JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Bonjour Tristesse

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Wir, die wir immer noch die Hoffnung hegen, dass die Weiber nach Jahren des aufreibenden Geschlechterkampfes irgendwann wieder normal werden, müssen nach dem jüngsten Frauentag leider feststellen: Die Chancen dafür stehen nicht zum besten. Ihr Marsch durch die Institutionen scheint nicht mehr aufzuhalten. Dabei ist es nicht einmal Bundes-Angela, die dafür sorgt, dass wir uns endgültig aus dem Paradies vertrieben fühlen. Wieder heißt die Dame Eva, die in den von irgendwelchen gemeinen Schlangen aufs wärmste empfohlenen Apfel beißt und uns damit in die Niederungen der rauen Männer-Wirklichkeit katapultiert.

"Ich bin die Letzte" verkündete "Eva aus Polen" uns gestern mit zwei durchaus gewichtigen Argumenten auf der Titelseite des bisher ungeschlagenen Zentralorgans aller überlebenden Machos in Deutschland. Die klammheimliche Freude über die vermeintlich frauenfeindliche Schlagzeile währt nur ultrakurz. "Bild schafft Seite-1-Girl ab" verkündet uns das Blatt seinen unaufhaltbaren Einstieg in den Verhüllungs-Journalismus.

Nicht, dass wir diese Fotos, die Frauen auf reine Sex-Objekte herabwürdigen, jemals angesehen hätten - Alice Schwarzer bewahre - aber es ist ein Einschnitt in die freie Bild-Dir-Deine-Meinungsäußerung, den wir uns bis gestern nicht vorstellen konnten. Die Wirkung im Ausland war entsprechend: Berlusconi und Strauss-Kahn sollen in Tränen ausgebrochen sein. Alle Bunga-Bunga-Partys wurden abgesagt. Auch wir haben unseren Button "Chauvi, na und?" verlegen weggesteckt, um uns ganz der Trauer hinzugeben. Das mit dem Wahlrecht haben wir ja irgendwo noch eingesehen, genau so wie die Geschichte mit den gleichen Löhnen. Selbst die Frauenquote - "5000 Seite-1-Girls seit 1984" - waren wir bereit zu schlucken. Wir bringen auch seit Jahren den Müll raus. Aber das ist ein Eingriff in die Pressefreiheit. Uns würde nicht wundern, wenn die Kollegen von Stern und Spiegel umgehend den Presserat einschalten. Hat womöglich auch Wulffs Frau Bettina - quasi als Wut-Vuvuzela der Frauenbewegung - auf die Mailbox des Bild-Zeitungs-Chefredakteurs getrötet und so für den großen Zapfenstreich für die Seite-1-Girls gesorgt?

Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Männer - gerade Boulevardzeitungs-Redakteure - offenbar vor nichts zurückschrecken, wenn es gilt, sich an wehrlose Frauen heran zu schmeißen. Ihren Kolleginnen hatten sie am Weltfrauentag frei gegeben, um sich dann schamlos einschmeicheln zu können.

Nur die Mitglieder der Stuttgart- Redaktion hatten den Mut, sich als richtige Männer zu outen: "Schon am Morgen standen wir da wie die letzten Deppen. Keiner wusste, wie die Kaffee-Maschine funktioniert."

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