JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Klima brutal

|

Die Klima-Katastrophe ist da. Mitten unter uns wütet sie und lässt sogar die Hohenstaufenstadt nicht aus ihren Fängen. "Wir wollen die Eisbären sehen" grölt es trotzig aus den einschlägigen Partylokalen. Doch mit den Bären ist genau so wenig zu spaßen wie mit den Minusgraden. Die Eiszeit hat uns kalt erwischt. Während wir diese Zeilen schreiben, kriecht uns die Kälte die Hosenbeine hoch und wir wissen nicht, ob wir diese Kolumne jemals zu Ende bringen werden. Bevor die Welt unter geht, sind Heerscharen von Kollegen unterwegs, um den Menschen draußen im Gletscher-Eis das wahre Ausmaß der Katastrophe zu vereiszapfen. Im Angesicht der Apokalypse ist nichts mehr wichtig - außer das nackte Überleben.

Der Kälteschock ließ sogar die Endlos-Schleifen in den Medien zu Eis erstarren. Selbst das Murmeltier grüßt nicht mehr ewig. Tief Cooper hat es geschafft, Schlagzeilen wie "Bundespräsident unter Druck" oder "Keine Lösung der Euro-Krise" zu verbannen. Ja, nicht einmal Überschriften wie "Griechenland braucht weitere Milliarden" oder "Gottschalk im Quotentief" schaffen es mehr in die Lesemappen.

Nein, jetzt ist Schluss mit lustig. Die Kältepanik lässt sich kaum mehr aufhalten. Hunderte Obdachlose sind auf der Flucht - vor den Tausenden und Abertausenden von Lokal-Journalisten, die noch keine Kälte-Reportage geschrieben haben. Meteorologen können kaum mehr ihrer Arbeit nachgehen, weil sie ständig zu irgendwelchen Not-Einsätzen in Talkshows gerufen werden. In den Studios ist es so kalt geworden, dass sogar Politikern das Lächeln gefriert. Unlängst wäre ein Radio-Reporter bei dem Versuch, das Knacken eines zugefrorenen Flusses aufzunehmen, fast ertrunken. Die Betroffenheits-Gagen für Menschen, die in der Kälte leben, steigen ins Unermessliche.

Dutzende von Reportern, die auf Rollen-Recherche unter Brücken übernachtet hatten, mussten mit Erfrierungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auf der Jagd nach authentischen Kältebildern haben Sendewagen der TV-Anstalten unlängst einen Briefträger umstellt. Die vielen Kameras und Mikrophone brachten den armen Mann derart zum Frösteln, dass er den Rest des Tages in einer von der Bild-Zeitung gestifteten Kälteschock-Kammer verbringen musste. Zutritt erhielt er erst, nachdem er alle Rechte an seiner Sibirien-Story abgetreten hatte. Ähnlich erging es Zeitungsausträgern, Fahrradkurieren und Zwangs-Joggern.

Auch die soziale Kälte hat einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Erst gestern wurde ein Wissenschaftler wegen des wiederholten öffentlichen Leugnens der Klima-Katastrophe brutal aus der Stadt gejagt. Was er gesagt hat? Es ist halt Winter.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Den Weihnachtsbaum auf dem Auto richtig sichern

Viele Menschen bringen ihren Weihnachtsbaum mit dem Auto nach Hause. Auch bei kurzen Wegen kommt es auf die richtige Sicherung an, mahnt die Polizei. weiter lesen