INTERVIEW · TILL FLORIAN BEYERBACH: "Man muss für diesen Beruf schon brennen"

Für sein Einmannstück "Tagebuch eines Wahnsinnigen" hat der Göppinger Schauspieler Till Florian Beyerbach zwei Preise kassiert, jetzt ist er damit im Theater im Bahnhof Rechberghausen zu erleben.

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Ihr Einmanntheater "Tagebuch eines Wahnsinnigen" ist zweimal ausgezeichnet worden. Kein einfaches Stück. Wie kamen Sie zu der Rolle?

TILL FLORIAN BEYERBACH: Als ich beim Kammertheater in Karlsruhe gearbeitet habe, suchte der Regisseur Bäno Axionov gerade dringend einen Schauspieler. Bei den ersten Proben hatten wir eine Dolmetscherin, weil Axionov sehr schlecht Deutsch sprach, später hat es mit Händen und Füßen funktioniert.

Offensichtlich, denn Sie haben zwei Preise für die Inszenierung erhalten.

BEYERBACH: Ja, von dem Stück gibt es verschiedene Fassungen. Als wir den Preis in Südrussland bekommen haben, bin ich mit dem Regisseur und dem Tonmann hingeflogen. Und in Moskau waren wir auch zu dritt. So werden wir das Stück auch im November bei Odeon aufführen. Man kann es aber auch sehr kompakt als Einmannstück spielen, so wie es am 25. Januar in Rechberghausen zu sehen sein wird.

Sie sind 32 Jahre alt und haben in Ihrem Leben mehr Arbeitsverträge unterschrieben als die meisten Rentner. Das Los eines Schauspielers?

BEYERBACH: Es hat ja zwei Seiten. Die negative Seite ist, dass man häufiger mal den Arbeitsplatz wechselt. Andererseits: Wenn sie mit ihrem Chef nicht so klarkommen, wissen sie: Sie arbeiten acht Wochen miteinander, und dann trennen sich ihre Wege. Aber klar: Ich habe einen Job, bei dem man dranbleiben muss, um wieder ein Engagement zu bekommen - wenn man nicht gerade Kind eines Promis ist. Aber man muss für den Beruf schon brennen, gerade weil man dazwischen auch mal Durststrecken hat.

Auf Ihrer Homepage geben Sie als besondere Kenntnisse an: Schlagzeug, Perkussion, Bayrisch, Fechten, sogar Tauchen. Müssen Schauspieler eierlegende Wollmilchsäue sein, um zu bestehen? Reicht Spielen, Gesang und Tanz nicht mehr aus?

BEYERBACH: Doch, aber speziell bei Film und Fernsehen werden oft spezielle Kenntnisse nachgefragt. Und wenn man die entsprechende Qualifikation hat, dann steigen die Chancen.

Das Schauspielerleben als Kampf?

BEYERBACH: Ja, aber daneben kann man natürlich auch eigene Projekte verfolgen. Ich mache mit einem Kollegen noch ein anderes Programm, "Play Luther", bei dem ich Schlagzeug spiele und das im März in Stuttgart rauskommt. Dabei nehmen wir uns des Lebens Martin Luthers an, aber auf eine moderne Art und Weise. Das heißt: originale Luther-Liedtexte mit neuen Melodien verknüpft, wie er es selber praktiziert hat. "Ein feste Burg" wird dann zum Beispiel zum Elektro-Pop.

Sie geben als Wohnmöglichkeiten unter anderem Berlin, Bochum, Bonn, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Dresden und München an. Das klingt nach einem unsteten Leben.

BEYERBACH: Es ist ein unstetes Leben. Es gibt Produktionen, da muss ich zum Beispiel in Köln wohnen. Dafür gibt es dann ein Netz von Freunden und Schauspielerkollegen, die sich da gegenseitig unterstützen.

Würde es Sie reizen, sich in Ulm oder Esslingen langfristig zu binden?

BEYERBACH: Ich finde es spannend, Stück-Verträge zu haben. Für längere Zeit an ein bestimmtes Haus gehen, liegt mir nicht so. Da ist der Tagesablauf immer gleich: Die proben von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr. Für mich mit drei Kindern wäre das schwierig. Da würde man von der Familie nichts mitkriegen.

Sie leben in Göppingen?

BEYERBACH: Ja, und uns gefällt es hier. Wenn ich wieder Möglichkeiten bekomme, hier in Ulm oder Stuttgart zu spielen, bin ich garantiert nicht abgeneigt.

Aber eben mit Stück-Vertrag.

BEYERBACH: Genau.

Leiden Sie sehr unter Lampenfieber?

BEYERBACH: Das ist schon ein ständiger Begleiter. Die Spannung ist hoch, wenn man weiß, ich bin jetzt in den nächsten 80 bis 90 Minuten allein mit dem Publikum und keiner kann mich retten, wenn ich mal hänge. Solotheater, das ist einerseits etwas, was anspornt und begeistert, andererseits wünscht man sich dann schon mal einen Kollegen zur Unterstützung.

Hat das Lampenfieber im Lauf der Zeit nachgelassen? Wird man da routinierter?

BEYERBACH: Am Anfang, als ich noch keine Kinder hatte, war das schlimmer. Jetzt habe ich gelernt, die reellen Dinge - Familie und Kinder - in den Fokus zu holen und mich damit zu beruhigen.

Ist der Auftritt in Rechberghausen für Sie ein besonderer?

BEYERBACH: Ich glaube schon, dass da einige Menschen da sein werden, die ich kenne. Da wird doch noch eine andere Anspannung da sein, als wenn man in einem Saal spielt mit Menschen, die man überhaupt nicht kennt.

Info Till Florian Beyerbach präsentiert am Samstag, 25. Januar, sein mehrfach ausgezeichnetes Stück "Tagebuch eines Wahnsinnigen" beim Theater im Bahnhof in Rechberghausen. Beginn ist um 20 Uhr.

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