JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Panik auf der Titanic

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Weit davon entfernt, an Übersinnliches zu glauben, wundert uns doch manchmal die Duplizität der Ereignisse. Just an dem Morgen, an dem unser allseits immer weniger geschätzter Bundespräsident in die Fußstapfen von Hape Kerkeling - "Ich bin dann mal weg" - oder wahlweise auch zurück getreten ist, erreicht uns eine Pressemitteilung der Evangelischen Akademie Bad Boll, die uns zu wundern gibt.

Nicht, dass wir vermuten würden, das eine habe etwas mit dem anderen zu tun. Dennoch scheinen die Ankündigung der Tagung "Mit Volldampf in den Untergang" und die Rücktrittserklärung unseres Gratisurlaub gestählten Staatsoberhauptes - "Mit Volldampf nach Mallorca" - weit mehr als das Datum gemein zu haben.

Auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Untergang des Luxusliners "Christian Wulff", pardon, "Titanic" will sich die altehrwürdige Akademie zwanglos der "Faszination an der Apokalypse" widmen. Wider Erwarten stehen weder Beatles-Fan Wulff - "With a little help from my friends" - noch eben jene stets hilfsbereiten Freunde auf der Einladungsliste. Dafür gibt sich Leo Fischer die Ehre. Der Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic" will, wiewohl er noch nicht einmal eine einzige von Wulff besprochene Mailbox vorweisen kann, der Frage nachgehen, was die öffentliche Faszination und Symbolkraft gerade dieser Katastrophen ausmacht. Während wir noch darüber rätseln, warum bei Wulffs Rücktrittserklärung nicht die Bordkapelle gespielt hat, möchten die Gelehrten dem weiteren Schicksal unseres 52-jährigen Alt-Bundespräsidenten - oder doch der Titanic? - auf den Grund gehen. "Das Unglück liefert seither Stoff für Filme, Romane und mehr", lässt uns die in die Tiefe unseres Schreibtisches sinkende "Titanic"-Presseerklärung aus Bad Boll das Schlimmste für Christian Wulff befürchten. Und es kommt noch furchtbarer: "Der Untergang hat noch nach 100 Jahren wenig von seiner Symbolkraft verloren." Das wollen wir der Bundeskanzlerin dann doch nicht wünschen. Zumal auch sie sich jetzt mit den Gelehrten der Boller Tagung fragen muss: "Was lösen aktuelle Katastrophen in unserer Gesellschaft aus, in der Panik als Normalzustand herrscht?"

Das fragen wir uns natürlich auch. Womöglich wird es die Welt irgendwann unserem Bundespräsidenten gleichtun und von ihrer Existenz zurücktreten. Glaubt man dem Maya-Kalender - und Roland Emmerich - so dürfte die Erde am 21. Dezember ganz entspannt in irgendeinen Orkus der Universums-Geschichte entschwinden. Dafür kann man aber unmöglich unseren Alt-Bundespräsidenten verantwortlich machen. "Titanic" hin oder her: Der Luxusliner aus Hannover war definitiv auf dem falschen Dampfer.

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