Interview: Elyas M'Barek über "Fack ju Göhte"

In der Reihe NWZ-Charakterköpfe spricht der Schauspieler Elyas M'Barek über seine aktuellen Kinofilme, Fastfood, Bodenhaftung und Karriere.

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Herr M'Barek, ist der "Göthe" eine Art Fortsetzung von "Türkisch für Anfänger"?

ELYAS M'BAREK: Nein, die Fortsetzung von "TFA" kommt erst noch (lacht). Da Bora Dagtekin auch hier als Autor und Regisseur verantwortlich war, trägt der Film natürlich unverkennbar seine Handschrift, von den schnellen Dialogen über die Pointiertheit der Szenen bis zur Art des Humors. Dennoch ist "Fack Ju Göhte" eine ganz neue Marke.

Wie gut kennen Sie die alten Paukerfilme der frühen 70er Jahre?

M'BAREK: Ich bin ein absoluter Fan von "Pepe, der Paukerschreck" und Co. In meiner Kindheit habe ich mir die Wiederholungen im Fernsehen begeistert angesehen und kenne die ganze Serie von damals. Umso mehr hat es mich gefreut, das bei uns auch Uschi Glas mitspielt, die ja die unbestrittene Königin des Paukerfilms gewesen ist.

Wie sieht es mit Ihren eigenen Streichen an der Schule aus?

M'BAREK: Streiche habe ich nie gespielt, das fand ich immer ein bisschen zu doof - dafür waren meine Kumpels und ich auch viel zu cool (lacht).

Waren Sie eher der Streber oder der Klassenkasper?

M'BAREK: Ich war im Laufe meiner Schulkarriere wohl alles, sogar einmal für kurze Zeit der Klassensprecher. Ich bin relativ gut gestartet, dann bin ich eher schlecht geworden, weil ich überhaupt keine Lust auf Lernen hatte. Es folgten mehrere Schulwechsel und am Schluss habe ich schließlich als Klassenbester abgeschlossen.

Auf Facebook haben Sie 375.000 Fans und schreiben fleißig Neuigkeiten - ist Ihr Fanblock mehr männlich oder eher weiblich?

M'BAREK: Momentan habe ich auf meiner Facebook-Seite viele "Like"-Klicks von weiblichen Fans, was die anderen wohl etwas abschreckt: Von dem, was Mädchen mögen, wenden sich Jungs ja meistens eher ab. Aber das könnte sich bald ändern, weil "Fack Ju Göhte" ein Film ist, den auch Jungs definitiv cool finden können.

Zum Coolness-Faktor zählt der freie Oberkörper mit Sixpack - wie viel Training steckt darin?

M'BAREK: Ich habe schon immer viel Sport gemacht, allerdings waren für diesen Film einige Extraportionen Einsatz notwendig: Ein halbes Jahr lang strenge Diät, dazu fünf Mal in der Woche Übungen mit einem persönlichen Trainer.

Herr Müller hat eine geringe Frustrationstoleranz und dreht schnell durch. Was bringt Sie auf die Palme?

M'BAREK: Ich bin ein temperamentvoller Mensch, wie es bei Südländern eben so ist: Man geht schnell an die Decke und kommt ebenso schnell wieder herunter. Von den Wutausbrüchen von Zeki Müller ist das allerdings meilenweit entfernt. Nur beim Autofahren verhält es sich etwas anders: Da kann ich ziemlich laut sein und zur kleinen Bestie werden (lacht).

Ist gutes Aussehen vorteilhaft für die Karriere oder bisweilen schädlich?

M'BAREK: Hinderlich ist es nicht, aber wohl kaum ausschlaggebend. Natürlich spielen gerade in diesem Beruf auch Äußerlichkeiten eine Rolle, Gesicht und Körper gehören schließlich zum Instrumentarium von Schauspielern. Aber es gibt bekanntlich dicke und dünne, hübsche und weniger hübsche Schauspieler. Entscheidend ist vor allem die Glaubwürdigkeit.

Wie glaubwürdig bleibt man, wenn man für Fastfood Werbung macht?

M'BAREK: Ich würde nicht für jedes Produkt Werbung machen, aber hinter dieser Kampagne kann ich absolut stehen. Ich bin kein großer Fastfood-Fan, aber bisweilen esse ich durchaus gerne einen Hamburger. Warum sollte ich also gerade da nun den Moralapostel spielen?

Gibt es einen Karriereplan bei Ihnen?

M'BAREK: Nein, Karriere kann man nicht planen, dabei spielen so viele Faktoren mit, die man überhaupt nicht beeinflussen kann. Man kann immer nur sein Bestes geben, was daraus entsteht, weiß man vorher nie. Es freut mich allerdings, dass ich Angebote für ziemlich unterschiedliche Rollen bekomme und nicht in die immer gleiche Schublade gesteckt werde.

Sie geben gern den knuffigen Kumpel, würde Sie nicht der grantige Kotzbrocken reizen?

M'BAREK: Der Kotzbrocken wäre mein Traum! Ich habe zwar in der Vergangenheit bereits ein paar böse Buben gespielt, aber wer weiß, vielleicht kommt ja noch die Rolle des absoluten Fieslings, ich wäre auf alle Fälle dabei!

Wie erleben Sie die Prominenz im Alltag? Können Sie problemlos durch die Münchner Fußgängerzone laufen?

M'BAREK: Das ist absolut kein Problem. Wenn manchmal jemand kommt und ein Foto haben möchte, erfüllt man solche kleine Bitten gern. Durch die Bekanntheit büßt man immer einen gewissen Teil der Privatsphäre ein, umgekehrt bekommt man dadurch Möglichkeiten, die man sonst nicht hätte. Beschweren darf sich da wohl keiner in unserem Beruf.

Haben Sie Angst vor dem Karriere-Knick?

M'BAREK: Nein, denn damit rechne ich ja schon immer jeden Tag. Wenn eine Karriere, wie bei mir, in ganz kleinen Schritten und nicht über Nacht erfolgt, dann ist diese Gefahr ohnehin nicht besonders groß. Da ist man vorbereitet auf Zeiten, in denen es vielleicht dann nicht mehr so gut läuft. Ein Auf und Ab gehört für Schauspieler ohnehin zum Beruf.

"Türkisch für Anfänger" hatte 2,4 Millionen Zuschauer, "What a Man" lockte 1,8 Millionen Besucher und "Fack Ju Göhte" schon über sechs Millionen in die Kinos, wie groß ist die Gefahr, abzuheben?

M'BAREK: Ich bin kein Typ, der abhebt. Ich hatte schon als Kind ziemlich viel Bodenhaftung. Mein Freundeskreis besteht schon sehr lange und da waren meine Filme nie ein Thema. Meine Freunde finden meinen Job eigentlich ziemlich unwichtig - und das ist gut so.

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