Kleine Verrücktheit gehört zum Leben

"Verrückt? Na und!" heißt ein gemeinsames Projekt des Vereines"Viadukt - Hilfen für psychisch Kranke" und des sozialpsychiatrischen Dienstes. Jetzt beeindruckte es Schüler im Göppinger Mörike-Gymnasium.

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Ums das seelische Gleichgewicht und wie es aus dem Lot geraten kann geht es beim Projekt"Verrückt? Na und!", das jetzt am Mögy lief. Foto: Margit Haas

Psychische Erkrankungen sind in aller Munde, seit sie sich zu wahren Volkskrankheiten entwickeln. Gleichwohl kommen die meisten Menschen in ihrem Alltag mit Betroffenen kaum in Kontakt, kennen niemanden, der Erfahrungen in der Psychiatrie hat. Mit dem Projekt"Verrückt? Na und!" wirbt deshalb der Verein"Irrsinnig Menschlich" um Verständnis für die Betroffenen und klärt auf. In Göppingen gehen Johannes Räpple vom Verein"Viadukt - Hilfen für psychisch Kranke" und Sabine Angerbauer vom sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises damit gemeinsam in Schulen.

Auch die Schüler einer Klasse am Göppinger Mörike-Gymnasium hatten in der großen Mehrzahl bislang keinen Kontakt zu psychisch Kranken. Und sind entsprechend betroffen, als die 41-jährige Manuela (Name von der Redaktion geändert) sich vor der Klasse zu ihrer Erkrankung bekennt. Sie leidet unter einer Borderline-Störung, hat den"inneren Druck immer wieder nicht mehr ausgehalten" und sich selbst verletzt. Ihre vernarbten Unterarme geben ein beredtes Zeugnis davon. Als sie ihre Krankheitsgeschichte schildert, die dazu führte, dass sie mit Unterbrechungen fast zwei Jahre lang stationär in verschiedenen psychiatrischen Kliniken behandelt worden war, ist es im Klassenzimmer mucksmäuschenstill. Manuela hat die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gymnasiasten. Und dann stellt sie sich deren Fragen, beantwortet sie ganz offen. Sie berichtet von Freunden, die plötzlich den Kontakt abbrachen und von Zwangseinweisungen durch Richter oder -"ganzübel" - durch von den Behörden bestellte Betreuer, die die Gesundheitsfürsorge übernehmen. Auf die Frage einer Schülerin, ob sie geheilt sei, kommt die klare Antwort:"Geheilt gibt es nicht. Aber ich habe zurzeit meine Krankheit im Griff."

Zuvor hatten sich die Schüler in Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Themen beschäftigt. Wie soll ein Bürgermeister entscheiden, in dessen Gemeinde ein Wohnheim für junge Mütter mit psychischen Krisen gebaut werden soll, gegen das sich Widerstand regt? Wo können Gleichaltrige Hilfen finden, die vor Angst nicht mehr in die Schule gehen können oder die Welt nicht mehr verstehen? Eine weitere Gruppe hatte sich mit Faktoren beschäftigt, die die Seele aus dem Gleichgewicht bringen können und sich gleichzeitig Gedanken darüber gemacht, wie das Gleichgewicht wieder hergestellt werden könnte.

"Wir wollen dem Stigma der psychischen Erkrankung entgegen wirken", erklärt Sabine Angerbauer ein Ziel des Projektes. Gleichzeitig soll es die Begegnung mit Betroffenen ermöglichen und so"Ängste abbauen". Und es soll verdeutlichen, dass eine psychische Erkrankung"nicht die Endstation im Leben ist". Wie sie es auch nicht für Manuela ist. Sie macht derzeit eine Ausbildung als"Ex-In". Dabei werden Psychiatrieerfahrene innerhalb eines Jahres zu Genesungsbegleitern ausgebildet. Zudem ist sie sich mit den Schülern einig:"Ein bisschen Verrücktheit gehört zum Leben."

Info"Verrückt? Na und!" ist ein Projekt des Leipziger Vereins"Irrsinnig Menschlich". Weitere Informationen unter www.verrueckt-na-und.de

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