Koalition gegen die CDU verhinderte vor 60 Jahren Gebhard Müllers Triumph

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Ein Widerständler war Gebhard Müller sicher nicht, aber er war auch kein lupenreiner Opportunist. Bis 1933 war der promovierte Jurist wie sein Vater in der Zentrumspartei, nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler gehörte er dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen (BNSDJ) an und war förderndes Mitglied der SS. Trotzdem wurde Müller, der ab 1934 Amtsgerichtsrat in Göppingen war, "strenge Rechtlichkeit" in seinen Ämtern bescheinigt. Er stimmte bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs mit Nein und schlug anschließende Nachforschungen der Gestapo nieder.

1948 wurde Müller zum Staatspräsidenten des Landes Württemberg-Hohenzollern gewählt. Bereits seit 1947 war er Landesvorsitzender der dortigen CDU. In dieser Zeit machte er sich etwa im Streit um die Demontage deutscher Werte als Ersatz für französische Kriegsverluste einen Namen und setzte sich mit Reinhold Maier, dem Ministerpräsidenten von Württemberg-Baden, und dem Bundestagsabgeordneten Kurt Georg Kiesinger für das neue Bundesland Baden-Württemberg ein.

Am 25. April 1952 wurde dennoch nicht Gebhard Müller erster Ministerpräsident des Landes, sondern Reinhold Maier, der eine Koalition aus SPD, FDP/DVP und der Flüchtlingspartei BHE gegen die CDU geschmiedet hatte. Die offizielle Begründung lautete, die CDU, immerhin stärkste Landtagsfraktion, sei nicht geschlossen für den Südweststaat eingetreten.

Doch 1953, nach nur einem Jahr, trat Reinhold Maier von seinem Amt zurück, und Müller wurde am 30. September 1953 zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt.

Bis 1958 stand Gebhard Müller einer großen Koalition aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE vor. Danach trat er sein Amt als Präsident des Bundesverfassungsgerichts an, das er bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1971 inne hatte. 1990 starb Gebhard Müller im Alter von 90 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof Stuttgart beerdigt.

maz

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