Interview: Bürgermeisterin stellt Pläne für Montemaris vor

Am Donnerstag soll im Adelberger Gemeinderat über die Zukunft des ehemaligen Erlebnisbads Montemaris entschieden werden. Bürgermeisterin Carmen Marquardt sieht die Pläne für das Gelände als Chance für Adelberg.

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"Die Firma ,sab kommt nicht nach Adelberg", sagt Bürgermeisterin Carmen Marquardt. Foto: Staufenpress

Frau Marquardt, in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag sollen die Eckpunkte des Vertrags zum Montemaris und dem Campingplatz vorgestellt und darüber entschieden werden. Wie sieht nun das Konzept der Investoren aus?

CARMEN MARQUARDT: Das Konzept der Investoren, mit denen wir jetzt seit September verhandeln, sieht vor, am Campingplatz mehr als 200 Wohnmobilstandplätze zu errichten sowie kleinere Einheiten von Ferienhäusern, die aber zum Dauerwohnen nicht geeignet sind. Auch ein Biergarten auf dem Campingplatz ist im Gespräch. Im Montemaris soll es in die Richtung Gesundheitstourismus gehen. Die Sauna soll schnellstmöglich wieder eröffnet werden, ein Physiotherapeut soll in einem kleinen Fitnessstudio arbeiten und es soll tageweise ein Allgemeinmediziner dort sein.

Was passiert mit dem ehemaligen Erlebnisbad?

MARQUARDT: Für das Bad selber werden die Investoren um Wolfram Wäscher verschiedene Möglichkeiten vorstellen, die momentan noch geprüft werden. Da brauchen sie aber erst einen rechtssicheren Beschluss, dass wir mit ihnen den Vertrag schließen, damit die Investoren mit ihren Partnern ernsthaftere Gespräche führen können. Es geht aber alles in die Richtung Gesundheitstourismus. Wichtig ist mir, dass dies alles die Attraktivität von Adelberg wieder erhöht. Auch Vereins- und Gemeindeinteressen werden berücksichtigt. Beispielsweise können die Schützengilde und die Unimog-Garage der Gemeinde dort verbleiben.

Wie sieht die Finanzierung aus und wie hoch ist der Kaufpreis?

MARQUARDT: Die Finanzierung ist Sache der Investoren und eine nichtöffentliche Sache, über die ich nicht reden darf. Den Kaufpreis kann ich noch nicht nennen, weil ich hier die Gemeinde schützen will. Denn der Vertrag kommt erst mit der Unterschrift zustande. Wenn vor der Unterzeichnung noch irgendetwas passieren sollte, dann ist jedem in der Öffentlichkeit bekannt, wie hoch der Kaufpreis ist. Nach der Vertragsunterzeichnung wird der Kaufpreis genannt. Wir werden auf jeden Fall nichts verschenken. Wir haben ein Wertgutachten erstellen lassen, und gemäß dieses Gutachtens ist auch der Kaufpreis. Dieser ist übrigens zweigeteilt, da die Besitzerin der Eishalle und des Spielelands ihr Vorkaufsrecht für das von ihr genutzte Gelände, das bisher in Erbpacht ist, geltend machen kann.

Wie haben Sie sich mit der Besitzerin der Eishalle geeinigt?

MARQUARDT: Sie war bei zwei Gesprächen mit den Investoren dabei. Diese Gespräche sind positiv verlaufen. Sie hat aber deutlich gemacht, dass sie ihr Vorkaufsrecht geltend machen möchte. Sie sagte aber in den Gesprächen, dass einer Zusammenarbeit mit den Investoren nichts im Wege stehe.

Wie hoch glauben Sie, sind die Erfolgsaussichten, dass sich dieses Projekt positiv etabliert?

MARQUARDT: Gut. Wir hatten mal einen Campingplatz mit 500 Stellplätzen, der zu Anfang wirklich gut gefüllt war. Ich bin mir sicher, dass der Tourismus hier in Adelberg wieder anläuft, wenn etwas mit Qualität und Hand und Fuß geboten wird.

Wie sichert sich die Gemeinde ab, falls den Investoren einmal das Geld ausgeht?

MARQUARDT: Da haben wir die Möglichkeit des Heimfalls für das Campingplatzgelände, das nur in Erbpacht für zunächst 40 Jahre abgegeben wird. Wir sind in diesem Fall vertraglich abgesichert.

Und was passiert, wenn dann Schulden auf dem Campingplatz sind?

