Jubiläum oder kein Jubiläum?

Ehre, wem Ehre gebührt. Aber was, wenn der zu Ehrende gar nicht geehrt werden will? Ein Beispiel aus der Welt der Firmenjubiläen.

|

Vor einem Dreivierteljahrhundert schrieb man das Jahr 1937. Wer damals ein Unternehmen gründete und es erfolgreich durch Nationalsozialismus, Krieg, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Ölkrise und all die anderen Krisen, die noch folgen sollten, steuerte, der hat wahrlich eine Ehrung verdient. So sieht das auch die Handwerkskammer der Region Stuttgart. Ein Friseursalon im östlichen Teil des Landkreises erhielt kürzlich eine Ehrenurkunde, verbunden mit herzlichen Glückwünschen zum 75-jährigen Bestehen des Betriebes. Ein Nachbar des Salons wunderte sich allerdings: War es doch erst gut zehn Jahre her, dass die Inhaberin ihren Betrieb eröffnet hatte, und das nicht in historischen, sondern in nagelneuen Räumen.

Nein, das sei kein Irrtum, versicherte man bei der Handwerkskammer. "Das mit den Ehrungen geht automatisch", sagte die Sachbearbeiterin, startete aber trotzdem eine Nachforschungsaktion. Was dabei herauskam, teilte Pressesprecher Gerd Kistenfeger mit: Es gibt tatsächlich einen Friseursalon, der 1937 gegründet worden ist. Allerdings von einer anderen Familie und in einer anderen Stadt. Trotzdem ist es derselbe Betrieb. Alles klar? Was unbedarften Naturen vielleicht nicht gleich einleuchtet, hat aber aus der Sicht der Handwerkskammer durchaus eine Logik und sogar einen ernsten Hintergrund. "Es geht hier um Firmennachfolge, das ist für uns ein ganz wichtiges Thema", erklärt Kistenfeger. Nicht jeder Inhaber habe eigene Nachkommen, an die er seinen Betrieb weitergeben könne. So war das auch im Fall des Friseurbetriebs, den ein Ehepaar vor 75 Jahren gegründet hatte. Die heutige Inhaberin pachtete zunächst die Firmenräume, als sich das Gründerehepaar zurückzog. Vor gut zehn Jahren zog sie um - in den Nachbarort.

Für die Handwerkskammer ist das überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: "Der Betrieb besteht weiter, auch wenn er den Inhaber wechselt oder umzieht", unterstreicht Kistenfeger. "Genau das wollen wir ja fördern: den sinnvollen Übergang von einer Generation auf die folgende." Die geehrte Friseurmeisterin selbst lässt das kalt. "Wir feiern kein Jubiläum", lässt sie von ihrer Mitarbeiterin ausrichten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Überschallknall erschreckt Menschen im Landkreis Göppingen

Wegen eines Überschallknalls sind zahlreiche Menschen am Mittwochmorgen gegen 10.20 Uhr in Sorge gewesen. weiter lesen