Kirchen im Kreis verlieren mehr Mitglieder

Die katholische Kirche im Kreis will die Gründe des Unmuts von scheidenden Mitgliedern erfahren. Deren Verdruss könnte oftmals die gleichen Ursachen haben wie jener von evangelischen Gläubigen.

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Immer mehr Gläubige wenden ihrer Kirche den Rücken zu.  Foto: 

Die katholische Kirche will der Unzufriedenheit früherer Mitglieder auf den Grund gehen. Aufschluss über die Beweggründe eines Austritts sollen Befragungen geben. "Wir müssen herausfinden, warum die Menschen gehen", sagt Felix Müller. Der Geschäftsführer des Dekanats Göppingen-Geislingen will sich mit anderen Mitstreitern in den kommenden Monaten solche Möglichkeiten einer Erfassung überlegen.

Drei Ursachen für den Unmut glaubt die Diözese Rottenburg-Stuttgart schon zu kennen. Vergrault haben sollen viele Gläubige die Ansprüche des früheren Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst und sein lockerer Umgang mit dem Geld im Bistum Limburg. Für einen weiteren Grund vieler Austritte hält der Rottenburger Generalvikar Clemens Stroppel die Abweisung einer vergewaltigten Frau. Dieser verweigerten 2012 zwei katholische Krankenhäuser in Köln die Hilfe. Dritte Ursache soll ein neues Verfahren sein: Für die Abführung der Kapitalertragssteuer hatten Banken in den vergangenen Monaten die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden erfragt. Viele Empfänger der Briefe vermuteten, zusätzlich zur Kirchensteuer zur Kasse gebeten zu werden.

Skandale der katholischen Kirche treffen auch das evangelische Gegenstück. "Das schlägt ökumenisch durch", sagt Rolf Ulmer. Neben Verfehlungen wie die des früheren Limburger Bischofs hält der Dekan auch das neue Verfahren für eine Ursache vieler Austritte.

Deutlich mehr Menschen haben ihrer Konfession 2013 den Rücken gekehrt als im Jahr zuvor. In dem Zeitraum ist die Zahl der Austritte in der Diözese Rottenburg-Stuttgart von 10 000 auf 14 600 gestiegen. Zahlen für den Raum Göppingen gibt es laut dem Geschäftsführer des katholischen Dekanats noch nicht. Erfasst hat dagegen das evangelische Dekanat die Austritte für jeweils das erste Quartal. Den Erhebungen zufolge verabschiedeten sich von Januar bis Ende März diesen Jahres mit 142 Menschen 30 Mitglieder mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. "Die Austritte sind in diesem Jahr signifikant höher als im letzten", sagt Rolf Ulmer.

Beide Glaubensrichtungen wollen den Schwund durch einen überzeugenden Dienst am Menschen bremsen. "Wir versuchen, gut zu schaffen", erklärt Rolf Ulmer. Wichtige Arbeit leiste etwa die Diakonie mit Angeboten für Suchtkranke oder Arme. Neben dieser Hilfe zählt der Diakon die Betreuung von Asylbewerbern und die Besuche bei Kranken zu bedeutenden Leistungen der evangelischen Kirche. Die katholische Seite dagegen will Glaubwürdigkeit zurückgewinnen durch die Auseinandersetzung mit unbequemen Themen. Solche Frage werfen Fachleute im "Forum Thomas" regelmäßig auf.

Eine Beschäftigung mit den Gläubigen liegt ebenfalls der geplanten Befragung des katholischen Dekanats zugrunde. Dessen Geschäftsführer weiß um die Not eines Umdenkens: "Wir können nicht jährlich 400 Leute laufen lassen", sagt Felix Müller.

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