Mal blieb den Zuschauern auch das Lachen im Halse stecken, sekundenlange Stille, bevor sich die Anspannung in Applaus Bahn brach. Sauer und Münch sparten nicht mit körperlichem Einsatz, um ihre bitterbösen Weisheiten an Mann und Frau zu bringen. Dazu pointierte Texte, nicht nur der Genmais 1500 brachte es in tödlicher Mission Dupont auf den Punkt. Er bringt den Hauch des Todes über den Maiswurzelbohrer, prächtig patente Pestizide reagieren auf Resistenzen bei den Schädlingen.

Ein großes Plus der kleinen Zeller Scheune lag in der geradezu greifbaren Präsenz, die zwischen Darstellerinnen und Publikum herrschte, das sich mit viel Applaus für einen bereichernden Abend bedankte.

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