Kinderbetreuung sorgt für Zündstoff

Am Landratsamt in Göppingen wird keine Kleinkindbetreuung eingerichtet. Die bürgerliche Mehrheit im Kreistag wollte darüber gar nicht mehr öffentlich diskutieren. Das sorgte für scharfe Kritik der Befürworter.

|

Eigentlich ging es um eine vergleichsweise geringe Summe: 30 000 bis 45 000 Euro sollte es kosten, für die mehr als 500 Beschäftigten des Landratsamtes eine Tagespflegegruppe mit zwölf Plätzen für U3-Betreuung einzurichten und für ältere Kinder einen Zuschuss zu bezahlen. Damit wollte der Landkreis eine Vorreiterrolle als familienbewusster Arbeitgeber einnehmen. Doch daraus wird nichts.

Hinter verschlossenen Türen war das Angebot im Verwaltungsausschuss bei Stimmengleichheit abgelehnt worden. Jetzt sollte es nach dem Willen der Landkreisverwaltung im Kreistag nocheinmal öffentlich diskutiert werden. Doch die CDU, die Freien Wähler und Teile der FDP machten den Befürwortern einen Strich durch die Rechnung. Sie lehnten es am Freitag ab, über das Thema nocheinmal öffentlich zu diskutieren.

Da gingen im Kreistag die Wogen hoch. SPD-Fraktionschef Peter Feige nutzte seine Haushaltsrede, um der "konservativen Mehrheit" seine tiefe Enttäuschung zu übermitteln und erläuterte seine Sichtweise auf die unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffene Entscheidung. Von da an ging es sehr unruhig zu im Hohenstaufensaal. Feiges Rede wurde von mehreren Zwischenrufen unterbrochen. Sein Stellvertreter Roy Hummel meinte anschließend: "Transparente Familienpolitik sieht anders aus." Die Ablehnung sei "eine vergeudete Chance, sich familienfreundlich, zeitgemäß und vorbildlich zu präsentieren. Für einen vermeintlichen Modellstandort ist dies geradezu lächerlich."

CDU-Fraktionschef Wolfgang Rapp bestritt gegenüber der NWZ, dass seine Fraktion das Thema nicht mehr öffentlich diskutieren wolle. Der Verwaltungsausschuss habe aber abschließend entschieden. Sein Fraktionskollege Matthias Wittlinger sah "keinen Bedarf für weitere Betreuungsangebote" und verwies darauf, dass der Notfall-Betreuung und den Ferienangeboten zugestimmt worden sei.

Hans-Rudi Bührle (Freie Wähler) verteidigte die Ablehnung damit, dass die Kinderbetreuung in den Kreiskommunen bereits intensiv ausgebaut worden sei. Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde das andere wichtige Standbein, nämlich die Pflegetätigkeit, gegenüber der Kinderbetreuung vernachlässigt. Außerdem verwies Bührle auf die finanziellen Auswirkungen. Sowohl CDU als auch die Freien Wähler nahmen für sich in Anspruch, durchaus familienfreundlich zu denken.

Roy Hummel will das nicht gelten lassen: "Hierbei von befürchteten Doppelstrukturen zu sprechen, entspricht bei einer landkreisweiten Angebotsabdeckung für U3 von gerade einmal 26 Prozent nicht der Realität." Und auch Dr. Kathrin Ilg (Grüne) betonte, dass es vor allem bei den angebotenen Zeiten der Betreuung in den Kommunen noch erhebliche Defizite gebe.

Landrat Edgar Wolff hatte in dem Projekt eine Doppelchance gesehen, den Landkreis als familienfreundlich und die Kreisverwaltung als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Die Raumkapazitäten im Schulerburg-Kindergarten seien vorhanden, andere Landratsämter und Behörden hätten solche Betreuungsangebote längst. Das alles wollte er am Freitag gerne öffentlich sagen - er durfte aber nicht.

Kommentieren

Kommentare

03.02.2014 15:49 Uhr

Antwort auf „Was sonst noch?”

Haben Sie einmal reingeschaut bei Aktion Mensch, wer sich alles sehr Großzügig bezahlen lässt.
Es geht erst einmal nicht um Recht oder Unrecht.
Sondern um die Aufdeckung.
Die Bürger in Göppingen kommen da ganz bestimmt zu Staunen.
Wer davor profitiert, und dies ganz ohne Not.
Und trotzdem weiterhin die Hand aufhält.

In den anderen, stimme ich Ihnen überein.

Wer Privat kassiert, soll auch selbst bezahlen.

Antworten Kommentar melden

03.02.2014 11:55 Uhr

Was sonst noch?

Betriebskindergärten auf Steuerzahlers Kosten, davon können nicht öffentliche Betriebe wie z.B. Märklin nur träumen! Mit öffentlichem Geld finanzierte Kinderbetreuung muß der Öffentlichkeit zugänglich sein. Private Betreuung muß auch privat bezahlt werden. Würde Aktion Mensch den Bediensteten des Landratsamts ihre Kinderbetreuung bezahlen, käme dies einer Veruntreuung dieser Gelder gleich, denn von Bedürftigkeit kann bei diesen Beamten und Angestellten keine Rede sein.

Antworten Kommentar melden

03.02.2014 10:41 Uhr

Aktion Mensch

Die Gelder können doch bei Aktion Mensch beantragt werden.
Andere im Kreis Göppingen, lassen sich PKW, Arbeitsplätze, Altersheime komplett von Aktion Mensch bezahlen.
Einfach die Seite im Internet aufrufen, und sich die Förderungen im Kreis Göppingen anschauen.
So viel zeit muss sein.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Schuler Turm zieht Besucher magnetisch an

Im Stundentakt führten Schuler-Mitarbeiter am Wochenende Besucher durch den neu eröffneten Innovation Tower in Göppingen. weiter lesen