Keine Beratung von der Stange

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Brigitte Krüger-Wiegmann (l.) und Heike Kuhn beraten im Pflegestützpunkt Göppingen. Die beiden wissen: Es gibt Menschen, die generell Gespräche scheuen. Doch dadurch verschenkten sie „vielleicht bares Geld, Geld, das ihnen zusteht“.  Foto: 

Mit verweinten Augen kommt eine junge Frau ins Büro von Brigitte Krüger-Wiegmann und Heike Kuhn. „Meine Mutter liegt im Krankenhaus, sie ist gestürzt, hatte einen Schlaganfall. Nun kann sie nicht mehr sprechen und ist halbseitig gelähmt“, berichtet sie verzweifelt und gibt zu: „Ich bin da vollkommen überfordert, bin alleinerziehend und muss arbeiten. Was soll ich tun? Können Sie mir da weiterhelfen?“

Mit solchen oder ähnlich gelagerten Fällen könnten die beiden examinierten Krankenschwestern und Casel-Managerinnen längst ein Buch füllen. Ob Herzinfarkt, Hirnblutung, Krebs oder beginnende Demenz, das Thema Pflegebedürftigkeit trifft die meisten  unvorbereitet. Neben den weitreichenden Änderungen der bisherigen Abläufe werden Ehepartner oder Kinder häufig mit einer komplexen Pflegegesetzgebung sowie vielfältigen Hilfsangeboten konfrontiert. Angesichts des demografischen Wandels und weil die Bekanntheit der objektiv beratenden Einrichtung zunimmt, müssen die Expertinnen immer mehr Fälle bearbeiten. „Die ganze Familie ist mit oftmals unvorhergesehenen Problemen konfrontiert. Das deutsche Pflegesystem und die Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre sind für viele undurchsichtig“, sagt Heike Kuhn, und Brigitte Krüger-Wiegmann ergänzt: „Ab Januar greift ja die neue Pflegestufen-Reform mit stärkerer Berücksichtigung von Demenzkranken, neuen Begutachtungskriterien und mehr Geld für die Pflege. Da ist es besonders wichtig, dass die Menschen hier eine neutrale, wertfreie sowie kostenlose Auskunft und Beratung bekommen.“

Die bisherigen drei Pflegestufen werden durch fünf Pflegegrade und sechs Einstufungsbereiche ersetzt. „Das neue System der Begutachtung soll den Grad der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person in verschiedenen Bereichen wie: Mobilität, Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen sowie Belastungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte feststellen. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad.

Beide Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes sehen sich als Helfer und Lotsen, arbeiten seit Jahren Hand in Hand. „Wir begleiten und koordinieren, geben einen Überblick über vorhandene Möglichkeiten im Landkreis“, beschreiben Brigitte Krüger-Wiegmann, Fachkraft für Gerontopsychiatrie und Altentherapeutin, sowie Diplompflegewirtin Heike Kuhn ihre Aufgaben. Letztere ist ab Januar auch im MAG-Gebäude in Geislingen zu finden. „Aber die Entscheidung, wohin der Weg in Zukunft geht, liegt letztendlich bei den Betroffenen“, betont Brigitte Krüger-Wiegmann.

Am besten sei es, zuvor telefonisch einen Termin zu machen, denn eine gute Stunde Zeit müsse man schon mitbringen. Auf Wunsch wird der Ratsuchende auch zu Hause besucht. „Allerdings gibt es auch Menschen, die sich generell vor einem Gespräch scheuen und dadurch vielleicht bares Geld verschenken, Geld, das ihnen zusteht. Doch nur durch einen offenen und vertrauensvollen Austausch können wir die zeitlichen und finanziellen Punkte wie etwa die Leistungen der Pflege- und Krankenversicherung detailliert besprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen“, betont Brigitte Krüger-Wiegmann, die betonen, dass es bei ihnen keine Beratung von der Stange gibt.

Beide Mitarbeiterinnen kommen aus der aktiven Pflege, kennen sich insofern in vielen Bereichen aus, von der Tages-, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege über Patienten- oder Generalvollmachten bis hin zu „Essen auf Rädern“.

Sprechzeiten des Pflegestützpunkts im Hauptgebäude des Landratsamtes Göppingen, Raum 150, sind: Mo. bis Fr. 9-12.30 Uhr, Mo., Di., Do. 14-15 Uhr. Persönliche Beratung auch außerhalb der Sprechzeiten nach Terminvereinbarung unter Tel. (07161) 202-9119 und 9110, oder per E-Mail unter pflegestuetzpunkt@landkreis-goeppingen.de ist möglich. Sprechzeiten der Außenstelle im Geislinger MAG-Gebäude, Schillerstr. 2: Mi. 9-11.30 Uhr, Do. 9-11.30 und 14-16 Uhr, Kontakt über Heike Kuhn, Tel. (07331) 304350 (zu den Sprechzeiten).

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