JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Liebe Alice . . .

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Liebe Alice, wir wenden uns heute vertrauensvoll an Dich, weil wir Dich nicht mehr verstehen. Bitte hilf uns.

Du erinnerst Dich sicher daran, dass Du uns seinerzeit von einem schlimmen Fehlverhalten befreit hast, weil wir doch den Playboy gekauft haben, um die literarisch wertvollen Kurzgeschichten zu lesen. Ja, die in der Heftmitte zum Aufklappen. Du warst der Meinung, dass wir die ganze Frau sehen müssten, wobei wir die irrige Ansicht vertraten, genau das zu tun. Nun wissen wir, wie falsch wir damals gelegen haben und fragen uns, was diese Frau wohl beruflich so macht, wie sie intellektuell drauf ist, ob sie 100 Jahre Einsamkeit gelesen hat, die Postkutschensymbolik bei Georg Trakl kennt, ob sie womöglich als Kind unterdrückt wurde und ob sie friert in der Heftmitte, so ganz ohne Klamotten. Auch die Frage nach den inneren Werten drängt sich uns auf. Ist sie treu? Würde sie unsere Katze mögen? Können wir uns mit ihr auch unterhalten? Ist sie ein Fan des VfB Stuttgart? Was hält sie von unserer Bundeskanzlerin?

Aber das weißt Du ja alles, liebe Alice. Schließlich warst Du es, die uns von Grund auf verändert hat. Ja, und nun zum Grund unseres heutigen Schreibens: Wir, die wir so vieles aufgegeben haben, um Dir zu gefallen - erinnert sei nur an die Hoffnung, dass die Weiber irgendwann wieder normal werden - brauchen jetzt Deinen feministischen Rat. Wir haben das mit dem Wahlrecht für Frauen eingesehen, genau so wie die Geschichte mit den gleichen Löhnen. Selbst die Frauenquote - "von 5000 Seite-1-Girls seit 1984 einfach auf Null " - haben wir geschluckt. Wir bringen auch seit Jahren den Müll raus, erledigen den Abwasch oder übernehmen zumindest mannhaft die Bedienungshoheit über die Spülmaschine. Aber Deine jüngste Pay-No-Kampagne, die kommt uns doch etwas übertrieben vor.

Wir können Deiner These, wonach das letzte Kapitel in der ruhmreichen Geschichte des Geschlechterkampfes die totale weibliche Steuerbefreiung ist, nämlich nur schwer folgen. Ist es denn wirklich ein brachialer Akt chauvinistischer Gewalt, wenn auch Frauen Steuern zahlen müssen? Dass dahinter ganz und gar patriarchalische Finanzstrukturen stecken sollen, deren einziger politisch korrekter Fluchtpunkt die Schweiz sein kann, scheint uns etwas weit hergeholt. Meinst Du das ernst, dass jetzt alle Frauen dieser Welt dort ihr Geld anlegen sollen? Und was steckt eigentlich hinter dem seltsamen Motto "Mein Konto gehört mir"?

In der Hoffnung, Dich, der Du ja mächtig sauer auf Deine Journalisten-Kollegen bist, nicht allzu sehr aufgeregt zu haben, verbleiben wir mit einer letzten feministischen Frage: Hieß Dein erstes Buch deswegen "Der kleine Unterschied"?

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