JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Kopfweh

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Däniken hätte seine wahre Freude an der Politik. Die "Erinnerungen an die Zukunft" sind noch nie so deutlich zutage getreten wie jetzt. War es wirklich erst zwei Jahre her, dass Gauck Bundespräsident werden wollte und jetzt ist es schon bald wieder so weit. Von wegen Geschichte wiederholt sich nicht. Eben doch. Dass muss einen nicht ängstigen. Selbst wenn Harald Schmidt jetzt fürchten mag, dass aus Bellevue eine Gauck-Behörde wird, und die CSU mit der Vorstellung hadert, die wilde Ehe würde mit Gauck zur ersten Bürgerpflicht. Das muss nicht sein.

Die Tatsache, dass die Einigung der Parteien - "Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück"" - ausgerechnet am Tag vor Rosenmontag erfolgte, stimmt einen da schon nachdenklicher. Dieser Hang, sich zu verkleiden, Masken über dem wahren Gesicht zu tragen, scheint Narren wie Politikern selbst bei der Kandidatensuche für das formal höchste Amt im Staate eigen. "Wolle mer ihn reinlassa?" Hexen und Teufel gehören zum Brauchtum hier wie da. Kein Wunder: Beide Gattungen treten an, die bösen Geister - Maschmeyer, Geerkens und Co - zu vertreiben und nehmen dabei manch kostümbedingte Verrenkungen in Kauf. Seit Rosenmontag lautet das Motto des FDP-Vorsitzenden: Immer nur lächeln, immer vergnügt. Der Verdacht, hochwichtige Treffen in Berlin glichen zuweilen fröhlichen Kappensitzungen, ist allerdings auch mit dem historischen All-Parteienbündnis vom vergangenen Sonntag längst noch nicht ausgeräumt. Man denke nur an Schuld und Sühne - oder gleich an unsere Bundeskanzlerin.

Das Bad in der Menge lieben Narren wie Politiker und auch die Sache mit dem Teufel und dem Belzebub ist beiden nicht fremd. Ganz zu schweigen von der Büttenrede, die Fasnetsbuzzeler und Politiker gleichermaßen praktizieren, nur vielleicht mit dem winzigen Unterschied, dass die einen reimen und die anderen sich etwas zusammenreimen. Im übrigen hat die Politik schon immer von der Fasnet gelernt. Der Ausmarsch des alten Bundespräsidenten wird kaum weniger fidel inszeniert wie der des Faschingsprinzen und die Begleitmusik intoniert mit ähnlich lustiger Bombastik. Merke: Beim Munkeln ist gut schunkeln - oder war es umgekehrt? Ja, auch Politiker glänzen mit Umzügen - mit dem von Gauck ins Schloss Bellevue und dem von Wulf ins Eigenheim nach Großburgwedel - die eine wahre Pracht sind. Und der Jubel brandet hier wie dort gleichermaßen fröhlich auf.

Wenn aber unbarmherzig der politische Aschermittwoch selbst in Berlin aufschlägt, ist Vorsicht geboten. Dann streuen Politiker auch schon mal Asche aufs Haupt des Super-Präsidenten. Vor allem dann, wenn sie merken, dass der womöglich einen eigenen Kopf hat.

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