Kleinen Sohn fast drei Jahre lang misshandelt

Zu zwei Jahrem Freiheitsstrafe auf Bewährung wurde eine 25-jährige Mutter verurteilt, weil sie ihren kleinen Sohn regelmäßig verprügelte.

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„Mir tut das alles leid, ich vermisse meine Kinder“, die junge Frau auf der Anklagebank schluchzt. Immer wieder bricht sie während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Göppingen in Tränen aus. Wann die 25-Jährige ihre Tochter und ihren Sohn wiedersehen darf, ist nach Einschätzung der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe „derzeit noch sehr fraglich“. Die Mutter der zwei Kinder hat fast drei Jahre lang ihren Sohn schwer misshandelt.

Schläge ins Gesicht, mit allem, was sich anbot – der Telefonhörer, ein Staubsaugerrohr. Tritte gegen den Kopf, Stöße, so heftig, dass der kleine Junge – zu Beginn seines Martyriums noch keine zwei Jahre alt – gegen die Wand knallte und einmal wegen einer Risswunde  ärztlich behandelt werden musste.

Warum diese Gewalt gegen ein wehrloses Kind? wollte Richter Heiner Buchele wissen. „Ich war überfordert mit der ganzen Sache“, so die 25-Jährige. Mit 17, gerade den Hauptschulabschluss in der Tasche, wird sie das erste Mal schwanger – ungewollt. Ihre Eltern hätten sich geschämt, wollten die Tochter nicht mehr im Haus haben. Die Beziehung zum Vater des Kindes geht in die Brüche, sie lernt wieder einen Mann kennen. 15 Monate nach der Tochter kommt der Junge zur Welt.

Im Gegensatz zu ihrer Tochter sei der Sohn ein anstrengendes, aufgedrehtes Kind gewesen, habe viel geschrien, versucht die Angeklagte zu erklären, weshalb ausschließlich der Junge Opfer war. Der Vater habe sie nicht unterstützt, habe sie oft alleingelassen mit den Kindern. Streitereien bestimmen den Alltag, es kommt zu Handgreiflichkeiten, schließlich holen die Eltern der Angeklagten Mutter und ihre Kinder aus der Wohnung. Die junge Mutter beginnt eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, wirft sie aber nach paar Monaten wieder hin, weil sie niemanden für die Betreuung der Kinder gehabt habe.

Mit Situation überfordert

Sie habe gemerkt, dass sie nicht mehr klar kam und auch Hilfe gesucht und vom Jugendamt Familienhelferinnen zur Seite gestellt bekommen, sagte die Angeklagte, die nahezu alle ihr vorgeworfenen Taten gestand. Immer wieder habe es Gespräche, auch mit dem Kindergarten, gegeben. Als der damals vier Jahre alte Bub im November 2015 wieder mit einer dicken Beule an der Stirn im Kindergarten erschien, zog das Jugendamt die Reißleine und übergab ihn und seine fünf Jahre alte Schwester in die Obhut der Großeltern. Mit ihnen kam es schließlich auch zum Bruch. Weil die Eltern ihr den Kontakt mit den Kindern verweigerten, griff sie ihren Vater an – ein weiterer Anklagepunkt – und verletzte ihn. Die dazu gerufenen Polizisten gaben zu Protokoll, dass die Frau sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe.

Die Situation der Frau sei schwierig gewesen, räumte auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft ein. Jedoch stellte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer klar: „Überforderung kann vieles erklären, aber in keinster Weise Kinder zu quälen und misshandeln und dazu noch über einen Zeitraum von fast drei Jahren.“  Zu den körperlichen Blessuren, „Hämatome, die kaum zu zählen waren“, kommen die seelischen Verletzungen. Zwei Jahre und sieben Monate Freiheitsstrafe hielt der Staatsanwalt für angemessen.

„Das lässt keinen kalt“, sagte Richter Buchele angesichts der gravierenden Misshandlungen des wehrlosen Kindes, dem Ärzte schwere seelische und Entwicklungsstörungen attestierten. „Da haben Sie als Mutter ganz massiv versagt“, hielt Buchele der Angeklagten vor, räumte aber auch ein: „Sie waren zu jung für das Ganze.“ Eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht, wie es der Verteidiger gefordert hatte, komme nicht in Frage, weil sie bei den meisten Taten bereits älter als 21 Jahre war. Das Schöffengericht verurteilte die 25-Jährige zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Gericht hielt der Angeklagten zugute, dass sie einen Bewusstseins- und Sinneswandel durchlebt habe, konstruktiv mit dem Jugendamt zusammenarbeite und dabei sei, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie beginnt eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin und nimmt psychologische Hilfe in Anspruch. „Arbeiten Sie an sich“, ermahnte Buchele die Angeklagte, die als Bewährungsauflage eine Therapie machen muss.

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