KOMMENTAR: Geislinger Kino: "Ich wars nicht"

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Es sieht ganz schlecht aus für das letzte in Geislingen verbliebene Kino. Wenn die bisherigen Pächter Ende des Jahres nach langem Kampf aufgeben werden, wird eine schöne Tradition enden - und keiner wird sich dafür den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Tatsächlich handelt es sich um einen Teufelskreis: Wie so vieles hat die Technik in den vergangenen Jahren auch das Kinogeschäft in die Zukunft katapultiert. Nach ein bisschen Hin- und Hergeplänkel, setzen die Filmverleiher den Kinobetreibern jetzt die Pistole an die Brust: Wer nächstes Jahr nicht auf die Digitaltechnik umgerüstet hat, bekommt keine Filme mehr. Das ist gemein, aber das ist auch Fortschritt.

Der Kinobesitzer wiederum musste nie groß investieren ins Geislinger Gloria. Die Vorführmaschinen von vor 50 Jahren sind noch in Ordnung und würden vermutlich auch in zehn Jahren noch laufen. Warum also eine halbe Million in eine Technik buttern, die in der Zukunft womöglich immer schneller überholt sein werden wird? Die Frage ist berechtigt, führt aber nicht weiter.

Also sind es die untreuen Besucher: Kaum gibt es Filme in 3D, die im Gloria nicht gezeigt werden können, kaum müssen sie mal ein paar Wochen auf einen Film warten, der längst angelaufen ist, kehren sie "ihrem" Heimatkino den Rücken. Dabei müsste jeder Geislinger zwei- bis dreimal im Jahr in "sein" Kino gehen - besser wären vier Mal - damit sich das Geschäft überhaupt lohnt. Das ist unrealistisch, aber so funktioniert Marktwirtschaft.

An den Folgen des Teufelskreises werden vor allem Familien und Kinobesucher, die nicht (mehr) so mobil sind, leiden - die Getreuen, die nicht zum nächsten größeren Kino fahren können oder wollen. Das ist schade. Ohne Wenn und Aber.

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