Keine Hinweise auf ein Messer im Kopf

Gestern war zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen einen 37-Jährigen aus Uhingen. Er ist angeklagt wegen Menschenhandels und Zuhälterei.

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Als das mutmaßliche Opfer den Gerichtssaal verlässt, würdigt es den Angeklagten keines Blickes. Der 17-Jährige aus Ebersbach tritt im Prozess vor dem Ulmer Landgericht als Nebenkläger auf, auf der Anklagebank sitzt ein 37-Jähriger aus Uhingen, der laut Anklage der Peiniger des Teenagers gewesen sein soll. Menschenhandel und Zuhälterei lauten die Anklagepunkte. Staatsanwältin Gabriela Stuhler wirft dem Mann vor, mit dem damals 15-Jährigen übers Internet Kontakt aufgenommen und einvernehmlich eine Beziehung begonnen zu haben. Schließlich soll er den Jugendlichen zur Prostitution überredet haben - sieben Männer reiferen Alters sollen die Freier gewesen sein. Die 3000 Euro, die als Liebeslohn fällig wurden, hat demnach der Angeklagte in seine Tasche gesteckt. "Nacktkochen" oder "Nacktputzen" - das waren nur einige der Stichworte, unter denen der Uhinger den Jungen im Internet angeboten haben soll.

Gestern trug ein kurzfristig von der 6. Großen Jugendkammer hinzugezogener Gutachter seine Ergebnisse vor. Am Mittwoch hatte er den 37-Jährigen ausführlich im Göppinger Christophsbad untersucht. Grund für die gar nicht vorgesehene Begutachtung war eine Aussage des Uhingers: Demnach hat ihn seine Mutter in seiner Kindheit mit einem Messer beworfen, das im Kopf steckenblieb. Das wollte die Kammer genau wissen - doch die Untersuchungen brachten keine Hinweise auf einen solchen Vorfall. Der Gutachter berichtete, dass ihm der Mann von seiner schweren Kindheit erzählt habe, die Mutter sei tyrannisch gewesen, habe einmal einen Besenstiel an seinem Kopf zertrümmert. Mit 14 sei er nach einer Reihe von Diebstählen in ein geschlossenes Jugendheim gekommen. Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass zwar neuropsychologische Defizite vorlägen, ebenso der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung. Nach jetzigem Kenntnisstand könne er aber eine verminderte Schuldfähigkeit ausschließen.

Auch Zeugen wurden gestern gehört, so sagten etwa der Bruder und die Eltern des mutmaßlichen Opfers aus. Die Mutter berichtete, dass sie den Eindruck hatte, der 37-Jährige habe ihren Sohn manipuliert. Sie konnte auch bestätigen, dass der Angeklagte, nachdem sich ihr Sohn von ihm getrennt hatte, diesen mit Drohanrufen einschüchterte - bis der schließlich die Polizei einschaltete. Der Vater erzählte wiederum, der Angeklagte habe sich etwa zehn Jahre jünger ausgegeben, als er war. Anfang 2011 habe er dann erfahren, dass die beiden eine Beziehung führten. "Das hat mir überhaupt nicht gepasst, aber er war fast 18, ich kann ihn ja nicht einsperren." Stutzig wurde der Vater, als die Bank seines Sohnes anrief und von größeren Geldtransaktionen berichtete - dies sei "kein Schülerkonto" mehr. Zur Rede gestellt, habe ihm sein Sohn erklärt, dass er für seinen älteren Freund habe Geld überweisen müssen.

Auch Freunde und Bekannte des 17-Jährigen sagten gestern aus - deutlich wurde dabei, dass der bereits wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte 37-Jährige offenbar immer wieder versuchte, Jugendliche übers Internet kennenzulernen. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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