MARQUARDT: Wir müssen den Heimfall nicht geltend machen und nach Ablauf der 40 Jahre Erbpacht ist dann der Übergang des Geländes zurück an die Gemeinde ohne Schulden möglich. Die einzige politische Gefahr, die wir bei der Erbpacht haben ist, dass wir 40 Jahre nicht an das Grundstück rankommen könnten, weil wir sonst eine zu hohe Zahlung leisten müssten. Aber wir müssen danach keine Schulden übernehmen.

Der Gemeinderat hatte ja die Firma "sab" als Investor abgelehnt. Was gab es für Alternativen zu den jetzigen Investoren und warum hat dies nicht geklappt?

MARQUARDT: Es gab einige Alternativen. Wir haben einen Adelberger Unternehmer im Gespräch gehabt, wir hatten einen ADHS-Verein, der den Campingplatz übernehmen wollte, wir hatten eine türkische Familie, die unter anderem Hallenfußballfelder ins Montemaris bauen wollte, dann war eine Firma da, die wollte einen Riesenferienpark aus dem Montemaris-Gelände machen und es gab noch weitere Investoren, die schließlich alle abgesagt haben, weil sie die dort gewachsenen Strukturen, auch mit dem bestehenden Erbpachtvertrag um die Eishalle, nicht tragen konnten oder wollten. Dazu kommt noch, dass die meisten Investoren Zuschüsse von der Gemeinde wollten. Jetzt sind keine Zuschüsse geplant. Herr Wäscher ist nicht "sab".

Was sagen Sie zu der Kritik, dass nicht alle Projekte der "sab" mit Herrn Wäscher als Verantwortlichem so reibungslos verlaufen sind, wie sie sollten?

MARQUARDT: Ich habe den Herrn Wäscher als guten Geschäftspartner kennengelernt. Auch an den Vertragsverhandlungen gab es nichts auszusetzen. Wenn ich dann natürlich ins Internet reinschaue, nehme ich das sehr wohl wahr. Aber ich muss auch sehen, dass es meistens eine Person ist, die negativ über "sab" schreibt. Und wenn man dann tatsächlich einmal recherchiert, was "sab" macht und gemacht hat, dann sind das durchaus Projekte, die gut gelaufen sind und toll dastehen. Ich sehe Herrn Wäscher und die anderen Investoren als eine Chance für Adelberg. Aber "sab" kommt ja nicht nach Adelberg.

Und warum haben die jetzigen Investoren nicht abgelehnt?

MARQUARDT: Sie sehen Potenzial in Adelberg und glauben auch an die Möglichkeit, eine Symbiose mit der Eishallenbesitzerin zu schaffen. Sie sehen klar die vorhandene Struktur in Adelberg.

Wie sieht es nun aus mit dem möglichen Baugebiet?

MARQUARDT: Wir haben im Herbst 2011 eine Bürgerarbeitsgruppe ins Leben gerufen. Das Ergebnis der Arbeitsgruppe war, dass die Bürger einen Naherholungsort und sanften Tourismus in Adelberg wollen. Auch wurde bei der Bürgerversammlung 2012 die Reihenfolge der möglichen Baugebiete deutlich. Erst Kugelberg und Ziegelwasen und dann auch aus städtebaulicher Sicht der Campingplatz. Wir haben aber sehr wohl im Vertrag eine Freihaltefläche für den Campingplatz vorgesehen für ein mögliches Baugebiet. Auch dieses Ergebnis aus der Bürgerarbeitsgruppe ist in den Vertrag mit eingeflossen. Wir arbeiten seit fast zwei Jahren an einem Ziel und alles, was in der Bürgerarbeitsgruppe erarbeitet worden ist, die ganzen Prüfaufträge, ist eingebracht worden.

Was sagen Sie zum Thema Gemeindehalle im Montemaris?

MARQUARDT: Das war auch ein Prüfauftrag aus den Arbeitsgruppen heraus. Ein neutraler Architekt hat dies geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solcher Umbau weder funktional noch finanziell sinnvoll sei. Alleine mit der Höhe würden wir nicht einmal eine Genehmigung für den normalen Schulsport erhalten.

Wie sieht der Zeitplan aus, wenn heute Abend der Gemeinderat dem Vertrag mit den Investoren zustimmt?

MARQUARDT: Das ist dann Investorensache. Aber den Investoren ist natürlich daran gelegen, dass dort so schnell wie möglich etwas passiert. Denn sie investieren dort viel Geld.

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