Karwoche für die Kleinen

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Es gibt viele Wege, den Kindern Dinge zu erklären, die etwas mit dem Tod zu tun haben. Ich mache das auch wirklich gerne, vor diesem Thema darf man keine Angst haben“, stellt Erzieherin Susanne Cassara klar. Sie arbeitet im katholischen Kinderhaus St. Nikolaus in Göppingen und hat in 25 Jahren in ihrem Beruf schon einiges erlebt.

„Spätestens wenn das Haustier stirbt, sammeln die Kleinen erstmals eigene Erfahrungen mit Trauer“, sagt sie. Es komme auch auf die Erziehung an. Manche Kinder seien sich sicher, dass man in den Himmel komme. Aber ein Junge habe einmal zu einem anderen Kind gesagt: „Quatsch, man kommt nicht in den Himmel wenn man stirbt. Da wird man verbuddelt und dann verrottet man eben.“ Diese Aussage habe sich bei der Erzieherin richtig eingeprägt.

Ingrid Held ist evangelische Religionslehrerin in Grund- und Sekundarschulen. Sie meint: „Das Leben ist brüchig, leider erreicht das auch Kinder. Aber Tod und Sterben dürfen kein Tabuthema sein.“ Durch kindergerechte Sprache und religionspädagogische Aufbereitung könne man es ihnen gut vermitteln.

Auch Susanne Cassara versucht, christliche Feiertage spielerisch durch Geschichten erzählen, Pfingstbrezeln backen oder Mandala malen vorzustellen. Das Kinderhaus habe durch seinen Träger, die katholische Pfarrgemeinde St. Maria, auch oft die Möglichkeit, gemeinsame Projekte umzusetzen. Sie erklärt: „Zu Palmsonntag durften wir den Gottesdienst mitgestalten. Da haben die Kinder ein Rollenspiel aufgeführt, es wurde getanzt und gesungen. Sie waren ganz stolz auf ihren Auftritt.“

Bei den Geschichten zur Karwoche seien ihre Schützlinge immer total interessiert bei der Sache und litten bei der Geschichte um den Tod Jesus richtig mit. „Ein Kind hat mich neulich gefragt: ‚Wie geht das eigentlich, dass der Jesus nicht mehr in seinem Grab war, als die anderen nachgeschaut haben?“, erinnert sie sich. Die Wiederauferstehung könne man den Kleinen verbildlichen, indem man Bezüge zu Dingen herstelle, die sie kennen. „Hier haben wir als Vergleich die Entwicklung einer Raupe zum Schmetterling benutzt“, erzählt die Pädagogin.

Ingrid Held, die über ihre Lehrtätigkeit hinaus Studienleiterin im Büro der evangelischen Schuldekanin ist, betont: „Die Ostergeschichte setzt der Schwere der Karwoche die Auferstehungshoffnung der Christen entgegen.“

Um den Vorschülern die Angst vor Themen zu nehmen, die mit dem Tod zu tun haben, besuche Susanne Cassara zu Allerheiligen sogar mittlerweile den Friedhof mit ihnen: „Wir erklären, wie man sich dort benehmen muss. Dann gehen wir ganz leise hinein und schauen uns die Gräber an. Besonders interessant sind für die Kinder auch immer die Soldatengräber.“

Kinder stellen viele Fragen

Die Fünf- bis Sechsjährigen würden viele Fragen stellen. Ein Junge habe sich zum Beispiel einmal dafür interessiert, ob in einem Doppelgrab die Särge gestapelt oder nebeneinander gelegt werden. „Sie sind sehr wissbegierig, auch bei ernsteren Themen“, berichtet Cassara aus Erfahrung. Trotz gemischter Religionen im Haus seien fast immer alle bei den Aktionen dabei. Auch wenn der Anlass einen christlichen Hintergrund habe. Viele andersgläubige Eltern begrüßten es sogar, dass ihre Söhne und Töchter mitmachten. Susanne Cassara stellt klar: „Uns geht es nicht darum, den Kindern eine Religion einzureden. Wir wollen ihnen hauptsächlich Werte vermitteln. Sie sollen lernen, dass es wichtig ist, zu teilen, miteinander auszukommen, sich zu respektieren und so weiter. Es geht nicht in erster Linie um Gott und Jesus.“

Für einen Besuch in einer Moschee wäre die Erzieherin auch gerne einmal bereit: „Ich bin da sehr offen. Wir zeigen den Familien die christliche Religion, da wäre es auch schön, einmal ihre Religion kennenzulernen.“

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