JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Holleri du dödl di

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Manchmal dauert es länger, bis originelle Ideen auch die sympathische Stadt am Fuße des Hohenstaufens erreichen. Vor immerhin 36 Jahren hatte Vicco von Bülow selig mit seiner Jodelschule - "Holleri du dödl di, diri, diri dudl dö" - Furore gemacht und erst jetzt hat man auch in Göppingen erkannt, wie wohltuend das für die Gesundheit ist. "Jodeln für jedermann im Christophsbad", hieß es in der Klinik-Kapelle, von wo eine weithin bekannte Solo-Jodlerin ihre Stimme "in geschwungenen Kaskaden" über das Filstal hallen ließ. Leider konnten wir den Workshop nicht besuchen, weswegen wir unsere Phantasie mit uns durchgehen lassen müssen.

Wir vermuten, dass es sich um eine Veranstaltung eben jenes "Instituts für modernes Jodeln" handelte, an dem einst schon Loriot die einschlägige Kehlkopfakrobatik lehrte. Wir wollen mal hoffen, dass sich die Kursleitern dabei nicht - wie einst Frau Hoppenstedt - als gemeine "Jodelschnepfe" beschimpfen lassen musste. Schon weil Jodeln tatsächlich ein Stück deutscher Kultur ist. Jodelkurse haben in München und Umgebung Hochkonjunktur, wo das Singen von Silbenfolgen wie "Holaria" oder "Holadio" sogar in der Staatskanzlei oder bei CSU-Versammlungen in Wildbad Kreuth beliebt ist. Vielleicht, weil es auch beim Jodeln auf die Stimme ankommt. Sogar politische, pardon afrikanische Pygmäen sollen sich auf das Jodeln verstehen. Insofern bewegt sich die Solojodlerin im Christophsbad auf der Höhe der Zeit, wenn sie den Menschen das richtige "Schnackeln" beibringt, was mit dem merkwürdigen Paarungsverhalten geschlechtsreifer Großstädter überhaupt nichts zu tun hat, sondern den hörbaren Übergang von der Brust- zur Kopfstimme beschreibt. Ein herzhaftes "Holareiduljö" gilt als absoluter Höhepunkt des "Schnackelns" und natürlich als richtige Antwort auf die gerade bei uns fröhlichen Kampf-Jodlern beliebt Frage "Wie schallts von der Höh?".

Wir gehen mal davon aus, dass auch beim Jedermanns-Jodeln im Christophsbad mindestens ein "Jodeldiplom" als Abschluss gewunken hat, was ja die eigentliche Attraktivität solcher Kurs ausmacht. Natürlich nur, wenn man nicht den gleichen Fehler wie Frau Hoppenstedt begeht, die auf einschlägiges Nachfragen nur ein einfaches "Dö dudl dö" herausbrachte, was ihr Lehrer zurecht als "Zweites Futur bei Sonnenaufgang" missbilligte.

Wir jedenfalls schlagen das Göppinger Jodeldiplom hiermit als touristische Antwort auf profane Gartenschauen in der weitläufigen Umgebung vor. Wie sagte noch Frau Hoppenstedt? "Da hab ich das Gefühl, dass ich auf eigenen Füßen steh, da hab ich was Eigenes." Wie das gehen soll? Ganz einfach: "Holleri du dödl di, diri, diri dudl dö."

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