Kapitänin auf heißem Stuhl

Wir stellen Menschen vor, die seit Jahren zum Erfolg der heute eröffneten Sommerfestivals auf Schloss Filseck beitragen. Heute: Konzertmeisterin Anca Ionita.

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Jede Fußballmannschaft hat einen Kapitän und jedes Orchester einen Konzertmeister. Im Festivalorchester des Sommerfestivals auf Schloss Filseck: ist dies eine Konzertmeisterin: die rumänische Geigerin Anca Ionita. Vorn am ersten Pult sitzt sie (ohne Kapitänsbinde) auf dem wohl heißesten Stuhl im Orchester. Denn ihre Aufgabe erschöpft sich nicht darin, vor dem Konzert das Stimmen der Instrumente zu koordinieren. Als Konzertmeisterin ist sie die erste Ansprechpartnerin nicht nur für den Dirigenten Gerald Buß, sondern auch für die Musiker ihrer Stimmgruppe und des ganzen Orchesters – in organisatorischen, zwischenmenschlichen und musikalischen Fragen.

Entscheidungen zu Phrasierung, Stricharten und Artikulation werden vom Dirigenten oft in enger Absprache mit der Konzertmeisterin getroffen. Außerdem übernimmt sie die Solopartien ihres Instruments: in diesem Jahr eine besonders fordernde und schöne Aufgabe. Denn im Schlusskonzert steht Rimski-Korsakows „Scheherazade“ nach den Märchen aus „Tausendundeine Nacht“ auf dem Programm, in der die Solovioline die faszinierende Titelfigur Scheherazade verkörpert, die durch leidenschaftliches Geschichten-Erzählen ihr Leben rettet.

„Konzertmeisterin bin ich nur hier im Festivalorchester“, sagt Anca Ionita, die hauptberuflich seit 2002 im Staatsorchester Stuttgart als Tuttistin in den ersten Geigen sitzt. Sie kennt also beides: den Platz in der ersten Reihe und den inmitten ihrer Stimmkollegen.

Und obwohl meistens alle ersten Geigen inklusive Konzertmeister dasselbe spielen, fühlt es sich doch anders an, wenn man ganz vorne sitzt. „Am ersten Pult trägt man viel mehr Verantwortung“, erzählt Anca Ionita, „weit über das eigene Spiel hinaus. Man muss viel mehr mit- und möglichst vorausdenken. Man darf keine Sekunde unaufmerksam sein und sich keinen Fehler erlauben.“ Anca Ionita nimmt ihren Job ernst. Gewissenhaft bereitet sie sich auf alle Stücke vor – und als Konzertmeisterin übt sie eben nicht nur ihre eigene Stimme, sondern setzt sich mit der ganzen Partitur auseinander.

Zum Festivalorchester kam Anca Ionita im Sommer 2000. Sie war damals noch nicht lange in Deutschland, sprach kaum Deutsch und hatte nach einem Studium in Bukarest gerade ihr künstlerisches Aufbaustudium an der Stuttgarter Musikhochschule begonnen. Schloss Filseck wurde zu einem Fixpunkt im Kalender der Geigerin. Nach ein paar Jahren als Tuttistin fragte Dirigent Gerald Buß, ob sie sich vorstellen könne, fortan die Position der Konzertmeisterin zu besetzen. Konnte sie. Seither arbeiten die beiden fürs Sommerfestival, aber auch in Gerald Buß’ Ensembles Nota Cambiata und Concerto Festivo in dieser Konstellation zusammen

Seit ihrem Filseck-Debüt hat Anca Ionita nur ein einziges Mal gefehlt beim Sommerfestival – wegen einer Verletzung. Ansonsten kommt sie jedes Jahr und gerne, in diesem Jahr gleich zwei Mal: für Monteverdis „Marienvesper“ und fürs Schlusskonzert mit Feuerwerk. Anca Ionitas Augen leuchten, wenn sie vom diesjährigen Programm spricht: Die „Marienvesper“, sagt sie, „ist so unheimlich reich. Monteverdi war ein Genie!.“ Und das Schlusskonzert? „So viele Klassik-Highlights in einem Konzert hat man selten: das ist das reinste Wunschkonzert!“

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Musik auf Schloss Filseck

Zehn Konzerte bot das Sommerfestival Musik auf Schloss Filseck vom 23. Juli bis 31. Juli.

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