Keine Zeit für Wehmut

Nach fast 42 Jahren wird Walter Ziegler heute mit einem Festakt auf Schloss Filseck als Kreisarchivar verabschiedet. Marcus Zecha sprach mit dem Heimatforscher, für den Ruhestand ein Fremdwort ist

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In zwei Sätzen: Was ist eigentlich die Aufgabe eines Kreisarchivars?

WALTER ZIEGLER: Er muss sich erstens um die Archive der Städte und Gemeinden kümmern, die keinen hauptamtlichen Archivar haben, und zweitens um das Archiv des Landkreises - das heißt, im Prinzip um alle Akten, die älter sind als 30 bis 40 Jahre und teilweise bis ins 16. Jahrhundert bei den Gemeinden vorhanden sind.

Ist das ein attraktiver Job?

ZIEGLER: Ja, es ist eine sehr interessante, vielseitige Arbeit, die viele Bereiche tangiert.

Dann müsste es ja viele Bewerbungen für ihre Stelle geben?

ZIEGLER: Es werden schon einige Bewerbungen kommen, aber der Kreis ist reduzierter, als wenn es eine Museumsstelle wäre. So viele Archivare gibt es nicht. Ich kenne keinen arbeitslosen Archivar.

Sie waren fast 42 Jahre lang Kreisarchivar. Was war für Sie die spannendste Zeit?

ZIEGLER: Jedes Jahrzehnt hatte da seine Höhepunkte. Die 70er Jahre waren geprägt von vielen Gemeindejubiläen und Heimatbüchern, vom Stauferjahr 1977, in dem wir die Straße der Staufer kreiert haben, es entstand in Teamarbeit ein Stauferstättenführer und der Dokumentationsraum der Staufergeschichte. Dann wurde die Veröffentlichungsreihe des Landkreises ins Leben gerufen. Das Sagenbuch ist erschienen und - für mich ein besonders schönes Werk - die Romantische Filstalreise . . .

lSie setzen sich für ein großes Staufermuseum ein, halten aber nicht viel von einer Stauferburg. Warum?

ZIEGLER: Für einen Wiederaufbau der Stauferburg sind die Anhaltspunkte einfach zu gering. Das wäre ein Wagnis sondersgleichen und würde viele Befunde zerstören. Das scheidet aus vielerlei Gründen aus. Der Berg lebt von sich selber.

Sie haben zahlreiche Bücher über die Geschichte des Landkreises und die Kulturschätze seiner Städte geschrieben und herausgegeben. Welche Veröffentlichung liegt Ihnen am meisten am Herzen?

ZIEGLER: Da gibt es viele. Der letzte Begleitband mit 24 Autoren über die Fils war sehr schön, auch bei der Romantischen Filstalreise mit historischen Ansichten der Städte und Gemeinden steckt viel Herzblut drin; und die Ausstellungsbücher, etwa über die Gotik an Fils und Lauter mit meinem Kollegen vom Göppinger Stadtarchiv, Dr. Karl-Heinz Rueß, mit dem mich eine fast dreißigjährige Zusammenarbeit und Freundschaft verbindet.

Das Regionale steht derzeit hoch im Kurs - von der Küche bis zum Krimi. Andererseits gibt es immer mehr Menschen, die herzlich wenig über ihre Heimat wissen. Ein Widerspruch?

ZIEGLER: Wir haben sehr viele Veranstaltungen, unser GP-Programm mit 15 bis 16 Vorträgen und Exkursionen pro Trimester ist schon ein gewisses Markenzeichen. Aber erfahrungsgemäß erwacht das Interesse bei den meisten erst ab etwa 40 Jahren.

Und Sie haben nicht das Gefühl, dass das Interesse insgesamt weniger wird?

ZIEGLER: Nein, etwa bei der Berufsorientierung sind immer wieder interessierte Jugendliche bei uns im Archiv. In der Archäologie kommt gleich im März wieder einer, der hereinschnuppert. Das ist erfreulich.

Blicken Sie denn mit Wehmut zurück auf die vergangenen vier Jahrzehnte?

ZIEGLER: Nein, in keinster Weise. Für mich ist das kein Abschied. Ich bleibe dem Bereich ja erhalten. Nur kann ich mir die Aufgaben jetzt selber stellen.

Jetzt wäre eigentlich wieder Zeit für ein Buch. Es gibt ja schon noch genügend weiße Flecken, die es zu erforschen gilt. Haben Sie sich schon für ein Thema entschieden?

ZIEGLER: Der Band 18 des Jahrbuchs Hohenstaufen/Helfenstein ist gerade in der Entstehung. Es wartet das Buch über das Symposium mit der Universität Tübingen vom vergangenen Jahr. An weiteren Ideen fehlt es nicht. Ich hätte Material, um die nächsten 20 Jahre Aufsätze oder Bücher zu schreiben. Allein über Schloss Filseck könnte man ein Buch schreiben.

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