JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Planlos in Göppingen

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Der Urknall wird es nicht gewesen sein, der die Göppinger Stadtverwaltung den Lärm entdecken ließ. Nicht, dass die Rathausspitze viel eines solchen um nichts veranstalten würde, dennoch wundert es uns schon, mit welcher Vehemenz sie denselbigen aus der Stadt verbannen möchte. Dabei, seien wir ehrlich, macht sie gerade bei diesem Ansinnen ganz schön viel davon. Ein finaler Hörtest der Europäischen Union hat offenbar ergeben, dass alles irgendwie zu laut ist, außer sie selbst, weswegen sie jetzt nach Wegen zur Stille sucht. Ein Thema, das so kurz vor Weihnachten durchaus seine Berechtigung hat, wie wir finden, aber deswegen gleich alle Straßen zu sperren, scheint uns dann doch reichlich übertrieben.

Gut, so richtig sperren möchte die Verkehrswege keiner im Rathaus, allenfalls ein bisschen. Man will halt kein Tempo machen, was für eine kommunale Verwaltung nicht unbedingt außergewöhnlich ist. In der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, weswegen jetzt Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten von Jebenhausen, Holzheim und Bezgenriet, aber auch auf der südlichen Ausfallstraße in Faurndau und auf der Nördlichen Ringstraße in Göppingen gelten soll. Für uns, die wir bis heute gar nicht wussten, dass es Auto-Tachos mit Angaben zu solchen Geringfügigkeiten gibt, heißt das mitten im Textfluss erst einmal eine Vollbremsung einzuleiten. Tempo 30??? Wegen des Lärms???

Die Cruising-Fraktion in der Chefetage der EU will das Gas weg nehmen. Unerhört. Wir Untertanen sollen uns davon schleichen aus dem verschlungenen Straßennetz der sympathischen Stadt am Fuße des Hohenstaufens. Herzrrrrrrrraaaaasen Ade.

Der geneigte Leser merkt schon jetzt, wie wir sprachlich voller Demut in den zweiten Gang herunterschalten, das Aufbrüllen des Sprach-Motors samt den erwachenden Anwohnern ignorieren und in der Textdurchfahrt nur noch gemächlich dahingleiten. Schließlich wollen wir Sie schonend darauf einstimmen, dass alle Vermutungen, die Rathausspitze habe keinen Plan, so überflüssig sind wie künftig ein Turbolader in Göppingen. Die Stadtverwaltung hat einen, und zwar einen Lärmaktionsplan, mit dem sie der Utopie von einem selbst schleichenden Auto sehr nahe kommt. Wenn Sie, geneigter Leser, trotzdem noch planlos durch diesen Text rasen dürfen, dann liegt das daran, dass die meisten Stadträte, verkehrsbeunruhigt wie sie nunmehr sind, in den dritten Gang und damit auf stur geschaltet haben. Sogar die SPD stört die Signale. Alle wollen weiterhin mit 35 Stundenkilometern durch die Nördliche Ringstraße rasen, koste es Bußgeld, was es wolle. Endlich einmal ein Leerlauf der Stadtverwaltung, über den auch wir uns freuen!

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