Jede Menge Katastrophen

Der "Kultur-Winter" in Erpfenhausen zeigt sich diese Woche von seiner vielfältigen Seite: Musik und Tanz, Kabarett und a cappella. Am Dienstag strapazierte Otmar Traber die Lachmuskeln des Publikums.

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Otmar Traber ist ein Kabarettist der schwäbisch-gemütlichen Art - kein verbales Trommelfeuer, dem man kaum folgen kann. Dafür scharfsinnige Beobachtungen, mit denen der Alt-68er im roten Che-Guevara-T-Shirt sein Markenzeichen - den verbundenen Stinkefinger - mitten in Wunden und Skandale legt. Und darin wühlt, bis sich wirklich jeder bewusst wird, wie schnell "Seuchen, Katastrophen und Bunga Bunga" vergessen werden, aufgeputscht durch Tagesschau und Medien. Doch aus dem Bildschirm, aus dem Sinn.

Deshalb ist das neue Programm "Jahresendabrechnung", mit dem Otmar Traber momentan unterwegs ist, nur auf sieben Wochen angelegt und so aktuell, dass er "kurz vor Beginn seines Auftritts am Dienstag im Kulturhof Erpfenhausen noch nachgeschaut und festgestellt hat: Ja, Wulff ist noch im Amt".

Der scharfzüngige Marbacher ist nicht allein in der süddeutschen Region unterwegs. Seinen Jahresrückblick der besonderen Art präsentiert er mithilfe - wie er es ausdrückt - "zweier Alpha-Tiere mit Rampensau-Qualität". Das sind Gitarrist Jörn Baehr und Trompeter Gerhardt Mornhinweg, die mit ihrem "Wohlfühl-Jazz" dem Zwerchfell nach den kabarettistischen Angriffen immer wieder eine Auszeit gönnen. Für Jazzfans ein Genuss. Traber-Fans ohne Faible für diese Musikrichtung hätten jedoch auf diese "unnötigen Pausen", wie es ein Zuschauer ausdrückte, gerne verzichtet und am liebsten zwei Stunden lang durchgelacht.

Traber verteilte seine Seitenhiebe unter berühmt-berüchtigten Prominenten des vergangenen Jahres wie Karl-Theodor zu Guttenberg, den "testosteron-attackierten" Dominique Strauss-Kahn oder Bunga-Bunga-Berlusconi, er erinnerte an Fukushima, Ehec und dioxinverseuchte Eier und geißelte den schwäbischen Wutbürger mitsamt der gesamtdeutschen Geiz-ist-geil-Mentalität.

Mit seinen Wahrheiten, die der Kabarettist treffsicher auf den Punkt brachte, kritisierte er gekonnt Gesellschaft und Politik, ohne jedoch verletzend zynisch oder gemein zu werden. In fast allem konnte ihm sein Publikum nickend, grinsend, lachend - aber auch sich selbst hinterfragend - zustimmen. Laute, nicht sonderlich ernst gemeinte Buhrufe, die mit glucksendem Lachen gewürzt waren, erntete sein klares Bekenntnis gegen den Frauenfußball. Witze übers Alter - sein eigenes und das des großteils etwa gleichaltrigen Publikums, das den ausverkauften Kulturhof mal wieder regelrecht gestürmt hatte - gehörten zu den running gags des Abends.

Nach kurzweiligen zweieinhalb Stunden inklusiv Pause verabschiedeten sich Traber, Baehr und Mornhinweg unter viel Beifall von ihrem Publikum.

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