JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Wir sind die Größten

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Spätestens seit uns Muhammad Ali seinerzeit zum Frühaufsteher machte, wissen wir vom steten Trachten der Menschen, andere zu überflügeln. Ali pflegte seinen Gegnern mit einem bescheidenen "I"m the greatest, and you better believe it, Baby" entgegenzutreten, was soviel heißt wie: "Ich bin der Größte und es ist besser für Dich, Du glaubst das." Dabei setzte Ali nur alte Traditionen fort. Wir erinnern an Alexander den Großen, der jenes so begehrte Attribut, kaum weniger zurückhaltend, sogar im Namen führte, gleichwohl aber kaum über 160 Zentimeter Körpergröße aufwies.

Jenes Streben nach Größe bringt die Menschen schon seit jeher dazu, die absonderlichsten Dinge zu tun. In Ermangelung der Chance, Weltreiche zu gründen und andere einfach mal k.o. zu schlagen, gehen es die Menschen heutzutage - zumindest in unseren Breitengraden - zivilisierter an. Die einen entscheiden sich, wie unlängst in Wiesensteig, spontan für den staatlich mittlerweile anerkannten Beruf des Wutbürgers und verhindern aus Furcht vor einfallenden und mit Geld um sich werfenden Touristenhorden mal eben einen Baumwipfelpfad. Andere - wie etwa die Spanier - sind da noch nicht soweit. Wutbürger auf der Suche nach Größe gibt es aber auch dort. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Massen den Luftpfad nach Mallorca schließen. Gut, wir wollten da eh noch nie hin.

Andere bringt die unerfüllte Sehnsucht nach Größe sogar dazu, nach völlig unattraktiven Berufen wie etwa dem des Oberbürgermeisters in einer südwestdeutschen Kleinstadt zu streben. So konnten weder ständig herumnörgelnde Printmedien noch kaum weniger nervende Bürgerinitiativen verhindern, dass sich im beschaulichen Göppingen nicht nur der Amtsinhaber, der es ja eigentlich besser wissen müsste, sondern gleich noch sechs weitere Kandidaten um den Job bewerben. Wenigsten die drei Stadträte unter den glorreichen Sieben hätte doch das Wissen um das eigene Tun lehren müssen, wie gemein der Bürgervertreter üblicherweise zu seinem Rathauschef ist.

Doch das Streben nach Größe lässt einen die härtesten Strapazen ertragen. Wir erinnern hier nur an Hannibal, den diese Sehnsucht mit seinen Elefanten über die Alpen getrieben hat. Heutzutage versuchen allenfalls FDP-Mitglieder mit politischen Leichtgewichten über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Auch dieses skurrile Unterfangen zeigt: Die Sehnsucht nach Größe ist ein innerer Antrieb, dem wir uns einfach nicht entziehen können. Selbst in China ist sie weit verbreitet. So verkauft der Multimillionär Chen Guangbiao jetzt heiße Luft in Dosen. Ein Unterfangen, das im übrigen auch uns nicht ganz fremd ist.

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