JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Stephen King irrt

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Wir, die wir Kunstwerke in Kreisverkehren bis heute allenfalls als gefährlich für die städtischen Haushalte erachtet haben, werden nun eines besseren belehrt. Sie sind ein Sicherheitsrisiko. Diese Erkenntnis beschert uns die ebenso erstaunliche wie nunmehr rechtsverbindliche EU-Verordnung 2008/96/EG. Die Schlichteren unter uns werden sagen, was interessiert mich diese EU-Verordnung, solange ich einen anständigen 400-PS-Motor unter dem Hintern und einen Spoiler habe. Doch so einfach ist es nicht.

Auf einer seiner zahllosen Überland-Radfahrten zu den Stuttgart-21-Demos hat der Verkehrsminister in einer klaren und kalten Vollmondnacht messerscharf erkannt, dass nicht nur tiefergelegte Bahnhöfe eine Gefahr für Leib und Leben darstellen. Den wochenlangen investigativen Recherchen von "Autobild" haben wir es zu verdanken, dass wir nun wissen, was der arme Mann gesehen hat: einen "Horror-Kreisel". Das Zentralorgan der Fahrzeughalter berichtet direkt von der Front: "100 Grashalme aus Metall. Sie ragen direkt Richtung Fahrbahn. Als warteten sie nur darauf, einen Autofahrer aufzuspießen." Ein Wunder, dass so etwas nicht längst passiert ist. Jedenfalls irrt Stephen King mit seiner Geschichte von der mordlüsternen Limousine namens Christine. Es sind die Kreisel-Monster, die es auf die armen Autofahrer abgesehen haben. Eine Erkenntnis, die den ADAC seinen heldenhaften Kampf gegen Tempolimits auf deutschen Autobahnen kurz unterbrechen ließ, um sich mannhaft den "bedrohlichen und aggressiven Kunstwerken" in den Weg zu stellen. Das tun inzwischen auch Polizeibeamte, Regierungspräsidenten und Vertreter von Landratsämtern. In Scharen schwärmen sie aus, um den hinterhältigen Gegner dingfest zu machen, in den nichtsahnende Gemeinderäte einst Hunderttausende von Euro investiert haben. Seit die ersten Geschichten von wildgewordenen Kreisel-Skulpturen auf Autojagd die Runde machen, entdecken auch wir das Dämonische an den Figuren, die sich wie in Eislingen als harmlose Saurier oder als hilfsbereite Wegweiserinnen tarnen. Hat der Generalangriff auf die frei fahrenden Bürger nicht längst begonnen?

Um eine Massenpanik zu vermeiden, verschweigt die EU das wahre Ausmaß der Katastrophe und belässt es bei beschönigenden Andeutungen. "Auf Kreiseln dürfen keine Hindernisse angeordnet werden, die bei einem Aufprall zu schweren Unfällen führen können." Als ob es damit getan wäre. Ist es nicht so, dass auch heimtückische Häuser, Mauern oder gemeine Brücken bei einem Aufprall zu schweren Unfällen führen können? Müsste sich der Verkehrsminister nicht auch bei diesen gefährlichen Elementen fragen: "Is das Kunst, oder kann das weg?"

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