Jeder Gedanke wird zu Musik

Der Akkordeonist Matthias Matzke aus Gingen ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe. Der 21-Jährige studiert am Hohner-Konservatorium Trossingen. Und er arbeitet an seiner zweiten CD.

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Ein Leben ohne Musik ist für den Akkordeonisten Matthias Matzke unvorstellbar. Der erfolgreiche 21-Jährige ist am 10. Mai in seiner Heimatgemeinde Gingen zu erleben.

Gibt es unter den vielen Preisen, die Sie bereits erhalten haben, einen, der Ihnen besonders viel bedeutet?

Matthias Matzke: 2011 habe ich in Shanghai den Coupe Mondiale des Accordéonistes in meiner Kategorie gewonnen, also die inoffizielle Weltmeisterschaft. Dass ich mich auf dieser Ebene gegen so viele internationale Top-Akkordeonisten durchsetzen konnte, war eine enorme Bestätigung für mich, dass ich auf einem guten Weg bin. Das hat mich stark dazu motiviert, diesen Weg weiterzugehen.

Welche Lehrer haben Sie dahin gebracht, wo Sie jetzt stehen?

Matzke: Den Grundstock für meine Karriere habe ich Anatoli Lick aus Göppingen zu verdanken. Bei ihm konnte ich mich sehr breitgefächert entwickeln und mich an viele Musikstile annähern - diese Vielseitigkeit ist nach wie vor das, was mich an meinem Instrument in seinen Bann zieht. Mein nächster Lehrer, der mich bis heute unterrichtet, wurde Hans-Günther Kölz am Hohner-Konservatorium. Auch er besticht durch seine Vielseitigkeit und fundiertes Wissen über Musik aus vielen Genres. Über Meisterkurse bei Frédéric Deschamps in Frankreich konnte ich meine Akkordeontechnik weiter ausbauen und lernte die Auswirkungen aller Körperbewegungen auf das Akkordeonspiel kennen. Unmittelbaren Einfluss auf meine Musik hat seit meinem neunten Lebensjahr auch der Klavierunterricht, zu allererst bei Anna Tichy, bei der ich auf liebevolle Weise viel über die Interpretation von klassischer Musik beigebracht bekam. Später nahm ich zusätzlich Unterricht in Improvisation und Jazz Klavier bei Alexander Erhardt, dann bei Martin Rosengarten. Meine aktuelle Dozentin für Klavier ist Iva Navratova. Auch wenn das Klavier am Konservatorium nur ein Nebenfach für mich ist, spüre ich, wie viel ich durch ihre Sichtweisen auf Musik auch am Akkordeon profitiere. Als Künstler kann man von so vielen Menschen lernen, auch meinen Dozenten für Orchesterleitung am Konservatorium, den Dirigenten Alexander Drcar, möchte ich als Person, die meine Musik und meine Auffassung von Musik prägt, erwähnen.

Nach dem Abitur haben Sie am Hohner-Konservatorium angefangen zu studieren. Heißt das, dass Sie sich für eine berufliche Zukunft mit Musik entschieden haben?

Matzke: Für eine Zukunft mit Musik definitiv. Ob ich nach meinem Studium wirklich davon leben kann und möchte, wird sich noch zeigen. Vielleicht perfektioniere ich gerade auch nur mein Hobby. Ein Leben ohne Musizieren ist für mich auf jeden Fall unvorstellbar. Die Zeit, die ich gerade in mein Studium investiere, ist also auf keinen Fall verschwendet.

Können Sie sich vorstellen, selbst einmal zu lehren oder tun Sie es schon?

Matzke: Einige erwachsene Akkordeonisten kommen zu mir, um sich auf dem Digitalakkordeon fortzubilden. Dieses Instrument ist noch nicht sehr verbreitet und es gibt wenige Musiker, die es beherrschen und lehren. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß, auch wenn ich die Zeit, in der ich unterrichte und den Unterricht vorbereite, jedes Mal von meiner eigentlichen Übezeit abzwacken muss. Ich hoffe, in Zukunft so viel wie möglich selbst spielen zu können. Wenn es Schüler gibt, die aber ernsthaft etwas lernen wollen und begeisterungsfähig für Musik sind, dann finde ich auch die Pädagogik sehr erfüllend und reizvoll.

Sie beherrschen auf Ihrem Instrument alle Musikrichtungen. Welche bevorzugen Sie?

Matzke: Auf der Bühne spiele ich gerne virtuose Unterhaltungsmusik, da ist der Draht zum Publikum sehr direkt und ich kann meine eigene Show machen. Für mich selbst beschäftige ich mich sehr gerne mit Klassik und moderner Musik; auch mit "schräger" Literatur, die man nicht sofort versteht und die nicht jedem gleich gefällt. Daran finde ich besonders interessant, hinter das zu kommen, was in der Musik steckt und es auch dem Publikum nahe zu bringen. Am Jazz liebe ich die Spontanität und die wortlose Kommunikation mit anderen Musikern; daran möchte ich noch mehr arbeiten. Letzten Endes ist Musik immer eine Form von Kommunikation. Der Komponist oder der Musiker vermitteln Gedanken und Gefühle an den Zuhörer. Über welche Musikrichtung das geschieht, ist mir ziemlich egal - ich habe wirklich keine Lieblingsstilistik und höre für mich auch alles von Metal bis zu Klassik.

Sie haben eine hoch gelobte CD herausgebracht, treten quasi weltweit auf und haben sich etliche Preise erspielt - müssen Sie neben dem Studium noch jobben oder sind Sie womöglich als Akkordeonist bereits finanziell unabhängig?

Matzke: Finanziell unabhängig möchte ich es nicht nennen. Mein Einkommen reicht, um die Ausgaben, die ich als Student habe, zu decken; eine Familie oder eine größere Wohnung könnte ich aber noch nicht unterhalten. Was über die Musik reinkommt, fließt meistens auch wieder in die Musik: Ich habe eine eigene Verstärkeranlage, spare auf neues Equipment, und plane gerade meine nächste Studioproduktion. Außerdem sehen die wenigsten die ganzen Nebenjobs, die mit dem Musiker-Sein für mich einhergehen: Management, Mails beantworten und Autofahren nehmen Stunden jede Woche in Anspruch, in denen andere Musikstudenten üben können oder frei haben. . .

Was wollen Sie noch erreichen? Was sind Ihre Ziele als Akkordeonist?

Matzke: Ich habe auf den Tasten eine hohe Trefferquote, bin aber kein Perfektionist. Daran möchte ich noch feilen. Außerdem möchte ich spontaner werden, einfach mein Instrument auspacken können und spielen, egal was und mit wem. Es ist ein Traum, zwischen Herz, Geist und Instrument so eine Verbindung hergestellt zu haben, dass jeder Moment und jeder Gedanke zu Musik wird. Diese Musik möchte ich weitergeben, möchte meinem Publikum die Freude, die das Akkordeon mir beschert, erfahrbar machen; auf welchem Format wird sich noch zeigen, da bin ich sehr flexibel und offen für jedes Türchen, das mir offen steht.

Wann und wo kann man Sie in nächster Zeit live erleben?

Eines meiner großen Projekte dieses Jahr wird am 10. Mai in meiner Heimatgemeinde Gingen auf die Bühne kommen. In der Hohensteinhalle spiele ich ein Solokonzert und habe meinen Bruder am Schlagzeug und eine Sängerin als Special-Guests eingeladen. Neben Klassik, konzertanter Akkordeonliteratur und U-Musik werden an diesem Abend auch eigene Songs zwischen Pop und Poesie sowie einige Coversongs von Filmmusik bis Metal zu hören sein.

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