JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Weinend Weltmeister

|

Weltmeister zu werden, ist hart. Wir sind seit Tagen fix und fertig und können uns kaum noch bewegen. Diese wahnsinnig langen Strecken am Bildschirm, die Fouls, die Kämpfe, die Wunden, die Torschüsse, die Schiedsrichter und dann noch die seltsamen Fragen der Journalisten, das muss man zuerst einmal wegstecken. Wie fühlen Sie sich als Weltmeister? Ja, wie werden wir uns schon fühlen? Kaputt, aber super. Gut, die Medien wollen bedient werden. Das war schon beim 7:1 gegen Brasilien so. Mein Götze war uns das peinlich, dass wir dieses eine Tor rein gelassen haben.

Es gab Erklärungsbedarf, keine Frage. Wir haben uns aber mannhaft den kritischen Nachfragen gestellt und uns mutig zu unserem Versagen bekannt. Wie konnte uns das passieren? Wir wissen es auch nicht, haben aber die Blamage auf uns genommen. So ein Tor darf einfach nicht rein. Dass wir uns zu dem schüchternen Einwurf haben hinreißen lassen, wir hätten ja immerhin unsererseits sieben Tore geschossen, bedauern wir zutiefst und nehmen die geballte Häme der zurecht enttäuschten Sport-Journalisten zerknirscht hin. Das mit dem Pokal, den wir nach Hause geholt haben, ist ja eigentlich keine Entschuldigung. Das haben wir jetzt auch eingesehen. Auch den Millionen von Fans mussten wir das mit dem peinlichen Tor ja irgendwie erklären. Gut, das haben wir auch noch hinbekommen. Ein bisschen Kritik wird man ja wohl ertragen können. Es wird sicher nicht mehr vorkommen. Wir haben Brasilien einfach unterschätzt. Und dann die Siegesfeier in Berlin. Sie wäre noch schöner gewesen, wenn wir dieses eine Tor - na ja, Sie wissen ja jetzt, was wir meinen.

Der Lahm hat ja dann als Kapitän auch die volle Verantwortung übernommen und hingeschmissen, aber ob das die Kritiker zufrieden stellt, wagen wir noch zu bezweifeln. Die wollen manchmal richtig Blut sehen. Diesen Part hat ja dann der Schweini übernommen. Aber es war wahrscheinlich zu wenig. Und dann hat er sich die Platzwunde auch noch gleich zutackern lassen. Dabei soll ja hinter seinem Rücken das Wort "Memme" gefallen sein. Wir können das nicht bestätigen, halten es aber nicht für ausgeschlossen. Fürs erste werden sie Ruhe geben, aber wir müssen ja ständig damit rechnen, dass sie sich an andere Tore erinnern. Die Trainerfrage zu stellen, muss nach so einer Leistung natürlich erlaubt sein. Da haben wir Verständnis für. Aber so ganz geht das nicht an einem vorbei. In unserer Verzweiflung sind wir dann zum alternativen Public Viewing der Stauferfreunde auf den Göppinger Kornhausplatz gegangen. Da haben wir uns mit anderen depressiven Weltmeistern den Barbarossa rein gezogen. Aber der kann ja noch nicht einmal Fußball spielen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

28-Jähriger mit Messer schwer verletzt

Ein Beziehungsstreit endete am Mittwochabend in Eislingen mit einer schweren Stichverletzung am Hals. weiter lesen