JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Möbel-Pack!

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Sie sind immer noch da. Jahrzehnte der Emanzipation sind an ihnen spurlos vorübergegangen. Ohne zu altern, trotzen sie der Vergänglichkeit alles Männlichen. Weder Alice Schwarzer noch der Gleichstellungsbeauftragten tausendköpfiger Schar vermochte sie zu ändern. Seit 1979 touren sie durch die Welt und kommen so sicher wie der Osterhase oder Angela Merkel. Im Dezember ist es in der Göppinger Werfthalle wieder soweit, die Chippendales beglücken die Damenwelt, als hätte es Gender Mainstreaming, Unisex-Toiletten und andere richtungsweisende Bestrebungen, den kleinen Unterschied auf ewig verschwinden zu lassen, nicht gegeben. Während wir in unserer Männergruppe diskutieren, warum es mittlerweile auf sinkenden Schiffen heißt, "Männer und Kinder zuerst", gehen sie auf die Bühne, werfen alles von sich, was sie hemmt, und die Weiber spielen völlig verrückt.

Ist das richtig, fragen wir unseren Männerbeauftragten, dass sich 1000 kreischende Frauen dort nach jedem Arsch umdrehen, nur nicht nach uns? Von der Tatsache, dass wir - womöglich nur aufgrund unseres Geschlechts - nicht einmal hereingelassen werden, ganz abgesehen. Mit Verlaub, hier werden Männer kurz vor Weihnachten zu reinen Sexualobjekten degradiert und kein Schwein schert sich drum. Da gibt es nicht einmal eine Männerquote. Dabei haben wir ein Antidiskriminierungsgesetz, wonach niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt werden darf. Nicht nur, dass diese Frauen die Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs verächtlich mit dem Namen eines Möbelstückes titulieren - Chippendales - nein, sie verführen sie regelrecht. Während die armen Jungs nur ein wenig tanzen wollen, bringen die Frauen sie dazu, sich auf offener Bühne auszuziehen. Gut, wir waren, wie gesagt, nie dabei. Unser fehlendes X-Chromosom hätte uns zwar nie abhalten können. Aber wir mussten bei den einschlägigen Veranstaltungen für unsere Frau Abendessen kochen, während sie noch auf ein Bier um die Ecke gegangen war - aber es soll jedes Mal richtig diskriminierend gewesen sein, also irgendwie männerfeindlich. Es ist erschreckend, welches Männerbild hinter solchen Veranstaltungen steckt.

Wir sind da ganz anders: Wir schließen die Frauen nicht aus. Im Gegenteil. Wir lassen sie wie selbstverständlich mit uns Champions League gucken, erklären ihnen geduldig, was eine Abseitsfalle ist, lassen sie genauso großzügig wie tolerant an den Formel-1-Rennen Anteil nehmen, vergessen, dass sie nicht einparken können - weil das bei Autorennen ja auch gar nicht gefragt ist - und erläutern seelenruhig das schwierige Regelwerk. Sie müssen halt ruhig sein. So ruhig wie ein Schrank von Chippendale.

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