Interview: Der Ex-Insolvenzverwalter über Märklins Weg aus der Krise

Nach der Übernahme durch Simba-Dickie ist Märklin am Ziel. Der ehemalige Insolvenzverwalter Michael Pluta schildert den Weg aus der Krise.

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Herr Pluta, haben Sie die geglückte Übernahme gefeiert?

MICHAEL PLUTA: Ich hatte am Donnerstag wenig Zeit zu feiern. Ich bin erst um 20 Uhr aus Fürth zurück nach Ulm gekommen und bin dann mit meinem Sohn noch zum Italiener gegangen.

Vier Jahre haben Sie um das Überleben von Märklin gekämpft. Was war am wichtigsten?

PLUTA: Wir mussten zunächst einmal allen zeigen, dass Märklin eine Perspektive hat, dass eine Sanierung funktionieren kann.

Warum war das so schwierig?

PLUTA: Märklin hatte sich selber aufgegeben. Die Kunden sterben aus und die Kinder spielen nicht mit Märklin, das war die vorherrschende Meinung.

Was war daran falsch?

PLUTA: Solange Eisenbahnen fahren, gibt es sie auch als Spielzeug. Ich muss die Menschen nur dafür begeistern. Da hat damals einfach das Marketing versagt.

Und die Kunden sterben aus . . .

PLUTA: Im Gegenteil: Die Lebenserwartung steigt, die Kunden werden älter; kaufen länger Märklin. Dass Kunden aussterben, akzeptiere ich nur bei Zigarettenherstellern.

Was lief bei Märklin schief?

PLUTA: Bei Märklin hatte sich eine regelrechte Verteilmentalität für den Handel entwickelt wie in einer Planwirtschaft. Der eine Kunde bekommt drei Loks, der andere zwei. Es galt, die Märklianer davon zu überzeugen, in Kinder zu investieren. Kinder interessiert nicht, ob das Spielzeug detailgetreu ist: Man muss damit spielen können. Doch die Kinder konnten nicht mit Märklin spielen, weil es kein Produkt für Kinder gab. Außerdem hat Märklin nur den Markt in Mitteleuropa bedient. Export wurde vernachlässigt.

Was war Ihr Ziel?

PLUTA: Wir mussten beweisen: Es gibt keinen schrumpfenden Markt für Modelleisenbahnen und man kann damit Geld verdienen.

Dazu waren Entlassungen nötig?

PLUTA: Ja, das war menschlich schwierig zu sagen, das Boot trägt nicht alle. Betriebswirtschaftlich war es nicht zu vermeiden.

Märklin schaffte ohne Investor den Weg aus der Insolvenz . . .

PLUTA: Das rechne ich den Gläubigern und insbesondere den Gläubigerbanken hoch an, dass sie diesen Weg mitgetragen haben. So konnten wir beweisen, dass man mit Märklin Geld verdienen kann.

Warum gestaltete sich die Suche nach einem Investor so schwierig?

PLUTA: Wir wollten von Anfang einen strategischen Investor aus der Branche, der das Knowhow und das Geld hat, Märklin nach vorn zu bringen. Doch so einer ist schwer zu finden. Deswegen haben wir uns so intensiv um Simba Dickie bemüht.

Ist Simba-Dickie-Chef Michael Sieber der "Unternehmer mit Herzblut", den Sie lange gesucht haben?

PLUTA: Ja natürlich. Der Mann versteht sein Geschäft und sein Unternehmen hat eine tolle Ausstrahlung. Sieber ist die Idealbesetzung.

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