JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Spitze-Politiker

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Des Kaschubischen sind die Göppinger nur ganz selten mächtig. Um so mehr hat es überrascht, dass der Oberbürgermeister sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats eines der wichtigsten Wörter dieser Sprache zu eigen gemacht hat: "dali", was soviel heißt wie "weiter, los". Nun gut, er hat es nicht ausdrücklich gesagt, aber sicher gemeint, als er wieder einmal dem Fluch der Karibik beziehungsweise dem Enter-Kommando der Linke-Piraten-Fraktion (Lipi) standhalten musste. Lipi (Langstrumpf ?) war mal wieder frech gewesen, was der Rathauschef mit der ultimativen Forderung nach einer Redezeitbeschränkung quittierte. Er forderte die Lokalpolitiker auf, in der Sommerpause darüber nachzudenken, ob eine solche sinnvoll wäre. Wir haben das natürlich längst getan und sind zu dem Schluss gekommen, dass das wirklich eine prima Idee ist und auch die Berufsausübung des Journalisten ungemein erleichtern würde.

Damit wären wir endgültig wieder beim Kaschubischen und bei "Dali", das einst Hänschen Rosenthal - die älteren unter unseren Lesern erinnern sich an ihn - in einem doppelten Imperativ zum Titel von Deutschlands bekanntester TV-Show gemacht hat. Nun hat dieses Relikt aus längst vergangenen Fernsehzeiten aber auch gar nichts mit dem Göppinger Gemeinderat zu tun, das aber könnte sich ändern. Wir sehen schon den Obertalkmeister vor seinem Gremium stehen, um - Geschwindigkeit ist keine Hexerei - eine Stellungnahme zur Planung des zweiten Rathauses am Bahnhof einzufordern. "Sie haben 30 Sekunden Zeit, dalli, dalli." Gut, eine gewisse Umstellung wäre für die Stadträte mit dem ungewohnten Zeitdruck schon verbunden, doch die Begründung der 255. Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Oberbürgermeister würde selbst der Karibikfraktion damit schwer fallen, was den Rathauschef zumindest mental eindeutig entlasten würde. Eingedenk des alten Sprichwortes - Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - würden da ganz andere reiche Beute machen. Schon jetzt haben sich die Freibeuter der Wähler mit elf Minuten in einer ganzen Gemeinderatssitzung eindeutig positioniert.

Wie einst bei "Dalli Dalli" könnte das Publikum die Qualität eines Redebeitrags per Knopfdruck würdigen. Dieser würde viele Warnleuchten und einen zwitschernden Alarmton aktivieren, woraufhin der Oberbürgermeister sagen würde: "Sie sind der Meinung, das war . . ." Das Publikum, wahlweise auch die Mitglieder aktueller Bürgerinitiativen könnten dann aufspringen und ganz laut "Spitze!" rufen bis es einen Sonderpunkt gibt. Dem Vernehmen nach soll der Rathauschef gestern beim Training beobachtet worden sein. Angeblich übt er das In-die-Luft-springen bei "Spitze".

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