Klimmzüge für Kleinkinder

Mit einem ganzen Bündel an Ideen und der Umwidmung von Gruppen reagiert die Stadt Göppingen auf die steigenden Anforderungen an Kleinkindbetreuung. Tagesmütter spielen dabei nicht die erhoffte Rolle.

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Für jedes fünfte Kleinkind von eins bis drei gibt es mittlerweile in Göppingen einen Krippenplatz. Die Stadt legt sich für mehr Plätze ins Zeug. Foto: Archiv

292 Krippenplätze für Kleinkinder gibt es derzeit in Göppingen. Es sollen aber in absehbarer Zeit noch 112 mehr werden. Der Sozialausschuss des Gemeinderats hat jetzt die Bedarfsplanung der Kinderbetreuung für das kommende Jahr auf den Weg gebracht. Es wurde deutlich: Immer noch hat die Hohenstaufenstadt bei der U3-Betreuung deutlichen Nachholbedarf.

Für 25 Prozent aller unter Dreijährigen sollte ein Platz zur Verfügung stehen. Diese Quote hatte die Kommune für 2012 anvisiert. 21,6 Prozent sind es derzeit. Als Richtwert für 2013 gilt bekanntlich eine Quote von 35 Prozent. Aber selbst damit ist die Stadt noch nicht auf der sicheren Seite. Denn es gibt letztlich für alle Kinder einen Rechtsanspruch. Die Stadt wandelt also auf dem schmalen Grat zwischen dem Vorwurf, nicht genügend Krippenplätze anzubieten und der Gefahr, teure Plätze umsonst vorzuhalten.

Der noch vor wenigen Jahren für realistisch gehaltene Wert von 20 Prozent habe sich jedenfalls längst überholt, verdeutlichte Ulrike Haas, die mit einem 50-seitigen Bedarfsplan in das Gremium kam. Ein ganzes Bündel an Ideen und Umstrukturierungen hat die Jugendhilfeplanerin darin detailliert ausgearbeitet und begründet. Viel Lob gab es aus dem Gremium für die aufwendige und doch gut gelöste Aufgabe. Es sei beeindruckend, mit wie viel Kenntnis der wirklichen Verhältnisse vor Ort die Mitarbeiterinnen ausgestattet seien, lobten die Stadträte. Alle unterstrichen, die Kommune sei auf einem guten Weg. "Wir verfolgen die Quote von 35 Prozent bis August 2013 mit Überzeugung", stellte Sozialbürgermeisterin Gabriele Zull klar. In Göppingen werde aber im Vergleich zu anderen Kommunen nicht viel gebaut, sondern an Lösungen im Bestand gearbeitet. Dafür greift die Stadt Göppingen auch auf unkonventionelle Ideen zurück. Beispiel: Das derzeit leer stehende ehemalige Kinderhaus Domino gleich neben der Schiller-Realschule soll nicht verkauft, sondern für die Kleinkindbetreuung reaktiviert werden. Das schafft 20 Plätze. "Als Interimslösung", wie Ulrike Haas betonte. Die Stadt brauche Flexibilität. Es sei sehr schwer vorherzusagen, wie sich die Bedarfszahlen in der Kleinkindbetreuung wirklich entwickeln. Das hänge auch von bundespolitischen Rahmenbedingungen ab, sagte die Expertin und verwies auf das heftig diskutierte Betreuungsgeld als Prämie für Eltern, die ihr Kind zuhause lassen.

Zu dem Bündel an Maßnahmen gehört auch der ständige Austausch von Plätzen zwischen den unterschiedlichen Betreuungsformen. Hortgruppen werden angesichts zunehmender Bedeutung der Ganztagsschulen in Kleinkindgruppen umgewandelt. Auch Spielgruppen mit Öffnungszeiten von 15 Stunden wöchentlich spielen mittlerweile eine Rolle. Auch die Betreuungszeiten der einzelnen Einrichtungen werden angepasst.

Tagesmütter für die Knirpse haben sich in Göppingen nicht wie erhofft etabliert - und das, obwohl dieses Angebot dank städtischer Zuschüsse keinen Cent teurer ist. Es liege sowohl an der Nachfrage als auch an der Bereitschaft von Frauen, zu den schlechten finanziellen Bedingungen eine solche Aufgabe zu übernehmen, erklärte Ulrike Haas. Der angestrebte Anteil der Tagesmütter an der gesamten Kleinkindbetreuung wurde deshalb von 20 auf zehn Prozent reduziert. Man werde aber weiter mit dem Tagesmütterverein an einer guten Lösung arbeiten, so Haas.

Das alles ist nicht ganz billig. 1,2 Millionen Euro lässt sich die Stadt ihr Kindergartenangebot jährlich kosten. Sie werden nur vom Teil vom Land ersetzt. Allein die von der alten Landesregierung beschlossenen Erhöhung der personellen Mindestanforderungen schlagen mit zusäzlichen 250 000 Euro zu Buche. Dennoch stärkten die Lokalpolitiker der Verwaltung den Rücken: "Volldampf voraus", empfahl Eva Epple (Grüne), "Wir haben so manchen zögerlichen Bürgermeister im Kreis längst überholt."

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