Klinik simuliert Alltag im Neubau

Mitarbeiter der Klinik am Eichert haben an einem nachgebauten Grundriss des neuen Krankenhauses den Pflegealltag simuliert. Detaillierte Pläne, die im Kreistag gezeigt wurden, bleiben aber unter Verschluss. Mit einem Leitartikel von Dirk Hülser.

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Während die Mitarbeiter der Klinik am Eichert in kleinen Teams schon den Ablauf in einer zum Teil nachgebauten Station simuliert haben, verschiebt sich der Spatenstich des Neubaus. Auch die Inbetriebnahme der neuen Klinik kann nicht wie vorgesehen 2020 stattfinden. Nun wird es mindestens 2021.

In einer leerstehenden Fabrikhalle in Süßen haben Pflegepersonal und Ärzte durchgespielt, wie der Alltag im Neubau der Klinik am Eichert künftig ablaufen könnte. Anhand der Baupläne wurde der Teil einer Station nachgebaut, unter anderem ein Patientenzimmer. Die Simulation war in der Kreistagssitzung am 13. März angekündigt worden, Ort und Zeitpunkt blieben aber geheim. Die Simulation habe „wichtige Anregungen seitens des Personals gebracht“, teilte Pressesprecherin Britta Käppeler am Freitag mit.

In derselben Sitzung des Kreistags waren den Kreisräten auch detaillierte Grundrisse des Neubaus vorgestellt worden. Doch die will die Klinik nicht aus der Hand geben: Die „jeweiligen Planungszwischenstände“ könnten nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden, „da es sich um einen dynamischen Planungsprozess handelt, in welchem es beim jetzigen Stand der Planung weiterhin zu Veränderungen im Grundriss kommen kann“.

Klar ist mittlerweile, dass der ursprünglich vorgesehene Termin zur Inbetriebnahme des Neubaus im Jahr 2020 nicht gehalten werden kann. Die Klinik selbst glaubt nun: „Die Inbetriebnahme des Klinikgebäudes . . . ist für 2021 geplant.“ Obwohl der Neubau der Personalwohnungen nun europaweit ausgeschrieben werden muss – eigentlich sollte die Kreisbau Filstal den Zuschlag bekommen –, geht die Klinikleitung hier von einem möglichen Baubeginn noch 2015 aus, wenn die Witterung mitspielt.

Der Bau der Kita werde sich um „wenige Monate“ verzögern, mit dem Bau des neuen Parkhauses soll im Sommer ein Generalunternehmer beauftragt werden.

Damit sind die ursprünglichen Pläne Makulatur. Auf der Homepage der Projektsteuerer Hitzler Ingenieure heißt es aber noch immer: „Der Beginn der Baumaßnahmen für den Neubau der Klinik am Eichert erfolgt im zweiten Quartal 2015“

 

Ein Leitartikel von Dirk Hülser: Der Lernerfolg steht noch aus

Quo vadis, Klinikneubau? Noch bevor es überhaupt losgegangen ist, bevor es einen Baubeschluss oder Baugenehmigungen gibt, ist der Zeitplan schon Makulatur. Dazu beigetragen hat eine Panne, die sicher zu vermeiden gewesen wäre: Dass der Bau der 170 Personalwohnungen europaweit ausgeschrieben werden muss und nicht einfach freihändig der Kreisbau übertragen werden kann, hätte den Verantwortlichen früher auffallen können. Dazu bedurfte es erst eines Hinweises des Kreisprüfungsamts. Mehr als ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass nun unnötigerweise vor Beginn der Vegetationsperiode im März ein ganzer Wald abgeholzt wurde. Das kleine Wäldchen hätte auch in diesem Jahr noch für Erholungssuchende zur Verfügung stehen und seine Funktion als grüne Lunge erfüllen können. Zumal sich die Verantwortlichen bereits wenige Tage nach der Rodung darauf verständigten, dass die Kreisbau nicht beauftragt werden kann, am 24. Februar stimmte der Aufsichtsrat zu.

Die neuen Appartements für die Mitarbeiter sind Voraussetzung dafür, dass der Neubau des Krankenhauses in Angriff genommen werden kann. Dass trotz europaweiter Ausschreibung bereits im Dezember mit den Arbeiten an den Wohnungen begonnen wird, glauben indes nur die größten Optimisten. Selbst die Klinik räumt ein, dass dies nur im günstigsten Fall – und wenn die Witterung mitspielt – möglich ist. Der Plan kann im Prinzip nur funktionieren, wenn die Kreisbau, die bereits Vorplanungen gemacht hat, als Gewinner aus der Ausschreibung hervorgeht. „Wir wollen zeigen, dass wir mit den Themen so offen umgehen wie es geht“, hatte Landrat Edgar Wolff im März im Kreistag versprochen – nachdem ihm als Aufsichtsratschef und der Klinikleitung wiederholt Intransparenz vorgeworfen worden war. „Wir können lernen“, fügte er noch hinzu. Doch der Lernerfolg steht noch aus: Die aktualisierten Grundrisse, die immerhin schon im Kreistag präsentiert wurden, werden der Öffentlichkeit vorenthalten. Weil es sich um einen „dynamischen Planungsprozess handelt“ und sich noch etwas verändern könne.

Das bedeutet dann wohl im Umkehrschluss: Die Bürger bekommen erst dann etwas zu sehen, wenn alles festgezurrt ist, die Pläne final und unumkehrbar sind. Transparenz? Bürgerbeteiligung? Fehlanzeige. „Quo vadis? Wohin gehst du?“ fragte der Apostel Petrus einst Jesus. Hoffentlich lässt sich dessen Antwort nicht auf die Bürger und den Neubau übertragen – auch wenn es zurzeit so aussieht: „Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.”

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