Stauferspektakel: Knopf und sein Schuhgewitter

Altes Handwerk, Gaukler und Ritter erleben, zu historischen Klängen tanzen, Met trinken – das Stauferspektakel lockt stets die Massen in den Göppinger Stauferpark.

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  • Glücklich vereint im Mittelalter: Im Stauferpark sind noch bis Sonntag Gaukler und Ritter zu Gast.  1/2
    Glücklich vereint im Mittelalter: Im Stauferpark sind noch bis Sonntag Gaukler und Ritter zu Gast. Foto: 
  • „Knopf“ gibt Gas an seinem Handkurbel-Karussell – den kleinen Fahrgästen gefällt’s und sie freuen sich auf das Schuhgewitter. 2/2
    „Knopf“ gibt Gas an seinem Handkurbel-Karussell – den kleinen Fahrgästen gefällt’s und sie freuen sich auf das Schuhgewitter. Foto: 
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Noch sitzt die Gruppe „Satolstelamanderfanz“ ganz entspannt unterm Zeltdach, schaut und staunt, wie die Besucherzahl stetig zunimmt. Die fünf Spielleute aus dem hohen Norden sind zum ersten Mal beim Stauferspektakel im Göppinger Stauferpark. „Der Markt wurde uns empfohlen“, verrät Tara Dezibella und fügt lobend hinzu: „Im Süden sind die Märkte generell schöner, hier besonders auffallend ist die Liebe zum Detail“.

Seit 16 Jahren leben die selbsternannten „fahrenden Geschichtenerzähler“ ausschließlich und erfolgreich von ihrer Weltmusik, wollen sich auf kein bestimmtes Genre festlegen. Angefangen von Bänkel- oder Minnesang  über Mittelalterrock bis hin zu Jodel,- Swing oder Zigeunermusik, mal auf Deutsch, mal auf Finnisch oder Russisch, die Musiker sind so vielfältig wie die Menschen auf dem Markt.

Hannelore Klauge ist voll im Glück. „Super Wetter, ich darf meinen Hund Falco mitbringen und meine Pension ist richtig gut“, schwärmt die Saarländerin aus St. Ingbert, die bisher noch keinen Markt geschwänzt hat. Ob sie nun nach Stuttgart wechselt, wird sich zeigen. „Eigentlich kann kein Ort diese Lage toppen, aber hingehen und mir alles Mal anschauen werde ich auf jeden Fall.“

Aus der Ferne ertönt fröhliches Kindergeschrei. Das Handkurbel-Karussell ist der Auslöser. „Wir unterteilen unsere Fahrt in zwei Phasen, die erste ist der Anlauf, die zweite der Flug“, klärt „Knopf“ auf. So heißt der Chauffeur, der noch bis zum Sonntag täglich zehn Stunden lang die Gondeln mit den vor Freude quietschenden Kindern zum Drehen bringt. „Soll ich es ganz spannend machen?“ „Jaaa“, schallt es ihm entgegen. „Dann fahren wir jetzt rückwärts mit geschlossenen Augen“, verspricht der unermüdliche Kurbeldreher und kündigt mit dem „Schuhgewitter“ gleich die nächste Sensation an. Wessen Schuh am weitesten fliegt, der gewinnt eine Freifahrt.

Mittlerweile bilden sich die ersten Schlangen vor den Essensständen. Mittagszeit, freie Plätze sind Mangelware. „Ich mag nichts essen, ich will zu der Eule“, fordert ein Dreikäsehoch kurz vor dem Tränenstrom ein. Doch seine ältere Schwester plagt der Hunger, die Eltern müssen schlichten und fällen ein salomonisches Urteil. Papa stellt sich an der „Staufischen Haferbräterey“ an, Mama geht mit ihrem Sprössling zu Taipah, einer wunderschönen sibirischen Uhu-Dame von der Bielriet-Falknerei.

Während die ersten Gaukler vor der Hauptbühne ihre Späße treiben, haben auch die beliebten „Flugträumer“ bei der Naturbühne ihre Fans. „Sie hören und riechen, wir kommen aus Frankreich“, scherzen sie mit lustigem Akzent und knutschen sich in der Zuschauermenge durch. Nach jedem Kunststück, insbesondere „Jonglage und nix Blamage“, freuen sie sich über jedes spontane „Oho“ oder „Huihuihui“. Tosender Beifall und viele Lacher sind ihnen gewiss, die Stimmung ist einfach fantastisch. „Früher zog ich den Bollerwagen, heute schlüpf’ ich in Beinlinge und Schnürhemd“, verrät Benno Grau mit breitem Grinsen, wobei seine modeaffine Freundin Mia kritisch anmerkt: „In der Fürsten-Tunika mit der Rankenborte gefällt er mir besser“. 

Hans und Gisela Breitner feiern heute ihre Diamantene Hochzeit. „Wir wollen diesen Tag ganz für uns genießen, uns gefällt es hier, denn hier erlebt man die Freiheit“, bekräftigt das Ehepaar aus Mutlangen. „Damals hattest du kein Geld, keine rechte Unterkunft und oft nichts zu essen, warst aber dennoch glücklich.“

Und glücklich sind die rund 20 Mitglieder des „Rittervolks von Trochtelfingen“ auch.  „Das Lagerleben entspannt wunderbar, hier kann man runterkommen“, verrät Vulfric von Trochtelfingen, Truchsess von Hohenberg (Stadthalter), und freut sich schon auf das „Frischfleisch vom Feuer“ in Göppingen.

Marktzeiten: Heute, Freitag, 14-23 Uhr, Samstag 11-24 Uhr, Sonntag 11-19 Uhr.

Ritterturnier: Freitag, 19 Uhr, Samstag 15/19 Uhr, Sonntag 13/16 Uhr.

Greifvogelschau: Jeweils im Anschluss an das Abendturnier.

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