JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Madenfreude

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Ich Tarzan, du Jane. Schön, wenn das Fernsehen an alte Traditionen anknüpft und Menschen zum Affen macht. Gut, Tarzan heißt heute nicht mehr Tarzan, sondern Ailton, und Jane hört auf Brigitte Nielsen, aber dafür unterschreiten sie auch lässig das Niveau des in die Filmgeschichte eingegangenen Ich-Tarzan-du-Jane-Dialogs. Ich Ailton, du Nielsen, hört sich trotzdem saublöd an. Ist es ja auch.

Nielsen hat sich auf ihrer Reise nach Hollywood im Kontinent geirrt und ist jetzt im australischen Dschungelcamp gelandet, und Ailton hat sich vor den Augen einer erstaunten Weltöffentlichkeit im Spinnen mit den Spinnen gemessen, bevor er als Jäger des verlorenen Schatzes ("Micaela immer mit Sex-Unterhos") das Camp verlassen musste. Aber ihn stört das nicht: "Ailton immer gewinne, auch wenn verlier", gestand er jetzt sprachlich gewandt wie immer Bild, dem Zentralorgan des australischen Dschungels. Dass diese Dauerekel-Sendung ein weiterer Beitrag zur Massenverblödung ist, stimmt im übrigen gar nicht. Tatsächlich überlegen sich Bildungspolitiker im ganzen Land, ob sie die Sendung nicht als Unterrichtsempfehlung weiter geben sollen. Denn merke: Aus Maden wird man klug.

Apropos: Gerüchten zufolge soll es den Maden schlecht geworden sein, als man Magier Vincent Raven auf sie losgelassen hat. Auch die Ratten haben noch tagelang nach der Begegnung über Übelkeit geklagt. Der Kampf gegen das gemeine Erbrechen ist halt auch im Tierreich nicht einfach. Dass sie nicht per Telefon-Voting aus der Sendung gewählt wurden, kann die Ratten nur ungenügend für diese miese Behandlung entschädigt haben. Vielleicht ist das ja ein Fall für den Tierschutzverein.

Darf man harmlose Würmer, Maden und Schnecken mit Z-Promis quälen? Eine Frage, die sich der durchschnittlich intelligente Dschungelcamp-Zuschauer nicht stellt. Weil er sich die ganze Zeit mit der Frage beschäftigen muss, die im Dschungelcamp am laufenden Band diskutiert wird. "Haben die eigentlich wirklich Sex?" Ein Schäfer-Stündchen in jedem Fall. Oder heißt Micaela gar nicht Schäfer? Nein, Dschungelcampbewohner sind selbst mit den unterirdischsten Kalauern nicht zu beleidigen. Schließlich wissen sie spätestens seit der Vertragsunterzeichnung bei RTL: Wer die Maden hat, braucht für den Spott nicht sorgen.

Einmal, wir geben es schamhaft zu, haben auch wir um das Schicksal der armen Dschungel-Bewohner gebangt. Das war, an den Tagen, als der fürchterliche Regen kam und das Camp wegzuschwemmen drohte. Um ein Haar wäre es dabei nämlich gelungen, Ex-RTL-Chef Helmut Thoma zu widerlegen. Leider hat der alte Fernseh-Haudegen wieder mal recht behalten: Im Seichten gibt es kein Ertrinken.

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