INTERVIEW: Wo Putin zum Panther wird

Der holländische Musikkabarettist Hans Liberg macht auf seiner Tour am Samstag, 9. April, in Uhingen Station. Im Interview verrät der Emmy-Preisträger, warum deutsche Besucher anders reagieren als Belgier.

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"Die Schweiz ist das größte Land Europas, sie haben nur vergessen, es zu bügeln." Für seine eigene Schweiz-Nummer lernte der Kabarettist schon mal Alphornspielen. Richtig virtuos aber ist der studierte Musiker am Klavier.  Foto: 

Ihr Markenzeichen ist das ständige Wechseln zwischen kurz angespielten musikalischen Themen. Haben sich Besucher schon beschwert, dass das viel zu schnell geht?

HANS LIBERG: Nein, Sie sind der erste . . . Das Tempo ist schon hoch, aber das passt zu meinem Charakter. Und würde ich die Stücke ausspielen, wäre es ja ein Konzert.

Wann haben Sie denn entdeckt, dass Sie Menschen zum Lachen bringen können?

LIBERG: Das hat schon in der Schule angefangen. Und wenn ich später Konzerte gab, fand ich die Reaktion der Leute, wenn ich Musik im falschen Kontext spielte, interessanter als die Wirkung der Musik selber. Und das habe ich mit der Zeit immer mehr ausgebaut.

Deutsch ist nicht Ihre Muttersprache. Ist es schwierig, da Pointen zu finden, die zünden?

LIBERG: Ja, das kostet Zeit. Meine Großmutter war Deutsche, ich hab also die Sprache viel gehört. Aber ich hab auch schon falsche Wortwitze gemacht. In einer Nummer stand ein Gemälde auf einem "Eselchen", da hat niemand gelacht. Im Deutschen heißt das nicht Eselchen, sondern Staffelei. Ebenso wie es nicht "Magd Maria", sondern "Jungfrau Maria" heißt. Das hab ich ein halbes Jahr gemacht, ohne dass jemand gelacht hat. Irgendwann hat mich dann jemand korrigiert.

Sie spielen ja auch in England und Belgien. Gibt es denn Unterschiede bei den Publikumsreaktionen?

LIBERG: Die Deutschen reagieren sehr heftig, weil die Musik für sie so wichtig ist. Und sie lieben es sehr, wenn man so Erhabenes wie klassische Musik herunterholt. Das belgische Publikum dagegen ist da viel ruhiger.

Gibt es Pointen mit eingebauter Lachgarantie?

LIBERG: Ja, wenn bestimmte Politiker ins Spiel kommen und man ihnen musikalische Themen zuordnet, zum Beispiel Angela Merkel (singt eine Melodie). Und dann kommt da Putin als Rosaroter Panther (singt das Mancini-Thema) - da wird immer gelacht.

Sie ziehen ja oft verblüffende Parallelen zwischen Klassik und Pop. Kommen Ihnen die Ideen beim Schreiben oder im Alltag?

LIBERG: Meistens im Alltag. Vor wenigen Wochen habe ich die Fünfte Sinfonie von Bruckner gehört, und da merkte ich, dass sich ein Motiv anhört wie eine Melodie, die in den Fußballstadien gesungen wird.

In Ihrem neuen Programm spielen Sie auch Alphorn. Wo übt man so was? Haben Sie bei sich zuhause ein Alphorn stehen?

LIBERG: Die wachsen bei uns im Wald . . . Nein, unterwegs in Freiburg hab ich eine Alphorn-Werkstatt gesehen. Und da sagte ich mir: So ein Ding wolltest du doch immer schon haben. Und dann hab ich mir eins gekauft und geguckt, was man damit alles machen kann.

Und - was kann man damit alles machen?

LIBERG: Zum Beispiel eine Nummer über die Schweiz, die keine Flüchtlinge akzeptiert. Dabei ist die Schweiz das größte Land Europas, sie haben nur vergessen, es zu bügeln. Ja, wegen des Instruments entstand so eine ganze Nummer. Und man kann das Alphorn umdrehen und das Publikum darauf spielen lassen, das ist auch lustig.

Und wo steht das Ding jetzt?

LIBERG: Das ist jetzt im LKW - auf Tour.

Und sonst?

LIBERG: Ich hab ein Musikzimmer, und da stehen alle meine Instrumente.

Und da hat selbst ein vier Meter langes Ding wie das Alphorn Platz?

LIBERG: Das kann man ja auseinander schrauben.

Sie haben nicht nur Klavier- und Alphornspielen gelernt. Können Sie in etwa sagen, wie viele Instrumente Sie spielen?

LIBERG: Spielen und klingen lassen sind unterschiedliche Dinge. Ich kann auf der Trompete Miles Davis so nachspielen, dass Sie denken, dass ich das kann - aber ich kann das vielleicht 23 Sekunden lang . . .

Das ist auch eine Kunst . . .

LIBERG: Ich denke, ich komme in die Nähe von hundert Instrumenten, die ich benutzen kann. Da sind dann zum Beispiel Gitarre, Balalaika und Mandoline dabei, alle aus derselben Familie.

In einem Satz: Warum lohnt es sich, Ihr Programm zu besuchen?

LIBERG: Weil man bei mir Musik und Humor zusammen erleben kann, es gibt viel Kultur, man kann etwas lernen und dazu lachen - da gibt es nur wenige, die das zu bieten haben. Es ist das, was man bei Eckhart von Hirschhausen hat, wenn man Arzt ist, nur eben mit Musik.

Zur Person 

Hans Liberg wurde am 18. April 1954 in Amsterdam geboren. Seit 1980 ist er Kabarettist. 1997 gewann er einen Emmy-Award, ein Jahr später präsentierte er die gleichnamige Gala anstelle von Sir Peter Ustinov. Er erhielt zahlreiche Preise und wurde 2008 mit dem "Orden vom Niederländischen Löwen" ausgezeichnet.

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