KOMMENTAR: B-10-Ausbau ist im Interesse aller

Wer versucht, Probleme zu lösen, muss erst die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen, die Realität, die sich täglich in Gingen, Kuchen und Geislingen zeigt: Die Autofahrer quälen sich auf der B 10 in Schrittgeschwindigkeit durch die Orte.

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Der Aufenthalt am Straßenrand ist nur unter Erstickungsgefahr möglich. Dort stehen viele Häuser leer, andere müssten dringend renoviert werden.

Diese Situation kann nur besser werden, wenn sich weniger Verkehr durch die Kommunen quält. Dazu müssten sich weniger Menschen in Autos setzen, um von A nach B zu kommen und weniger Lastwagen auf der Straße fahren. Können die Anwohner realistisch auf einen Rückgang des Verkehrs hoffen?

Die Lebenswirklichkeit ist doch so, dass immer seltener im Laden um die Ecke eingekauft wird. Die Waren werden im Internet bei Amazon oder Ebay bestellt und sollen am besten sofort geliefert werden - mit all den damit verbundenen Verkehrsbelastungen. Zudem fordert die Arbeitswelt von den Beschäftigten Flexibilität. Weil sich Familien und Häuser weniger leicht verpflanzen oder verkaufen lassen als Schreibtische und Maschinen, legen viele Menschen große Distanzen zwischen ihrem Wohn- und Arbeitsort zurück. Der - vor allem nördlich und südlich der Filstalachse - schlecht getaktete und umständliche öffentliche Nahverkehr bietet den Pendlern keine attraktive Alternative.

Das ist die bedauerliche Realität. Allenfalls weltfremde Naturromantiker können behaupten, dass sich an diesem Mobilitätsverhalten in den nächsten Jahrzehnten etwas ändert. Sie verschließen die Augen vor der täglichen Wirklichkeit und wollen den Menschen weiterhin die ständig verstopfte B 10 zumuten.

Leistungsfähige Straßen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Kreis - vor allem der östliche Teil - leidet seit Jahrzehnten unter dem Strukturwandel. Daran ist auch das überlastete Straßennetz schuld. Wie positiv sich Städte entwickeln können, die vom Durchgangsverkehr entlastet werden, zeigt sich im unteren Filstal: die Einwohnerzahl steigt, Gewerbeflächen sind gefragt.

Der begonnene Bau der Umgehungsstraße von Mögglingen beweist, dass kein Meter Straße weniger entsteht, wenn auf den Weiterbau der B 10 verzichtet wird. Dann wird eben anderswo gebaut. Der in dieser Hinsicht unverdächtige grüne Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann hat die hohe Bedeutung der B 10 erkannt und gibt dem Weiterbau der Straße die höchste Priorität. Leider folgt der CSU-Verkehrsminister in Berlin lieber politischen Einflüsterungen als Argumenten. Sonst wäre der Weiterbau der B 10 im Interesse aller überhaupt keine Frage und die Fortsetzung würde bald folgen.

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Weiterbau der B 10

Die B 10 wird von Süßen-Ost nach Gingen-Ost weitergebaut. Der Streckenabschnitt ist seit 1997 planfestgestellt, manch einer hatte die Hoffnung auf eine Finanzierung fast schon aufgegeben. Wir verfolgen den Baufortschritt und berichten darüber, wann auch Geislingen in den Genuss der B 10 neu kommt.

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