Jugendliche immer häufiger gewalttätig

Raubüberfälle und Gewalt nehmen zu. Im Bereich der Staatsanwaltschaft Ulm, zu der die Kreise Göppingen und Alb-Donau gehören, sind Raubdelikte seit 2008 jährlich um elf Prozent gestiegen.

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Stellte die Statistik vor: Dr. Wolfgang Zieher.

Die Zahl aller Strafverfahren, die bei der Ulmer Staatsanwaltschaft voriges Jahr aktenkundig wurden, summierten sich auf 21 913 - das sind 4,66 Prozent mehr als 2010.

Trotz dieser Steigerung ging die Zahl der zum Jahreswechsel noch offenen Verfahren (3216) um 12,4 Prozent zurück; insgesamt wurden 22 372 erledigt (plus 1881). Dies ist der Statistik zu entnehmen, die der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Wolfgang Zieher vorgestellt hat.

Die Bilanz zeigt aber auch: Gewalttaten nehmen zu - und zwar flächendeckend. Großen Anteil daran haben Jugendliche, bei denen die Gewaltkriminalität (396 Angeklagte) noch vor den Diebstählen (361 Angeklagte) rangiert.

Dass die schwerwiegenden Fälle im Jugendbereich "immens zugenommen haben" (so Zieher), wird beim Jugendschöffengericht deutlich: Die Zahl der Angeklagten ist von 169 auf 306 hochgeschnellt. Auch die Einzel-Jugendrichter bekamen mehr Arbeit: Sie mussten sich in den beiden Landkreisen Göppingen und Alb-Donau mit 991 Angeklagten befassen - ein plus um 342.

Diese Zahlen widerlegten die oft geäußerte Meinung, dass die Jugend "nicht krimineller werde", gab Zieher zu bedenken. Lege man nämlich noch die demografische Entwicklung zugrunde (zunehmend älter werdende Gesellschaft), müssten "diese Zahlen zurückgehen." Er bezeichnet es deshalb als "große Gemeinschaftsaufgabe", junge Menschen, insbesondere solche mit Migrationshintergrund, besser zu integrieren. Die Frage, was die Rechtsordnung bedeute, müsse an oberster Stelle stehen. Denn manche Jugendliche und Erwachsenen hätten den "richtigen Sinn des Lebens noch nicht erkannt." Zwar sei glücklicherweise Kriminalität bei Jugendlichen weiterhin die Ausnahme - "aber dort, wo sie stattfindet, ist sie besorgniserregend."

Pressesprecher Michael Bischofberger verwies auf die zunehmenden Raubdelikte, von denen in jüngster Zeit verstärkt auch Spielhallen betroffen gewesen seien. Vize-Behörden-Chef Rainer Feil betonte, dass sich das moderne Strafrecht verstärkt der Opferinteressen annehme. Insbesondere, wenn das persönliche Umfeld des Täters in das Konfliktpotenzial verstrickt sei, könne der sogenannte Täter-Opfer-Ausgleich zur Befriedung beitragen. Dann sei es nicht Ziel, den Täter vor Gericht zu stellen, "sondern alle an einen Tisch zu bringen und unter Mediation eines erfahrenen Streitschlichters die Situation aufzubereiten." Voriges Jahr seien 48 solche Anträge gestellt worden - mit inzwischen zunehmender Tendenz.

Hocherfreut ist Behörden-Chef Zieher über die Vermögensabschöpfungen. Die Geldsumme, die Straftäter voriges Jahr aus gewerbsmäßigen Verbrechensgewinnen abführen mussten, stieg von 38 000 Euro auf nun 3,8 Millionen Euro. Damit habe allein die Staatsanwaltschaft Ulm rund 43 Prozent der gesamten landesweiten Abschöpfung (8,8 Millionen) erbracht.

Zurückzuführen sei dies auf vier große Verfahrenskomplexe - darunter auf eine Bande, die Versicherungsunterlagen zu Kfz-Kurzzeitkennzeichen gefälscht habe und drei Männer aus dem Landkreis Göppingen, die mit Arzneimitteln zu Dopingzwecken gehandelt hätten.

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