Kellerbau in Schwierigkeiten

Das Süßener Bauunternehmen Johannes Kellerbau GmbH hat einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind 248 Mitarbeiter. Insolvenzverwalter Michael Pluta sieht gute Chancen auf Weiterführung des Betriebs.

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Wie die Firma Kellerbau künftig weiter baut, ist nach dem Insolvenzantrag offen. Firmenvertreter und Insolvenzverwalter versichern aber, dass es auf den Baustellen, wie hier im Göppinger Stadtgarten, nicht zum Stillstand kommt.  Foto: 

Ein Traditionsbetrieb der Baubranche ist in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten: die Johannes Kellerbau GmbH + Co. KG hat am 6. August 2012 beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Ulmer Rechtsanwalt Michael Pluta bestellt. Pluta und Geschäftsführer Dieter Meyer-Keller informierten gestern die Belegschaft. Der Insolvenzverwalter teilte mit, dass er gute Voraussetzungen für die Sanierung der Firma sehe: "Die Auftragslage ist gut. Das Unternehmen hat frühzeitig Insolvenzantrag gestellt. Wichtig ist, dass die Kunden dem Unternehmen die Treue halten", sagte Pluta.

Von der Insolvenz betroffen sind nach Firmenangaben 248 Arbeitsplätze. Ziel sei, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Die Geschäftsleitung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um das Insolvenzverfahren konstruktiv zu unterstützen, teilen Firma und Insolvenzverwalter mit. Neben dem Hauptsitz in Süßen, wo Johannes Keller vor etwa 90 Jahren das Bauunternehmen gegründet hat, hat Kellerbau in Ulm eine kleine Zweigstelle, wo etwa 20 Personen beschäftig sind. Nicht betroffen von der Insolvenz sind die Schwesterfirmen NOE-Schaltechnik Georg Meyer-Keller GmbH und die Mobil-Bau GmbH, betont die Firmenleitung.

Das Süßener Unternehmen habe bei größeren Bauvorhaben Verluste ausgewiesen, die andere Geschäftsfelder nicht kompensieren konnten, teilt das Unternehmen mit. EU-weit ausgeschriebene Projekte, in denen Kellerbau als Generalunternehmer gearbeitet hat, hätten sich als wirtschaftlich schwierig erwiesen, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Dieter Meyer-Keller. Auch die öffentliche Hand habe sich in der Vergangenheit als schlechte Zahlerin erwiesen. Meyer-Keller, der bis Mai Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg war, erinnert sich an die langwierige Abrechnungsphase, als seine Firma in Stuttgart ein Gymnasium gebaut habe.

Kellerbau hat zuletzt im Zentrum von Ottenbach ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen errichtet. Außerdem haben die Süßener den Rathausrohbau fertig gestellt, als die eigentliche Auftragnehmerin in Schwierigkeiten geraten war. Es sei alles problemlos über die Bühne gegangen, sagte gestern Bürgermeister Oliver Frank. Der Rathausrohbau steht und ein Teil der Wohnungen seien verkauft und teilweise schon bezogen.

Da die Geschäftsleitung "frühzeitig" den Insolvenzantrag gestellt habe, habe der Insolvenzverwalter ein "gutes Gefühl" für den Fortbestand der Firma", sagt ein Pluta-Sprecher. Über das Insolvenzausfallgeld seien die Löhne für die nächsten drei Monate gesichert. Pluta erwartet nun, dass die Mitarbeiter dabei bleiben, damit auf den Baustellen weiter gearbeitet werden kann. Mit diesem Ziel würden auch die Gespräche mit Lieferanten und Auftraggebern geführt.

Dass Kellerbau in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist, kommt für Hartmut Zacher überraschend. Die Firma sei nie als Problemfall aufgefallen, habe den Tarif eingehalten und die Löhne seien seiner Kenntnis nach pünktlich bezahlt worden, sagt der Gewerkschaftssekretär der IG Bau, Agrar, Umwelt, der auf Seiten der Gewerkschaft die Firma betreut. Kellerbau sei "eigentlich gut aufgestellt", sagt Zacher. Die Firma habe viele Facharbeiter. Die Belegschaft sei nicht überaltert. Diese Umstände lassen ihn hoffen, dass es in Süßen weiter gehen kann. Zur Ursache der Insolvenz kann Zacher nur Vermutungen anstellen: "Das Baugewerbe hat es bisher nicht geschafft, die gute Konjunktur so zu nutzen, dass es gute Preise gibt." Es gebe immer wieder Firmen, die mit aller Gewalt einen Auftrag wollten. Zacher glaubt, dass manches Projekt, wie die Breuninger-Erweiterung in Stuttgart, schwierig zu kalkulieren war. Kellerbau baue im Rahmen von Stuttgart 21 auch das Technikgebäude nördlich des Bahnhofs.

Großvater hatte die Firma gegründet

Das Bauunternehmen Johannes Kellerbau GmbH + Co. KG wurde vor 90 Jahren von Johannes Keller gegründet. Sein Schwiegersohn Georg Meyer-Keller hat dann die Firma übernommen. Geschäftsführender Gesellschafter der Baufirma ist jetzt der Enkel des Gründers, Dieter Meyer-Keller. Der 70-Jährige stand von 2009 bis zum Frühjahr 2012 als Präsident an der Spitze der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Die Pluta Rechtsanwalts-GmbH gehört zu den großen Insolvenzkanzleien in Deutschland. Ihr wird nachgesagt, Firmen möglichst erhalten und sanieren zu wollen. Als die Firma Märklin im Jahr 2009 Pleite ging, wurde Michael Pluta als Insolvenzverwalter beauftragt. Als Obertreuhänder trägt er immer noch die Verantwortung für das Göppinger Traditionsunternehmen.

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