Kein Ermittlungsverfahren nach Todessturz der Göppinger Amtsleiterin

Der tödliche Sturz der Göppinger Hochbauamtsleiterin Karin Bernartz im Technischen Rathaus ist kein Fall für die Staatsanwaltschaft. Für ein Ermittlungsverfahren gebe es keinen Anlass, teilte ein Sprecher mit.

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Eine ganze Stadt rätselt: Wie konnte es zu dem tödlichen Sturz im Technischen Rathaus kommen? Am Samstag war die 57-jährige Leiterin des Göppinger Hochbauamts im Treppenhaus des Gebäudes vom vierten Stock aus in die Tiefe gefallen und ihren schweren Schädelverletzungen erlegen.

Am Dienstag begründete Michael Bischofberger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm, warum trotz der ungeklärten Todesumstände auf eine Obduktion verzichtet wird: „Obduziert wird nur, wenn man sich davon weitere Erkenntnisse versprechen kann.“ Das sei bei dem tödlichen Sturz der Amtsleiterin jedoch nicht der Fall. Die polizeilichen Untersuchungen hätten keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Es gebe keinen Verdacht, dass eine weitere Person an dem Sturz beteiligt gewesen sein könnte und „keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich noch jemand in dem Gebäude aufgehalten hat“, betonte Bischofberger auf Anfrage unserer Zeitung. Das Technische Rathaus war am Samstag verschlossen. Die Göppinger Kriminalpolizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Bischofberger erklärte gestern, dass die Staatsanwaltschaft in einem solchen Fall – genauso wie bei einem möglichen Suizid, auf den es aber im konkreten Fall auch keinen Hinweis gibt – „gar nicht befugt ist, eine Obduktion zu beantragen“.

Keine Hinweise auf ein Fremdverschulden

Aus den gleichen Gründen – weil keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vorliegen – wird es auch kein Ermittlungsverfahren geben. Nach den Worten Bischofbergers sei das Geländer im Treppenhaus des Technischen Rathauses ausreichend hoch. Es stehe daher keinerlei Vorwurf gegen verantwortliche Personen der Göppinger Stadtverwaltung im Raum.

Nach NWZ-Informationen wird in der Verwaltung zwar erwogen, das Treppenhaus in dem Gebäude an der Nördlichen Ringstraße in Kürze zusätzlich zu sichern. Doch schon jetzt entspricht das Geländer den Vorschriften. Dort, wo es mehr als zwölf Meter in die Tiefe geht, ist die Brüstung 1,10 Meter hoch. Im Technischen Rathaus sei das Geländer im vierten Stock entlang des Treppenpodests und der ersten sieben Stufen, die abwärts führen, vor längerer Zeit extra erhöht worden, so Rathaus-Sprecher Dejan Mrkaja. Im Bereich unterhalb der ersten sieben Stufen – wo die sogenannte Absturzhöhe weniger als zwölf Meter beträgt – habe das Geländer eine Höhe von 90 Zentimetern, was für Altgebäude wie das Technische Rathaus zulässig sei.

Für Altbauten gelten andere Vorschriften

Bestimmungen In der Ausführungsverordnung zur Landesbauordnung heißt es unter anderem „In, an und auf baulichen Anlagen sind zu umwehren oder mit Brüstungen zu versehen: . . . die freien Seiten von Treppenläufen, Treppenabsätzen und Treppenöffnungen (Treppenaugen), soweit sie an mehr als ein Meter tiefer liegende Flächen angrenzen . . .“

In den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) steht außerdem: „Die Umwehrungen müssen mindestens ein Meter hoch sein“. Für Altbauten gibt es abweichende Regeln. Hier genügen 90 Zentimeter. In den ASR heißt es weiter: „Beträgt die Absturzhöhe mehr als zwölf Meter, muss die Höhe der Umwehrung mindestens 1,10 Meter betragen.“ Aus diesem Grund war das Geländer im vierten Stock des Technischen Rathauses von der Stadt bereits vor längerer Zeit erhöht worden.

Als Karin Bernartz am Samstagnachmittag von einer Reinigungskraft tot aufgefunden worden war, stand ihr Einkaufskorb noch im vierten Stock. Die Amtsleiterin und allein erziehende Mutter hinterlässt einen 17-jährigen Sohn und eine 22 Jahre alte Tochter.

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